Vielen Dank für eure Antworten.
Um meine Situation etwas besser zu erklären: Wir wussten damals noch nicht, dass sie bipolar ist. Die Diagnose kam erst später. Für mich war die Manie etwas völlig Unbekanntes und ich habe viele Dinge nicht verstanden.
Nach der Geburt unserer Tochter hatte sie zunächst eine lange depressive Phase. Diese dauerte ungefähr ein Jahr. Als sie dann langsam aus der Depression herauskam, waren wir alle erleichtert und dachten, dass es endlich wieder bergauf geht.
Im Nachhinein hat sich allerdings herausgestellt, dass sie ihre Medikamente eigenständig abgesetzt hatte. Sie hatte mir gegenüber immer gesagt, dass sie die Medikamente weiterhin nimmt, was aber offenbar nicht der Fall war. Meine Vermutung ist, dass die Gewichtszunahme durch die Medikamente dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Kurz nach dem Absetzen der Medikamente ist sie dann in die Manie gerutscht. Zumindest sieht es heute für mich so aus, als hätte sich die Situation so entwickelt.
Während ihres stationären Aufenthalts hat sie dort jemanden kennengelernt. Er war zwar nicht wegen einer bipolaren Störung in Behandlung, hatte aber eigene psychische Probleme. Die beiden haben sich sehr gut verstanden. Rückblickend hatte ich das Gefühl, dass sie sich von ihm verstanden gefühlt hat und ich immer mehr auf Abstand gehalten wurde.
Anfangs habe ich sie regelmäßig besucht. Irgendwann wollte sie aber immer weniger Besuch von mir, später sollte ich gar nicht mehr kommen. Nach seiner Entlassung hatten die beiden weiterhin Kontakt und haben sich auch privat getroffen. Teilweise kam sie nachts nicht nach Hause. Für mich war das alles sehr belastend, vor allem weil unsere Tochter noch nicht einmal ein Jahr alt war und ich überhaupt nicht verstanden habe, was gerade passiert.
Als ich das Thema im Krankenhaus angesprochen habe, war ich plötzlich der Böse. Aus ihrer Sicht hatte sie nichts falsch gemacht und ich würde sie schlecht behandeln. Das war für mich sehr schwer nachzuvollziehen.
Mittlerweile ist sie zu ihrer Mutter gezogen. Auch ihre Mutter sagt, dass sie sie kaum wiedererkennt. Nach vier Monaten Klinikaufenthalt wurde sie zwar medikamentös eingestellt und entlassen, aber ich habe persönlich nicht das Gefühl, dass sie wieder ganz die Alte ist. Ich war 14 Jahre mit ihr zusammen und merke, dass vieles noch nicht so wirkt wie früher. Manche Zusammenhänge versteht sie aus meiner Sicht noch nicht so, wie ich es von ihr kenne.
Meine eigentliche Frage an euch ist deshalb: Kann es sein, dass jemand nach einer schweren manischen Episode noch längere Zeit braucht, bis er wirklich wieder klar denken und sein Leben realistisch einschätzen kann?
Und habt ihr erlebt, dass Menschen nach einer erfolgreichen Behandlung irgendwann erkannt haben, was während der Manie passiert ist, und zu ihrer Familie zurückkehren wollten? Oder kann es auch sein, dass sie dauerhaft bei ihrer jetzigen Sichtweise bleibt und ihr altes Leben komplett hinter sich lässt?
Diese Frage beschäftigt mich im Moment am meisten, weil ich unsere kleine Tochter alleine versorge und mir einfach wünsche zu verstehen, was uns möglicherweise noch bevorsteht.