Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

07. 09. 2022 21:37
Liebe Bipos da draußen,

ich höre und lese immer mehr vom ach so tollen Achtsamkeitstraining. Das wurde mir in meiner damaligen Verhaltenstherapie ( zu dieser Zeit noch undiagnostiziert gewesen) schon versucht, schmackhaft zu machen und es findet sich auch immer wieder im Zusammenhang mit Depressionen als "Wundermittel", um es mal überspritzt zu sagen. Auch in meinem persönlichen Umfeld taucht dieses Wort immer mal wieder als wohlgemeinter Ratschlag auf und ich bin - wie soll ich es anders sagen - genervt oder gar wütend darüber. Denn:
Für mich ist das Thema Achtsamkeitstraining als Behandlungsansatz irgendwie eine maßlose Bagatellisierung meiner (teils sehr schweren) depressiven Episoden. Entweder, ich habe das Konzept nicht richtig verstanden. Oder ich bin einfach zu trotzig, um es richtig umsetzen zu können. Oder ich habe recht, dass es absolut NICHTS bringt.

Wenn ich depressiv bin (meist mehrere Monate am Stück), bin ich wie innerlich abgestorben was positive Gefühle angeht. Es ist, als ob tatsächlich die Chemie in meinem Kopf einfach nicht in der Lage ist, irgendwelche guten Gefühle zu produzieren - egal, was ich mache. Ich kann mein Lieblingsgericht essen, das ich normalerweise köstlich finde, und es schmeckt nach - nichts. Ich kann meinem Hobby nachgehen, das mich normalerweise "kickt", und es ist einfach nur anstrengend, nervt, oder überfordert mich sogar. Ich kann meine Haustiere anschauen, die ich normalerweise liebe und super süß finde - und ich empfinde nichts, oder einfach nur die verbundene Last, ihren Dreck wegmachen zu müssen. Überhaupt ändert sich in einer Depression absolut alles, was nicht im Bett liegen ist, in das Gefühl einer absolut sinnlosen Anstrengung. Alles ist nur noch eine Last, ein Übel, das ich hinter mich bringen muss, jede Sekunde des Tages ist pure Überwindung, Aushalten, Ertragen, nicht mehr als das. Und nein, daran ändert eine achtsame Wahrnehmung nichts. Leider.
Wenn ich NICHT depressiv bin, bin ich der Kandidat, der an einer Blume vorbeigeht und stehenbleibt, um daran zu riechen. Ich bin ein sehr sinnlicher Mensch, ich esse gern, ich liebe gute Gerüche, ich bin sehr körperlich mit meinem Mitmenschen, sehr verkuschelt etc. etc. Aber in den Depressionen ist das halt alles weg. Weil es eben nichts mehr in mir auslöst. Die einzigen Gefühle, die übrig sind, sind Angst, Stress, Trauer, und den Frust darüber, dass es so ist und ich es nicht ändern kann.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Wie sind eure Erfahrungen mit Achtsamkeit in Depressionen?
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Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

NeverEndingStory 472 07. 09. 2022 21:37

Re: Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

VanGogh 151 07. 09. 2022 22:09

Re: Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

Sima 137 07. 09. 2022 22:10

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VanGogh 131 07. 09. 2022 22:25

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NeverEndingStory 136 07. 09. 2022 22:26

Re: Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

Sima 135 07. 09. 2022 23:19

Re: Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

VanGogh 132 07. 09. 2022 23:37

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SPITZMAUS 129 08. 09. 2022 09:01

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Elli68 128 08. 09. 2022 23:50

Re: Achtsamkeit gegen die (bipolare) Depression? Als ob!

Lichtblick 144 09. 09. 2022 21:34



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