Re: Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

08. 03. 2021 15:56
Hallo Seawaves,
so hart sich das vielleicht anhört, aber inhaltlich gebe ich diesem Posting von Cornelia vollumfänglich recht.
Du schreibst "Es ist vieles im Argen." aber er schläft, isst, und interessiert sich wieder für seine Ausbildung?
Nach Manie klingt das für mich nicht.
Aber dann kommt auch schon die Erklärung, nämlich das, worauf viele Angehörige zu Unrecht warten.
Die "Reflektionsfähigkeit" oder auch gerne mal Vernunft genannt.
Was die richtige Reflektion und was vernünftig ist, das wissen natürlich nur die Angehörigen. Denn dem Kranken kann man ja noch nicht trauen, selbst wenn er wieder aus der Klinik ist.
Wann sieht er uns nicht mehr als Feinde? Nun, das ist sehr unterschiedlich. Tage, Wochen, Monate, Jahre, absolut niemals. Das kommt ganz darauf an, was passiert ist. Eine Manie wird nie zurückgedreht. Was der Maniker erlebt hat, das hat er erlebt, emotional, real, auf ganzer Linie. Wahrscheinlich intensiver, als jeder Andere, der da nun um ihn herumsteht. Und er hat nie dasselbe erlebt, wie die Angehörigen. Niemand erlebt jemals dasselbe, wie irgendjemand anders. In seinem Falle ist der Unterschied nur wesentlich größer.
Es gibt Entscheidungen, die werden nie zurückgenommen oder sind nicht rückgängig zu machen. Das ist einer der Gründe, warum Bipolare regelmäßig alles verlieren, was sie sich aufgebaut haben. Mehr oder weniger.
Das sind Verluste, die die Angehörigen nicht haben und nicht nachvollziehen können.
Manchmal werden Entscheidungen getroffen, die längst überfällig waren, und für die nie die Kraft gelangt hat, auch die werden mit größter Wahrscheinlichkeit nicht zurückgenommen. Bei Trennungen ist das manchmal für den dann "Ex-"Partner besonders schmerzhaft, wenn er mitbekommt, dass seine Hoffnung, dass sich alles wieder einrenkt, nicht erfüllt ist, und der Maniker sehr froh ist, sich getrennt zu haben, auch danach. Sowas passiert. Nicht selten. Und so kann das im Prinzip bei allem sein, was der Betroffene gemacht hat. Er muss es nicht bereuen. Kann schon, muss nicht.
Medikamente ändern das nur für *sehr* Wenige in einem Maße, dass jemand "wieder der Alte" wird. Sie sind Hilfsmittel zum Überleben, sonst nichts. Sie heilen nichts, sie machen nichts wieder ganz.
Je früher das auch die Angehörigen überdenken, reflektieren, desto besser steht die Chance, sich nach solchen Episoden wieder gegenseitig anzunähern, insofern das eben überhaupt möglich ist.

Das Ziel der Behandlung ist die größtmögliche Selbstbestimmtheit des Betroffenen wiederherzustellen, bzw. zu erreichen. Nicht, die Sichtweise anderer Menschen anzunehmen, sich anzupassen, oder alle Scherben zusammenzukitten. Nicht "brav" zu sein, leise, depressiv, leicht zu lenken, so gerne das viele Angehörige auch hätten. Medikamente zu nehmen, und welche, das ist eine ganz persönliche Entscheidung des Betroffenen, er kann immer auch die Behandlung ablehnen und das ist auch sein gutes Recht. Es kann ja auch niemand einem Krebskranken vorschreiben, eine Chemo zu machen. Selbes Prinzip. Es gibt ein Recht auf Krankheit. Krankheit ist keine Schuldfrage. Eltern und Geschwister tun sich damit oft schwerer, als Lebenspartner, dies anzuerkennen, aber nicht immer.
.
Selbstbestimmtes Leben, darum geht es. Nichts Anderes. Das ist das Behandlungsziel. Dafür sollte man möglichst frei von Denkstörungen sein, selbstredend, aber auch wenn es nur unvollständig oder gar nicht gelingt, selbes Ziel.
Anerkennung der anderen Wirklichkeit, in der der Betroffene de facto gelebt hat, das wäre auch nicht schlecht. Bevormundungen vermeiden. So viele Sachen, die gar nicht so schwer wären, aber leider oft nicht funktionieren und es schwer machen, sich wieder anzunähern.
Je besser das verstanden wird, desto besser kann das Verhältnis von Angehörigen und Betroffenen wieder werden.
Eigene Erfahrung ... leider in weiten Zügen keine besonders Positive, darum werde ich hier so ausführlich...

Liebe Grüße,
M.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

Seawaves 2719 07. 03. 2021 10:22

Re: Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

kinswoman 561 07. 03. 2021 11:24

Nur weil wir Medikamente bekommen, sind Manie und Depression nicht weg

Lichtblick 611 07. 03. 2021 18:29

Re: Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

zyklothym 548 08. 03. 2021 15:56

Was die Krankheit verlängern kann

Lichtblick 634 08. 03. 2021 20:50

Re: Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

michelle111 436 08. 03. 2021 21:41

Re: Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

kinswoman 500 12. 03. 2021 17:47

Re: Manie - insbesondere @Lichtblick @zyklothym

Seawaves 523 23. 03. 2021 20:15

Re: Manie - insbesondere @Lichtblick @zyklothym

Delphine 355 23. 03. 2021 20:38

@delphine

Seawaves 623 23. 03. 2021 20:57

Re: @delphine

Delphine 481 25. 03. 2021 10:41

Eine Antwort für Seawaves

Lichtblick 1008 24. 03. 2021 21:40

Re: Eine Antwort für Seawaves

Delphine 482 25. 03. 2021 10:46

Positive Entwicklung - Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

Seawaves 359 02. 04. 2021 13:34

Re: Positive Entwicklung - Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

Rouvi 357 02. 04. 2021 15:30

Re: Positive Entwicklung -

Lichtblick 327 02. 04. 2021 20:02

@ Lichtblick Re: Positive Entwicklung -

Seawaves 399 02. 04. 2021 23:18

Danke, dass Du die Medikamente aufgeschrieben hast

Lichtblick 279 04. 04. 2021 15:52

Re: Danke, dass Du die Medikamente aufgeschrieben hast

Rouvi 325 04. 04. 2021 16:02

Re: Weit Drüber und dann

Zora 334 04. 04. 2021 16:32

An Rouvi

Lichtblick 332 04. 04. 2021 19:49

Re: An Rouvi

Rouvi 327 05. 04. 2021 14:01

Re: An Rouvi

A20213 249 05. 04. 2021 14:21

auf Manie folgt fast zwangsläufig Depression

FLYHIGH 387 04. 04. 2021 19:55

Psychiaterwechsel

Seawaves 313 05. 04. 2021 08:34

Re: Psychiaterwechsel

Lichtblick 245 05. 04. 2021 14:31

Re: Psychiaterwechsel

Milla 502 06. 04. 2021 08:41

Re: Positive Entwicklung - Manie - Urteilsfähigkeit & Dauer

kinswoman 379 03. 04. 2021 19:06



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