Jacky89 schrieb:
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> Hallo liebe Gemeinde,
>
> meine Frau hat die Diagnose Bipolare Störung
> erhalten. Unsere Tochter ist inzwischen 16 Monate
> alt. Rückblickend hat alles im Wochenbett
> begonnen. Davor gab es aus meiner Sicht keinerlei
> Auffälligkeiten.
>
> Nach der Geburt entwickelte sie zunächst eine
> schwere Depression, die fast ein Jahr anhielt.
> Danach ging es ihr etwa drei Monate lang wieder
> deutlich besser. Anschließend rutschte sie jedoch
> in eine manische Phase.
>
> Während dieser Manie hat sie Dinge getan, die in
> einer Ehe normalerweise nur schwer oder gar nicht
> zu verzeihen wären. Trotzdem versuche ich, die
> Krankheit von der Person zu trennen und vieles im
> Zusammenhang mit der Erkrankung zu sehen.
>
> Seit Monaten kümmere ich mich komplett allein um
> unsere Tochter und übernehme praktisch alles rund
> um Betreuung, Haushalt und Alltag.
>
> Meine Frau wurde nun am vergangenen Donnerstag aus
> der Klinik entlassen. Sie gilt als stabilisiert,
> aber aus meiner Sicht noch nicht wirklich gesund.
> Ich habe sie seit der Entlassung getroffen und
> bewusst nicht über unsere Beziehung gesprochen,
> sondern nur über alltägliche Dinge, damit sie
> sich nicht unter Druck gesetzt fühlt. Trotzdem
> hatte ich den Eindruck, dass sie noch nicht wieder
> ganz sie selbst ist.
>
> Hinzu kommt, dass sie während ihrer Erkrankung
> einen anderen Mann kennengelernt hat und mich
> aktuell blockiert.
>
> Deshalb möchte ich euch fragen:
>
> Habt ihr erlebt, dass Betroffene nach einer
> schweren Manie und Klinikbehandlung wieder
> vollständig zu sich selbst zurückgefunden haben?
> Kann es sein, dass meine Frau mit der Zeit wieder
> gesund wird, ihre Erkrankung akzeptiert und zu
> ihrer Familie zurückkehren möchte?
>
> Oder kommt es auch vor, dass der Zustand nach
> einer Manie dauerhaft so bleibt und die
> Betroffenen ihr neues Leben einfach
> weiterführen?
>
> Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen und
> ehrliche Einschä ve tzungen freuen.
>
> Vielen Dank
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Vielleicht noch als wichtige Ergänzung: Wir wussten vor dieser ganzen Geschichte nicht, dass meine Frau bipolar ist. Vor dem Wochenbett gab es aus meiner Sicht keine Auffälligkeiten, weshalb die Diagnose für uns völlig überraschend kam. Auch eine Manie war für mich etwas völlig Fremdes, ich hatte keinerlei Erfahrung damit und konnte ihr Verhalten damals überhaupt nicht einordnen.
Deshalb habe ich leider viele Dinge falsch gemacht. Ich bin beispielsweise ins Krankenhaus gegangen und habe ihr die ganzen Dinge vorgeworfen, die während der Manie passiert sind. Sie hat in dieser Zeit ein sehr ausschweifendes Leben geführt, ist viel unterwegs gewesen und hat Dinge getan, die mich als Ehemann sehr verletzt haben. Damals habe ich das als bewusste Entscheidungen gesehen und ihr alles an den Kopf geworfen.
Was vielleicht auch wichtig ist: Ich hatte in dieser Zeit wirklich panische Angst. Unsere Tochter war damals noch nicht einmal ein Jahr alt, und ich konnte überhaupt nicht verstehen, was mit meiner Frau passiert. Für mich sah es so aus, als würde sie plötzlich auf ihre Tochter und auf unsere Familie verzichten. Das hat bei mir große Verzweiflung, Wut, Angst und Hilflosigkeit ausgelöst.
Heute weiß ich, dass viele Verhaltensweisen wahrscheinlich mit der Manie und der bipolaren Erkrankung zusammenhingen. Damals wusste ich das aber nicht. Ich habe nur gesehen, dass meine Frau sich immer weiter von uns entfernt und Dinge getan hat, die ich nicht nachvollziehen konnte. Als Vater einer noch nicht einmal einjährigen Tochter hatte ich ständig Angst davor, was als Nächstes passiert und wie es für unsere Tochter weitergehen soll. Diese Angst hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass ich in manchen Situationen emotional reagiert habe und ihr vieles vorgeworfen habe.
Mit dem Wissen, das ich heute habe, sehe ich vieles anders und verstehe, dass die Krankheit dabei eine große Rolle gespielt hat. Leider kam dieses Verständnis bei mir erst, nachdem schon sehr viel kaputtgegangen war. Deshalb frage ich mich heute oft, ob ich damals anders reagiert hätte, wenn wir die Diagnose und das Wissen über die Erkrankung schon früher gehabt hätten.