Jacky89 schrieb:
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> Hallo liebe Gemeinde,
Hallo Jacky, willkommen im Forum.
> Meine Frau wurde nun am vergangenen Donnerstag aus
> der Klinik entlassen. Sie gilt als stabilisiert,
> aber aus meiner Sicht noch nicht wirklich gesund.
Das ist der Normalfall. Die Klinik ist erst mal eine Akutversorgung und stabilisiert ist zwar wichtig, aber sicher
würde niemand behaupten, jemand ist nach der Entlassung sofort vollkommen gesund.
Eine Manie ist ein heftiger psychischer Crash. Es braucht eher Monate als Wochen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Und sie muss das beim ersten Mal auch erst verdauen, was ihr widerfahren ist. Sie hat ja wie du, noch keine Erfahrung mit diesem Zustand und es ist schon hart, drauf zu schauen und sich auf den Weg zur Akzeptanz zu machen.
Das funktioniert nicht wie ein Schalter der umgelegt wird. Das ganze Selbstverständnis und Bild, das man von sich hatte, ist in Frage gestellt.
Insgesamt klingt das was du schreibst, wie du das Krankheitsgeschehen siehst, für mich sehr verständig und um Fairness bemüht.
Und deshalb auch ein Rat am Rande von mir. Verschwende keine Energie, Kraft und Zeit durch Rechtfertigungen auf Beiträge und aussenstehende Menschen, die nichts hilfreiches Beitragen oder keine Ahnung haben.
Deine Ressourcen sind wertvoll, verschwende sie nicht. Versuche wenigstens noch ein paar deiner Bedürfnisse zu erfüllen, bei aller Verantwortung die du gerade schulterst.
Deshalb möchte ich dir auf deine Eingangsfrage aus meiner Erfahrung als Angehörige und jahrelang hier Lesende
antworten, dir Hoffnung machen.
> Habt ihr erlebt, dass Betroffene nach einer
> schweren Manie und Klinikbehandlung wieder
> vollständig zu sich selbst zurückgefunden haben?
Ja, mehrfach ;-)
Auch wenn das nicht spurlos an der Person vorbeiging.
> Kann es sein, dass meine Frau mit der Zeit wieder
> gesund wird, ihre Erkrankung akzeptiert und zu
> ihrer Familie zurückkehren möchte?
Das ist durchaus möglich. Hier schreiben überwiegend Betroffene, viele die schwere Manien hinter sich haben.
Manche die viele Jahre in einer Partnerschaft leben, Kinder haben, holprige Wege beschritten haben und inzwischen die Erkrankung gut handeln können. Aber natürlich haben alle auch lernen müssen mit Verlusten unterschiedlichster Art zurecht zu kommen.
> Oder kommt es auch vor, dass der Zustand nach
> einer Manie dauerhaft so bleibt und die
> Betroffenen ihr neues Leben einfach
> weiterführen?
Einfach so geht nichts in diesem Zusammenhang und es ist schwierig zu definieren "nach der Manie".
Wochen nach der Manie? Monate nach der Manie? Jahre?
Sicher ist, es braucht einen langen Atem, u.U. Korrekturen am bisherigen Leben und viel Geduld auf beiden Seiten.
> Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und
> ehrliche Einschätzungen freuen.
Meine Erfahrung und jetziges Fazit ist: Nichts ist ganz umsonst, keine "Krücke" die man reicht. Kein Verständnis das man sich als Angehöriger erarbeiten kann durch Interesse und erlesen von Wissen über die Erkrankung.
Für sich selber und für den Menschen mit dem man in Beziehung steht oder Kindern die davon abhängen.
Egal wie es weiter geht. Es geht weiter, aber man weiß vorher nicht wie genau das aussieht.
Zum Abschluss ein Buch-Tipp für dich, der sicher viele deiner Fragen sehr gut beantworten kann:
Wir fliegen hoch, wir fallen tief: Eine Psychiaterin spricht offen über ihre Bipolare Störung und zeigt, wie wir mit der Krankheit umgehen können
Alles Gute
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