Hallo zusammen,
ich bin Tim, 23, Bipolar I. Seit dem 16. Dezember bin ich am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Depression. Die zweite in zwei Jahren.
Ich möchte euch meine Geschichte erzählen, weil ich glaube dass sie einige von euch betrifft. Und weil am Ende etwas daraus entstanden ist, das ich gerne mit euch teilen will.
In den letzten zwei Jahren habe ich zwei Manien und zwei Depressionen durchgemacht. Beide Manien wurden so schwer, dass psychotische Symptome dazukamen. Beide Male habe ich es nicht kommen sehen. Nicht ich, nicht mein Umfeld, nicht rechtzeitig genug. Ich konnte nicht arbeiten, nicht studieren. Während andere in meinem Alter ihr Leben aufbauen, habe ich meins zusammengehalten, oder versucht es zusammenzuhalten.
Was mich am meisten beschäftigt hat war nicht die Depression. Die ist schlimm, aber du weißt dass du depressiv bist. Was mich fertig gemacht hat war die Manie. Dass ich beide Male nicht gemerkt habe was passiert. Dass es kein Signal gab. Keinen Hinweis. Nichts.
Also habe ich angefangen zu suchen.
Was die Forschung sagt und was mich nicht mehr losgelassen hat
Ich habe angefangen Studien zu lesen. Erst ein paar, dann dutzende. Und was ich gefunden habe, hat mich nicht mehr losgelassen.
Stimme: Eine Studie von Faurholt-Jepsen (2016, Translational Psychiatry) hat gezeigt, dass akustische Merkmale aus Telefonstimmen — Tonhöhe, Sprechgeschwindigkeit, Stimmstabilität — eine Manie mit 89% Trefferquote erkennen können. Nicht was man sagt. Wie man klingt. Und das Verrückte: Diese Veränderungen beginnen Tage bevor man selbst etwas merkt. Die Stimme wird schneller, die Tonhöhe variabler, die Lautstärke steigt — subtile Verschiebungen die kein Mensch hört. Aber ein Computer kann.
Schlaf: Eine Studie in Nature Digital Medicine (2024) hat 12 tägliche Schlaf-Features untersucht und erreichte eine Trefferquote von 80–98% für die Vorhersage von Episoden. Nicht ob du gut oder schlecht geschlafen hast. Sondern ob sich dein Schlafmuster verschoben hat — relativ zu deinem eigenen Normal.
Die Kombination: Min et al. (2025) haben verglichen was passiert wenn man mehrere Kanäle kombiniert — Stimme, Schlaf, Aktivität. Das Ergebnis: +8,6% höhere Genauigkeit als jeder einzelne Kanal allein. Die Signale bestätigen sich gegenseitig.
Was die Experten fordern: Die ISBD — die internationale Fachgesellschaft für bipolare Störungen — hat 2022 eine Task Force veröffentlicht die genau das empfiehlt: Passive Sensoren, mehrere Kanäle, individualisierte Baselines. Nicht den Patienten mit dem Durchschnitt vergleichen. Sondern jeden Menschen mit sich selbst.
Und dann die Erkenntnis die alles verändert hat: Es gibt kein einziges Werkzeug das Stimme, Schlaf und Aktivität gemeinsam misst und für Betroffene zugänglich macht. Die Forschung existiert seit über einem Jahrzehnt. Aber sie liegt in Journals die keiner von uns liest. Niemand hat sie in etwas übersetzt das wir nutzen können.
Was ich daraus gebaut habe
Ich habe mir das Programmieren beigebracht. Im MPI. Während meiner Behandlung. Stück für Stück, über sieben Wochen. Das Ergebnis ist eine App die ich NOVA Track genannt habe.
Das Prinzip ist einfach: Jeden Morgen 30 Sekunden sprechen. Erzähl wie dein Tag war oder was du vorhast — es spielt keine Rolle was du sagst. NOVA analysiert nur wie du klingst. 14 akustische Merkmale. Direkt auf deinem iPhone. Die Aufnahme wird sofort gelöscht.
Dazu liest die App Schlaf und Schritte aus der Apple Health App. Und du gibst eine kurze Stimmungsbewertung ab.
Über die Zeit berechnet NOVA dein persönliches Normal. Nicht irgendeinen Durchschnitt. Dein Normal. Basierend auf einer Methode namens EWMA (exponentiell gewichteter Durchschnitt), die 2022 von Smit, Schat & Ceulemans speziell für individuelles Echtzeit-Monitoring validiert wurde.
Und dann zeigt NOVA dir einen Kreis.
Der Kreis hat vier Achsen: Stimme, Schlaf, Schritte, Stimmung. Wenn alles nah an deinem Normal ist, ist der Kreis rund. Wenn sich etwas verschiebt, verzerrt er sich. Nicht als Alarm. Nicht als Diagnose. Als Bild. Das erste Bild für etwas das bisher unsichtbar war.
Stell dir vor du schaust morgens auf deinen Kreis und er sieht aus wie immer — rund. Dann weißt du: Heute kann ich meinem guten Tag vertrauen. Oder du schaust drauf und der Schlaf-Kanal zieht nach außen, die Stimme wird variabler. Du merkst noch nichts. Aber der Kreis sagt: Schau genauer hin.
NOVA ist KEIN Medizinprodukt. Es stellt keine Diagnosen. Es ersetzt keinen Arzt. Was es tut ist: Sichtbar machen was zwischen den Arztterminen passiert.
Und für den Arzttermin gibt es einen PDF-Bericht. Drei synchronisierte Charts — Stimme, Schlaf, Aktivität — über den gesamten Zeitraum. Mit roten Linien die zeigen wann Medikamente umgestellt wurden. Damit du nicht mehr sagen musst „mir ging es so mittel" sondern sagen kannst: „Schauen Sie auf Woche 3. Da hat sich etwas verändert."
Was mir wichtig ist
Alle Daten bleiben auf deinem iPhone. Keine Cloud, kein Server, kein Account für die Gesundheitsdaten. Die Stimmaufnahme wird sofort nach der Analyse gelöscht. Es gibt nichts das gehackt werden könnte.
Mein behandelnder Oberarzt am MPI unterstützt das Projekt und hat mir auch den Kontakt zur DGBS ermöglicht.
Ich bin Betroffener. Ich habe NOVA gebaut weil ich es selbst brauche. Nicht als Geschäftsidee. Als Notwendigkeit.
Warum ich hier schreibe
Ich suche Menschen die NOVA ehrlich testen wollen. Die mir sagen ob der Kreis sich richtig anfühlt. Ob die Muster Sinn machen. Ob es im Alltag mit der Erkrankung einen Unterschied macht — oder eben nicht. Beides ist wertvoll.
Die Beta ist kostenlos — wer jetzt testet, behält den Zugang für immer.
Voraussetzung: Ein iPhone und die Bereitschaft, die App ein paar Wochen täglich zu nutzen (30 Sekunden am Tag).
Wer sich ein Bild machen möchte: [
novahealth.dev]
Wer Interesse hat, kann mir gerne eine PN schicken — ich erkläre dann alles Weitere und schicke den TestFlight-Link.
Ich bin gespannt auf eure Meinungen. Und ich bin dankbar dass die Admins mir erlaubt haben das hier zu teilen.
Viele Grüße
Tim