Liebe Maria
Danke für das Teilen deiner Zweifel. Es ging und geht bestimmt vielen hier auch schon ganz ähnlich; das gehört quasi zum Paket.
Ab und zu ertappe ich mich selber auch mal wieder bei Gedanken wie: "Was, wenn das alles eine ganz andere Ursache hat?" oder
"Was nützt mir die ewige Psychotherapie, wenn es doch eigentlich einfach um das Serotonin/Dopamin im Hirn geht?" "Wieso nehme ich Lithium, wenn es mich monatelang nur noch mehr Tage im Bett verbringen lässt, anstatt dass es endlich stabilisiert?"
"Nur weil mein Vater schon als manisch/depressiv diagnostiziert wurde, denken nun bei meinen, sich ständig wiederholenden Depressionen alle, ich sei ja sowieso auch bipolar..." usw.
Als Rapid Cycler haben bei mir die ungefähr monatlich wiederkehrenden stark depressiven Phasen den grössten Schaden in meinem Leben angerichtet. Die hypomanen Phasen werden von Dritten nicht, oder wenn als positiv, wahrgenommen. Nur ich selber und wer mich sehr gut kennt (Partner und Familie) merkt, wie sehr ich dabei unter Anspannung stehe. Zum Glück hatte ich - auch dank dem Miterleben von psychotischen, manischen Phasen meines Vaters - von Anfang an eine gute Akzeptanz für die Diagnose, Medis und die Gesprächstherapie.
Bei ihm kann ich auch sehen, wie mit den richtigen Medis ein stabiles Leben über Jahre möglich ist!
Leider habe ich meine Kombi noch nicht gefunden. Momentan nimmt das, noch relativ neu installierte, Abilify (Aripiprazol) etwas die Spitzen der Hochs und Tiefs - und das ist doch schon mal etwas.
Ganz schön fand ich, wie Fahni unterscheidet, ob man wirklich Zweifel an der Diagnose hat oder einfach emotionale Akzeptanz-Schwierigkeiten. Bei mir ist es definitiv das Zweite. Gerade in den tückischen "ruhigen" Phasen, wünscht sich doch jeder mal, die Krankheit wär jetzt ein für alle mal weg, aus meiner Sicht sehr legitim. Das heisst ja noch lange nicht, dass man direkt die Medis absetzt oder eine Therapie abbricht.
In diesem Sinne würd ich sagen: Lass deine Zweifel zu. Und lass sie dann auch wieder ziehen...