Sexualität und Wut

11. 12. 2025 11:26
Ich bin seit 20 Jahren mit einem bipolaren Mann zusammen und wir haben drei minderjährige Kinder. Die Diagnose wurde vor etwa 8 Jahren g stellt. Trotzdem würde er nur mit Antidepressiva behandelt und hat nur einmal eine Therapie begonnen, die er halbherzig besuchte. Die Bipolarität wurde dort ebenfalls nicht thematisiert. Nur seine Wut.
Seit einem Monat ca wird er auf Lithium eingestellt. Verändert hat sich noch nichts. Seine Wut in Hypomanen Phasen (er ist Bipolar 2 und im Rapid Cycling) richtig sich vor allem gegen mich. Auch da ich mich immer vor die Kids stelle.
Was seit Monaten immer massiver wird, ist seine sexuelle Übergriffigkeit. Ich habe versucht, das zu thematisieren, aber er sieht das Problem nur in mir.
Ich vermute, dass meine Kommunikation wahrscheinlich nicht so ist, dass er mich verstehen kann, auch wenn ich immer Versuche, ruhig und sachlich zu bleiben. Ich bin total überfordert. Vielleicht könnt ihr mir helfen, habt Tipps oder irgendwas. Ich liebe ihn, aber es ist so schwer auszuhalten!
Es tut mir leid, dass es jetzt lang wird. Lest nur weiter, wenn ihr das aushalten könnt. Ich denke, es wäre auch gut, hier eine *Triggerwarnung sexualisierte Gewalt* zu setzen.

Ich habe am Montag nach über einer Woche Manie gewagt, ihm zu sagen, dass er sehr übergriffig ist, wenn er Sex will, aber mein Nein einfach übergeht (am Wochenende zwei mal so gewesen). Seitdem schießt er gegen mich, rechtfertigt sich und trichtert mir ein, dass ich selber Schuld bin. Mit unfassbar vielen Nachrichten – etwa 30-50 am Tag.
Hab ihm folgende Nachricht geschickt, um zu sagen, was das mit mir macht. Weil ich im Gespräch gar nicht an ihn rankam, er mich stehen ließ und mich dann mit Nachrichten weiter befeuerte. Seine Reaktion darauf war vernichtend. Er rechtfertigt sein Verhalten, kann mich nicht verstehen, ist abwertend und aggressiv. Was kann ich machen? Wie kann ich mich schützen? Wie sind eure Erfahrungen? Und wie kann ich besser mit dieser Situation umgehen?

„Ich würde gerne wieder zu meiner Sexualität finden, aber ich finde keine Raum des Ichs. Sex und Lust hat keinen Raum bei uns zu entstehen, sondern wird schon früh am Frühstückstisch oder am Tag vereinbart. Und muss dann eingehalten werden. Wenn nicht wirst du sauer. Auch bei einer Absage wirst du sauer. Ich habe die Wahl zwischen einer verbindlichen Zusage oder einem abweisenden Mann. Das belastet mich schwer. Ich habe nicht jeden Tag Lust auf Sex, weil ich manchmal einfach für mich hin leben will, meinen Gedanken nachhängen will, Gespräche mit dir führen will, mit dir kuscheln und einen Film schauen will, ein Bier mit dir trinken will, mit den Kindern abends noch plaudern will. Aber ich habe das Gefühl, du reservierst mich bereits am Tag. Da entsteht keine Lust bei mir, sondern Druck. Ich MUSS am Abend Lust haben, oder zumindest funktionieren. Wenn du mich fragst, und ich dir sage, dass ich keine Lust habe oder heute nicht mag, dann zählt das nicht. Dann sagst du Sachen, wie „aber ich bin total juckig, dann hilf mir wenigstens“. Damit bin ich wieder gebucht.
Ich bin auch, wie ich bin und möchte genauso gesehen und nicht übergangen werden. Ich will nicht mehr mitmachen, um meinen Soll zu erfüllen, sondern weil ich Bock habe. Weil wir rumschäkern, ich dir nahe sein will, keinem Druck, funktionieren zu müssen, ausgeliefert sein will. Ich kann und will nicht jeden Tag. Manchmal spiele ich dir schon etwas vor, um schnell durchzukommen. Das ist so falsch, wie es nur sein kann. Aber ich weiß nicht, was ich sonst machen soll. Dabei vermittelst du mir, dass ich falsch bin, nicht richtig ticke, asexuell bin, keine Lust empfinden kann. Ich fühle mich erniedrigt. Ich will mich so nicht fühlen. Das stimmt nämlich nicht. Ich empfinde Lust, aber sie hat keinen Raum, Sie wird ertränkt in deinen Plänen und Anforderungen. Wenn ich dir näher komme, willst du gleich eine verbindliche Zusage mit allem drum und dran. Wenn ich dir zeige, dass ich Nähe möchte, dann sagst du, dass ich dann aber auch etwas „entegegenbringen“ muss und deinem Fetisch entspricht. Was ich will, spielt tatsächlich kaum eine Rolle.

Ich fühle mich manchmal sehr gehemmt, dir meine Zuneigung zu zeigen, dich in den Arm zu nehmen, mich an dich zu lehnen, weil ich weiß, dass du mit einer Vereinbarung reagierst. Das will ich nicht. Ich möchte Lust entstehen lassen, meiner Lust Raum geben, aber der ist gar nicht da, wenn du schon früh am Tag Vereinbarungen und Verbindlichkeiten einholst. Sex hat bei uns kaum etwas mit mir zu tun. Meine Sexualität wird heruntergespielt. Sie kann gar nicht wachsen.
Ich würde das verstehen, wenn wir wochenlang keinen Sex haben. Aber du willst täglich. Es ist fast manisch. Und es tut mir leid, wenn das einen Leidensdruck bei dir auslöst, weil ich mich nicht so hinten anstellen kann, dass ich dem immer nachkommen kann. Ich habe verstanden, dass du Druck hast, aber ich kann nicht dein einziges Ventil sein. Es hört sich doof an und ich weiß, dass viele Frauen ein Problem damit haben, wenn der Mann sich selbst einen runterholt. Ich aber nicht. Ich würde es mir wünschen, dass du mir mehr Raum gibst, dass du der Lust mehr Raum gibst, zu entstehen. Und wenn du Druck hast, es dir lieber selbst machst, als mich dazu zu überreden, mich zu belagern, mich unter Druck zu setzen.
Hab Freude mit dir, mit Pornos und lass und GEMEINSAME Lust entwickelt, die Raum hat, zu entstehen. Ich habe nämlich durchaus Lust, aber ich möchte keine Verbindlichkeiten, keinen Plan, keine Verträge, kein Gefühl dass ich funktionieren muss. Und wenn dann mal ein zwei Wochen flaute war, frag nett nach, fühle mir auf den Zahn, aber ich glaube, du müsstest nie solange warten. Denn wie gesagt, wenn ich dir wieder näher kommen kann, ist die Lust auch da!“
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Sexualität und Wut

Trudel 732 11. 12. 2025 11:26

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Trudel 178 11. 12. 2025 11:34

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Pizdapipa 157 11. 12. 2025 12:15

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Flyhigh 161 11. 12. 2025 12:28

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soulvision 156 11. 12. 2025 13:04

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fahni 138 11. 12. 2025 16:40

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Ramona 151 11. 12. 2025 18:56

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Grashalm 124 16. 12. 2025 14:32

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Mordron 134 16. 12. 2025 18:13

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Pizdapipa 153 16. 12. 2025 19:53



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