Moin!
Ich bin hier so neu, wie meine aktuelle Lebenssituation. Ich bin 29 Jahre alt und habe mindestens seit ich 17 bin Depressionen. Ich wusste nicht was das war und ich habe es erfolgreich vor jedem verheimlicht. Mit 21 habe ich dann meine erste Therapie begonnen. Diagnose: Rezidivierende Depressionen. Aber das ist ja heilbar und meine Hoffnung und mein Kraft zu kämpfen hingen sehr daran. In den drei Jahren TP wurde ich irgendwie stabiler, schaffte meinen Bachelor und die guten Tage kamen wieder mehr und die Tiefen waren nicht ganz so tief. Medikamente verweigerte ich immer, weil ich es ohne schaffen wollte (aus angst und weil ich es für Schwäche gehalten habe nicht den GANZ harten Weg zu gehen). Eine Pandemie mit fragwürdiger Beziehung und chaotischen Arbeitsverhältnissen später sah es schon wieder nicht mehr so top aus. Ich zog um, für mein zweites Studium und dachte ich zieh das eben locker flockig durch. Wegen Onlinevorlesungen im ersten Jahr habe ich leider keinen Anschluss gefunden. Außerdem war ich immer mehr gereizt und genervt von fremden Menschen, was sich abwechselte mit sozialer Angst, wenn ich jemanden cool fand. So ich spule etwas vor. Letztes Jahr dachte ich, es wird mein Jahr! Ich hatte inzwischen mir Antidepressiva verschreiben lassen und nahm seit anderthalb Jahren Sertralin und neuerdings auch Elvanse. Endlich war ich mal konzentriert und konnte den ganzen Tag Uni machen. Uni fast fertig, Zukunftsideen und einen Job den ich GELIEBT habe. Etwas zu sehr vermutlich. Nach vielen Dingen inkl. Diskriminierung im Team gegen die ich mich, laut Kollegen angemessen, eingesetzt habe, gefeuert. War alles nicht sauber, war auch vor Gericht, was vor allem brutalen Stress bedeutete und der wichtigste Anker war mir entrissen worden. Ich kam gar nicht klar, redete immer mehr, aber ich dachte das lag am ADHS. Dann hatte noch eine Freundin versucht sich umzubringen, Vater hatte einen Herzinfarkt und ein* ehemalige Klient*in gestand mir einen Mord... Klingt wild und war es auch. Hochs und Tiefs wechselten sich immer mehr ab. Bei den Hochs dachte ich immer "oh ich bin wieder normal, bald hab ich mich erholt und dann suche ich mir einen neuen Job". Ich kiffte immer mehr, konnte ohne nicht mehr schlafen und wurde immer schräger. Im Dezember gings mir auf einmal so gut wie noch nie! Im Januar kam die Paranoia, und zur kompletten Manie eine Psychose. Die zeigte sich, indem ich meine Wohnung in Akrylfarbe tauchte, alle Spiegel zerschlug und meine Nachbarn mit Blumentöpfen bewarf (die mögen mich immer noch <3) etc. Über den Psychosozialen Dienst und mit Handschellen endetet das in der Geschlossenen. War eine traumatische Erfahrung und die Paranoia blieb, ich aber nur zwei Wochen, weils echt schlimm war und ich nicht hören wollte. Die Diagnose hielt ich natürlich als Teil des Komplotts des Systems. Ich suchte mir in diesem Zustand trotzdem einen neuen Psychiater, nahm Quentiapin und nach sechs Wochen klatschte ich so tief auf den Boden, dass ich gestützt werden musste beim gehen. Wieder zwei Wochen Akutstation, selbe Klinik, selbes Stockwerk und massive Flashbacks und Reizüberflutung. Aber Bipolar? Ich doch nicht. Vier Wochen lang gar keine Medikamente reichte immerhin, um einzusehen, dass ich super depressiv war. Tja, da ich hier bin, könnt ihr euch denken, dass ich es eingesehen habe. Ich nehme jetzt 100mg Lamotrigin und 10 mg Citalopram. Seit Ende März bin ich in der Kleinstadt bei meinem Vater für die Reizreduzierung. Ich bin völlig überfordert mit der neuen Situation und dem was kommen wird. Ich habe eine Absage für die Tagesklinik gestern bekommen, weil ich hier nicht meinen "normalen" Alltag habe. Den hab ich aber auch nicht wo ich wohne. Ich bin immer noch schnell erschöpft und alles wird leicht zu viel. Es ist schon viel besser geworden, aber mit dem Kopf häng ich in unsicheren Zukunftsaussichten: kann ich die eigene Wohnung halten, was wird aus dem Studium, schaff ich es jeden Tag zu kochen und Sport zu machen und was macht mir eigentlich spaß und nie wieder Alkohol und und und und ?????? Mein Selbstbewusstsein ist dahin und ich fühle nie gekannte Ängste und bin dauernd am grübeln und verzweifeln.
sie/ihr