Wie geht es weiter? Benötige dringend Einschätzungen

22. 05. 2020 00:05
Liebes Forum,

das wird nun mein erster Eintrag. Um meine Problematik besser erklären zu können, muss ich die Vorgeschichte kurz erläutern.

Nach der Geburt meines ersten Kindes vor 12 Jahren hatte ich eine Wochenbettdepression, die dann aber später auch psychotische Züge annahm. Das alles zog sich sehr lange. Als er drei war, ich nebenbei im Studium, verschlimmerte sich das Ganze. Nach drei Selbstmordversuchen, psychotischen Symptomen, bei denen ich mir die Haare abschnitt und diverse Narben zufügte, landete ich auf der geschlossenen. Dort wurden damals diverse Diagnosen gestellt, ich nahm verschiedene Medikamente, mitunter Tavor, Zyprexa und Lithium. Ich blieb dort 6 Wochen und bin dann für drei Monate in eine Mutter-Kind-Klinik. Danach setzte ich alles ab, hatte eine super Phase, obwohl sich mein langjähriger Partner trennte, zog mein Studium durch und schaffte irgendwie alles. 10 Jahre sind vergangen. Ich lebe seit langer Zeit in einer neuen Partnerschaft. Mein Zustand schwankt stetig, es gibt diese ganz tiefe Phasen, in denen ich einfach nicht mehr weiter weiß und oft gefährlich nah am Abgrund stehe und keinen Sinn mehr in meinem Leben sehe. Das klingt so undankbar. Ich habe nette Kinder, einen tollen Partner, einen sicheren Job. Und doch stehe ich stetig am Abgrund. Ich kann mich nicht halten, fühle mich zersprungen, so als müsste ich den ganzen Tag kämpfen, um mich zusammenzuhalten. Ich weiß gar nicht so richtig wer oder was ich bin, wofür ich lebe und was ich gut kann. Es ist als würde ich bei anderen versuchen abzuschauen, wie man sich in verschiedenen Rollen verhält (als Mutter, Partnerin, etc.). Ich fühle das einfach nicht, setze oft eine Maske auf, gerade wenn es mir schlecht geht. Ich möchte meinen Kinder eine gute Mutter sein, meinem Partner eine gute Frau. Das einzige was funktioniert ist, dass ich mich für den Job verausgabe. In den schlechten Phasen ziehe ich mich zurück, kann gar keine Nähe ertragen. Es sind aber auch nicht diese klassischen Symptome wie bei einer Depression. Ich bleibe nicht im Bett liegen, bin da unfassbar selbstdiszipliniert, auch weil sich mein Selbstwert voll und ganz über den Job zu definieren scheint. Aber innerlich sterbe ich.
Neben dieser Phasen gibt es eben auch die anderen. Ob das jetzt Manie/Hypomanie ist, ich weiß es alles nicht. Ich kann dann oft nur kurz schlafen, so wie in der Phase gerade eben. Ich bin durchflutet von Gedanken, derzeit von Dingen, die ich doch erledigen könnte. Ich bin wie aufgepuscht, so, als hätte ich was genommen. Ich fühle mich einfach auf Hochspannung, betreibe unbewusst total viel Sport bzw. scheine viel in Bewegung zu sein, also mehr als sonst. Am Ende des Tage stehen oft 29000 Schritte auf meiner Uhr. Ich kann nicht aufhören zu denken, arbeite und arbeite, bin unglücklich zugleich. Es ist ein pures Chaos. Oft kann ich mich nicht konzentrieren. Die Phase muss nicht immer negativ sein, gerade ist es das aber. Ich habe den dritten Hörsturz. In der Vergangenheit habe ich eine Verhaltenstherapie gemacht. Ich konnte die Entspannungstipps nicht umsetzen, das hat mich so frustriert. Ich lese viele Bücher und versuche daran zu arbeiten, mich zu bessern, eine besser Mutter zu sein. Fest steht, dass ich eine Angst- und Zwangserkankung habe. Nach der Verhaltenstherapie, die ich irgendwann abbrach, habe ich mit einer Tiefenpsychologisch fundierten Therapie begonnen. Der Therapeut bat mich nach der zweiten Sitzung dringend einen Neurologen aufzusuchen, weil er neben einer Persönlichkeitsstörung noch anderes vermutete. Dort war ich und es wurde auf eine bipolare Störung getippt. Im Januar war ich in einer Ambulanz für bipolare Störung, in der die Ärzte nach zwei Gesprächen zu einem ähnlichen Schluss kamen. Aufgrund von Covid-19 konnte aber bisher noch keine genaueren Tests durchgeführt werden, somit weiß ich es nicht endgültig. Wenn es mir zwischendurch dann wieder gut geht, dann schiebe ich alles beiseite, selbst hier beim Schreiben empfinde ich es so, als mache ich mich lächerlich und bilde mir das alles nur ein. Ich kann das gar nicht genau erklären. Ich selbst nehme es erst spät war, wenn es bei mir bescheiden läuft bzw. ich anders zu sein scheine. Meinem Mann glaube ich es dann nicht und wir streiten uns. In depressiven Phasen, wenn ich es merke, dann traue ich mich oft nicht irgendwo hin, auch weil ich mich nicht ernst nehmen kann bzw. Angst habe, nicht ernst genommen zu werden. Da ist etwas in mir, das mir das Gefühl gibt, ein Hypochonder zu sein. Da gibt es aber auch den Teil in mir der weiß, wenn ich nicht bald mal handel, dann verliere ich vielleicht irgendwann alles, auch weil ich in schlechten Phasen oft mit suizidalen Gedanken kämpfe, gerade weil ich in meiner Familie nicht funktioniere und ich nicht glaube, dass meine Kinder mich brauchen. Ich weiß wie bescheiden und egoistisch das jetzt für veiel klingt. Wenn man Kinder hat, dann sollte man solche Gedanken nicht haben. Ich verstehe mich auch nicht. Der Arzt verwies diese Woche darauf, dass ich vom Körper her total gestresst reagiere. Ich verliere massenhaft Haare, eben das mit den Ohren. Ich schwanke zwischen die Sache nicht ernst nehmen, es abtun und Angst. Das geht eigentlich immer so. Ich drehe mich gerade im Kreis. Mir geht es beschissen, ich ertrinke, aber ich weiß gar nicht, ob ich irgendetwas habe und ob ich in dieser Ambulanz richtig bin. Vielleicht ist es auch was ganz anderes, vielleicht benötige ich mehr Selbstdisziplin.

Wenn ich wie jetzt so richtig tief drinstecke, mit allen schlechten Gedanken, würde ich gerne in der Ambulanz anrufen. Der Gedanke wie es im Job aussähe und das ich eventuell fehlen würde hindert mich sowie der Fakt, dass ich ,wenn ich dann einen Arzt vor mir sitzen habe, alles runterspiele. Ich lache dann wie blöd, so dass mich der Neurologe beim letzten Mal schon gefragt hat, ob ich etwas genommen habe.
Ich bin meinen Kindern absolut keine vorbildhafte Mutter, ich würde so gerne ankommen und den Job Job sein lassen. Ich habe aber so Angst und die Phasen können wieder ändern, dann ist es besser, zumindest die Ängste und ich bin dann oft sehr produktiv und ausgelassen. Es macht mich aber die meiste Zeit echt einsam.
Derzeit haben sich die Ängste auf alle Bereiche ausgebreitet, ich bin unfassbar sprunghaft und zwanghaft. Ich putze den ganzen Tag, kann niemals ruhen. Es springt mich alles an, überall sehe ich Aufgaben, Chaos und Dreck. Für den Job muss ich viele Berichte schreiben. Mir glaubt immer niemand, wie schwer mir das fehlt.Ich kann meine Gedanken nicht fassen, alles scheint wichtig, das ist so eine Hürde. Engste Freunde wissen ein wenig davon bzw. sprechen mich des Öfteren an, wenn ich so eine aufgepuschte Phase habe, weil ich so sprunghaft in meinen Gedanken bin. Ich schäme mich dann. Ich weiß ich was ich bin, außer eine gute Arbeiterin, die sonst nie krank ist und funktioniert. Jetzt wo ich die Woche zu den Infusionen bin, da fühle ich mich so als Versagerin. Das kommt irgendwie alles zusammen: Ängste, wechselnde Phasen, Zwänge.
Die Fragen die ich mir immer stelle: Bin ich einfach nicht diszipliniert genug? Was mache ich falsch? Brauche ich Hilfe? Ist es überhaupt eine bipolare Störung, könnte man da recht haben? Mein Mann fühlt sich, so sagte er es mir heute, sehr verzweifelt und hilflos und wollte schon selbst in der Ambulanz anrufen. Er empfindet mich sehr schwankend, mal in der einen, dann in der anderen Phase. Aber das könnte ja auch anderes sein.Das ich nach außen ein relativ normales Leben mit langer Beziehung und Job führe, spricht doch dagegen.
Obwohl ich es ja oft weiß, fühle, dass ich am Abgrund stehe, traue ich mir im nächsten Moment selbst nicht über dem Weg und dementieren alles. Und es gibt auch Phasen, in dem ich meinem Partner plötzlich nicht mehr vertraue und ihm gegenüber total skeptisch werde.Das kann ich schlecht erklären, alles fühlt sich dann etwas bedrohlich an. Kennt das einer von Euch. Gerade entgleitet mir das alles, aber vielleicht ist das in Coronazeiten auch normal? Ich kann es echt nicht einschätzen. Ich weiß nur, ich habe Angst, traue mir gerade nichts mehr zu und fühle mich von allem gestresst.Meine Arbeit macht mir besonders Angst. Aus Angst übernehme ich dann alles und verfalle ich Panik. Gleichzeit laufe ich eben auf Hochtouren. Ich versuche Entspannungssachen, das klappt aber nicht, ich bin so voll.
Es tut mir leid, dass ich Euch jetzt so einen langen Text zumute. Ich weiß wirklich nicht weiter. Ich würde mich über Tipps freuen.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.05.20 00:29.
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Mondsand32 379 22. 05. 2020 00:05

Re: Wie geht es weiter? Benötige dringend Einschätzungen

Aradia 119 22. 05. 2020 05:21

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Mondsand32 129 22. 05. 2020 07:57

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Aradia 123 22. 05. 2020 09:14

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SearchMyself 104 22. 05. 2020 11:41

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Midori 127 22. 05. 2020 14:35

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fluuu2 95 25. 05. 2020 14:05



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