Eheprobleme nach Manie - bin neu hier

28. 06. 2018 15:58
Hallo liebe Forums-Mitglieder!

Seit 2006 besteht bei mir die Diagnose „Bipolare Störung im Sinne eines HOPS“. Nach Ansicht der Ärzte liegt die Ursache hierfür in einer schweren Hirnhaut- und Gehirnentzündung sowie Hirnblutung, welche ich im Jahr 2000 hatte und in der weiteren Folge neben körperlichen Beschwerden wie Halbseitensymptomatik auch eine Epilepsie besteht. Das Ganze nennt sich HOPS, heißt Hirnorganisches Psychosyndrom.

Nun hatte ich bisher insgesamt 3 Krankheitsschübe. 2005, 2013 und 2018. Krankheitseinsicht war bei mir immer vorhanden, habe seit 2006 regelmäßig meine Medikamente genommen. Phasenprophylaxe bei mir mittels "Quetiapin" und "Levetiracetam", bei Manie "Zycrest"

Beim letzten Schub war die manische Phase jedoch so schwer, dass die ganze Familie, mein Mann und meine Kinder sehr gelitten hatten. Ich selbst hatte dies nicht so wahrgenommen und es gab einen großen Scherbenhaufen. Auf die manische Phase folgte eine sehr schwere depressive Phase, ebenso in einem Ausmaß, wie ich es bisher nie erlebt / wahrgenommen hatte.

Mein Mann hatte sich entschlossen, nach vollzogener Trennung (von mir in der Manie) und anschließendem wieder „Wachwerden“ und Begreifen, was da überhaupt passiert ist, unserer Ehe eine Chance zu geben.

Es gab während meines langen stationären Aufenthaltes in der Psychiatrie regelmäßige Gespräche zusammen mit meinem Mann und der Psychologin. Es war alles auf einem guten Weg. Zudem war ich komplett therapiewillig, krankheitseinsichtig, wurde medikamentös gut eingestellt, machte entsprechende Schulungen, Achtsamkeit, Erkennen der Warnzeichen, Therapie etc.

Wie geplant habe ich mich im Rahmen der Entlassung um einen Therapieplatz bemüht, diese Therapie beginnt nächste Woche. Die Wartezeit war mit 10 Wochen relativ gut, bei der Situation hier, wo man eher ein halbes Jahr warten muss.

Auch habe ich vorgesorgt, für den Fall, dass es noch einmal zu einem manischen Schub kommt. Es gibt eine Vorsorgevollmacht. Mein Mann hat also die Sicherheit, dass er handeln kann, wenn so etwas sich wiederholen sollte, was ich jedoch nicht hoffe.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe vorgesorgt, er ist geschützt, und krankheitseinsichtig bin ich sowieso. Bin wieder zuhause, seit 8 Wochen phasenfrei, ganz normal alltagstauglich, weder hoch noch tief, lediglich morgens ein kleines Morgentief bis zur ersten Tasse Kaffee). Bin weder launisch noch in irgendeiner Form provokativ. Von Seiten des behandelnden Arztes eigentlich alles optimal.

Nun zum aktuellen Problem:
Von meinem Mann kommen jedoch fast täglich kleinere und größere Sticheleien. Statt vorwärts zu sehen, sorgt er dafür, dass auch ich dann natürlich wieder ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle bekomme. Klar muss er sich genauso wie ich damit auseinandersetzen, dafür gibt es ja auch professionelle Hilfe, die er in Anspruch nehmen kann.
Vorgestern kam dann sinngemäß der Satz: „Ich erkläre den Leuten doch nicht, dass die arme Tinka krank ist. Wie stehe ich denn dann da?!“ (Es wurde im Freundes- und Verwandtenbereich ziemlich viel getratscht, da gibt es nur eine Person, die wirklich interessiert und auch hilfsbereit ist. Der Rest sieht das als böswillig von mir. Daher heißt es zur Zeit „der arme Ehemann“.)
Fakt ist, dass ich krank bin. Das Wort „arm“ kann man natürlich weglassen. Ich habe aber meinen Part für eine positive Zukunft und für seine und meine Sicherheit gewissenhaft erfüllt. Mit Medikamenten habe ich noch nie gepokert. Ich bin in der manischen Phase auch nicht fremdgegangen, im Gegenteil, ich hatte gar kein sexuelles Interesse. Ich kenne auch den Auslöser für die letzte manische Phase, waren vom Internisten verordnete Medikamente, welche ich längerfristig genommen habe. Das ist definitiv bei mir gespeichert, mein Mann weiß es auch.
Im Moment fehlt mir doch etwas die Anerkennung für das was ich wieder leisten kann, das Begegnen auf Augenhöhe. Ich habe das nicht mit Absicht gemacht. Der Wunsch, der Ehe eine Chance zu geben, darüber habe ich mich sehr gefreut, es auch gezeigt, aber wenn ich jetzt immer wieder in die Vergangenheit gestoßen werde, dann schadet das aus meiner Sicht auch meiner Stabilität. Hier müsste er sich aus meiner Sicht Hilfe bei der Verarbeitung suchen. Ich möchte im Hier und Heute leben, was er auch weiß. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ich kann es jetzt und in Zukunft besser machen. Ich möchte nichts unter den Teppich kehren, klar ist die Situation nicht leicht, eine Chance ist für mich jedoch nicht die Tatsache, täglich mit schlechten Kommentaren die Chance in Frage zu stellen.

Was sind hier Eure Erfahrungen? Ist es besser, einfach noch zu warten und die "Klappe zu halten" oder ist es ratsam, dieser Stagnation in der Vergangenheit etwas vorzubeugen?

War jetzt lang, aber ich bin ja auch neu hier
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Eheprobleme nach Manie - bin neu hier

tinka65 561 28. 06. 2018 15:58

Re: Eheprobleme nach Manie - bin neu hier

Irma 178 28. 06. 2018 20:14

Re: Eheprobleme nach Manie - bin neu hier

tinka65 190 01. 07. 2018 15:49

HOPS

dry 164 28. 06. 2018 20:21

Re: HOPS

tinka65 187 28. 06. 2018 21:32



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