Quetiapin

03. 11. 2020 21:34
Liebe Forist*innen,
ich wage mal die vorsichtige Aussage, dass das Quetiapin das Richtige für mich sein könnte. Es hat mich zwar auch sehr müde gemacht, aber es fing auch sofort an, dass ich zwischendurch für klitzekleine Momente plötzlich einen ganz klaren und ruhigen Kopf hatte.
Und heute Abend - nun gut, abends ist die morgendliche Einnahme natürlich auch ein bisschen her - ... Ich kann es kaum schildern. Weil ich mit einem Bild nicht weiterkam, habe ich mir ein Kunstbuch angeschaut und habe das Gefühl gehabt, ich sehe zum ersten Mal überhaupt die Bilder wirklich. Ich saß ganz ruhig da und habe geblättert und habe das alles genossen: Dass ich so ruhig da sitzen kann, dass ich so ruhig blättern kann, ohne Ungeduld, ohne dass die Buchseiten meine widerborstigen Feinde sind, wie sonst IMMER, dass mir zu den Gesprächen der Mitpatient*innen zwar immer noch dauernd lustige oder dumme Sprueche einfallen, ich sie aber nicht sagen muss, ohne dass ich das Gefühl habe, dass der Welt etwas entgeht und ohne daran zu platzen (eher denke ich öfter mal, dass ich Comics daraus machen könnte - wenn ich zeichnen lerne) ... Die Bilder in dem Buch in Ruhe anzuschauen und ganz klar wahrzunehmen: Die Farben, die Linienführung, wie krass toll viele von ihnen sind - einfach nur, weil ich sie - ich glaube erstmalig in meinem Leben - ohne Ungeduld anschaute. Ohne das komische getriebene Gefühl, ich müsse damoit irgendwie schnell fertig werden.... Ein bisschen geweint habe ich auch. Vor Rührung. Und vor Trauer, dass ich nicht schon eher mal zum Psychiater gegangen bin. So vor 20 oder 30 Jahren... Dass alle Psychotherapeut*innen bei denen ich war, nicht gesehen haben, dass ich was anderes oder mehr habe als ne Depression. Aber das geht hier ja vielen so :(
Dauernd sitze ich nun irgendwo, fühle mich ruhig und klar und murmele fasziniert vor mich hin: "Alter!"
Danach habe ich mein Zimmer aufgeräumt und habe so kleine und jetzt leere Papp-Kistchen, in denen mein neuer Fotoapparat und die Objektive waren, so wieder zusammengefaltet wie sie vorher waren, jede Lasche in den Schlitz gesteckt, in den sie gehört, ohne Wut und Ungeduld, und sie dann weggelegt, ohne das im Geringsten belastend oder nervig zu finden. Fasziniert stehe ich neben mir und beobachte das. Ich weiß, das klingt albern, aber alltägliche Tätigkeiten und DINGE waren immer gegen mich, seit ich denken kann!
Es kommt mir selber verrückt vor, das das nach zweimaliger Einnahme schon so wirken soll, aber anders ist es nicht erklärbar: Denn so war ich, seit ich denken kann, noch nie. Selbst als Kind nicht. Und trotzdem fühlt es sich verdammt nach mir an. Und ich habe diese Art der Wirkung nicht antizipiert, ich dachte ja eher besorgt, das macht mich ausschließlich verspult und müde.
Aber gut, erstmal abwarten, ob das so bleibt. Ihr müsst nicht unbedingt antworten, aber ich dachte, wenn jemand anders nach Erfahrungen mit Quetiapin sucht, ist das ja vielleicht hilfreich. Der Arzt meinte überigens, als Antpsychotikum tauge es eigentlich gar nicht so viel, obwohl es dafür eingesetzt wird - keine Ahnung.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.11.20 21:53.
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Nil 141 31. 10. 2020 14:28

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