Hallo Zusammen,
ich wurde 2017 in stationärer Behandlung aufgrund akuter depressiver Episode diagnostiziert.
Zu dem Zeitpunkt habe ich BWL studiert. Das Studium habe ich nach erfolgreicher Ausbildung als Industriekaufmann begonnen.
Es war eine Manie vorangegangen (lange dachte ich es war "nur" eine drogeninduzierte Schizophrenie inkl. Verfolgungswahn).
..weiss ehrlicherweise gar nicht wie detailliert ich hier gehen will, aber ich glaube es braucht den Kontext.
Ich habe einen GDB von 50% und bin seit ca. 5 Jahren in wechselnder Dosierung mit 37,5 mg Venlaflaxin und 15 mg Aripiprazol eingestellt.
Je nachdem, ob gerade Depression oder (hypo-) manie akut ist. Als Bedarfsmedikation Quetiapin.
Nach dem Studiumsabbruch und den stationären Aufenthalt habe ich relativ viel "ausprobiert".
1,5 Jahre Partnermanager im Softwareunternehmen (selbst gekündigkt - depressiv)
6 Monate Duales Studium in anderem Softwareunternehmen (abgebrochen - hypomanisch --> depressiv)
6 Monate Marketing Manager im Startup (selbst gekündigt - depressiv)
2 Jahre Vertrieb im Softwareunternehmen (selbst gekündigt nach Wiedereingliederungsversuch - depressiv)
6 Monate Vertriebsleiter im Softwareunternehmen (selbst gekündigt - depressiv)
6 Monate Weiterbildung als Business Coach, Trainer, Consultant
2 Jahre selbstständig als Unternehmensberater (hat sich nie wirklich getragen. Ich habe erst den Gründerzuschuss genutzt, dann zeitweise Bürgergeld, dann Arbeitslosengeld nach 1 Jahr aufgrund freiwilliger ALG-Versicherung. Das Ergebnis war Überforderung, Existenzangst und Depression plus ein Aufenthalt in der Tagesklinik von 4 Wochen)
Vor Ende der Selbstständigkeit im März 2026 war ich 50% angestellt und 50% selbstständig und zwar
6 Monate als Business Innovation Analyst (gekündigt worden kurz vor Ende der Probezeit aufgrund Manischer Episode)
Während Kündigung und danach 3 Monate krankgeschrieben und Krankengeld bezogen.
Wer bis hierher gelsen hat - schon mal danke fürs dran bleiben und "eindenken".
Ich bin seit 2017 bei der örtlichen PIA angebunden und habe einen Job Coach über ein Programm namens Supported Employent, der mich vor und nach der Selbstständigkeit begleitet hat - auch jetzt wieder.
Jetzt zur aktuellen Situation:
Seit Juli habe ich einen neuen Job als Sales Consultant in einem Softwareunternehmen. Ich habe mit 80% angefangen und wäre nach 3 Monaten auf 100% gegangen.
Ich habe entgegen der Empfehlung meiner Psychiaterin den neuen Job einem stationären Klinikaufenthalt mit dem Ziel der Vertriefung meiner psychoedukation für die Bipolare Störung vorgezogen. Das hatte in erster Linie finanzielle Gründe.
Ergebnis: Derzeit wieder AU aufgrund depressiver Episode. Bereits mehrfach ausgefallen während der Probezeit.
Ich unternehme derzeit einen letzten Versuch die Anstellung zu retten durch ein klärendes Gespräch mit meinem Vorgesetzte und meinem Jobcoach. Die derzeitige Arbeit belastet mich - nicht aufgrund Über- sondern Unterforderung. Es wird viel Kündigungsabwehr betrieben durch telefonische Zufriendenheitsbefragung und grundsätzlich empfinde ich unsere Firma als sinkendes Schiff - was nicht der Realität entsprechen muss, aber es kommen wenige neue Kundenanfragen, was die Beratung - die mir Freude bereitet - zum Randthema werden lässt. Vielleicht gehts mir aber auch einfach nicht ausreichend gut, um dem Job gerecht zu werden.
Ziel des Gesprächs ist zu prüfen, ob eine Umstrukturierung meiner Tätigkeit möglich ist und die Anstellung erhalten werden kann, während ich auf eine erneute stationäre oder ambulante Therapie warte.
Ich erkenne ein Muster aus Über- und Unterforderungssituationen mit der Exitstrategie der Arbeitsunfähigkeit und Jobwechsel.
Dazu sollte ich nicht verschweigen, dass Cannabis und Alkohol immer wieder phasenweise Wegbegleiter waren. Mal mehr und mal weniger präsent.
Derzeit bin ich nicht sicher, ob ich den Job weitermachen kann. Ein erneuter Jobwechsel wäre aus meiner Sicht nicht Zielführend.
Eine Umschulung o.ä. wahrscheinlich nur eine erneute Flucht.
Aktuelle Überlegungen: AU fortsetzen bis Stationäre oder ambulante Therapie möglich ist (derzeit Wartezeiten - normal) ODER, ob ich mich erneut ins Büro schleppe und es mir möglich ist meine Aufgaben auszuführen ohne, dass es mich wieder schlechter geht. Das aber nur falls das Gespräch erfolgreich verläuft und eine Anpassung meines Aufgabensprektrums möglich ist.
-kann genau so gut sein, dass die Kündigung nur auf mich wartet.
Ich frage mich, ob ich - der Job - oder die Krankheit mein Problem ist.
Eine BU Versicherung habe ich und überlege, ob die Situation eine Inanspruchnahme rechtfertigt, oder das nur eine erneute Flucht ist.
Vielleicht hat jemand eine ähnliche Reise hinter sich und kann mir weiterhelfen bezüglich einer langfristigen Verbesserung, oder was ihm/ihr gut getan hat auf dem Weg dorthin.
Falls jemand einen Impuls, Anregung oder Rückfrage für mich hat würde ich mich freuen.
Danke fürs Lesen und Grüße
5am