Liebe Wasserglas,
Als erstes kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen, pass auf dich und die Kinder auf. Wie das aussehen kann, hängt von deiner persönlichen Situation ab.
Suche für dich möglichst bald einen Psychologischen oder psychiatrischen Beistand, du brauchst keine Therapie , aber eine gute Beratung, Psychoedukation nennt man das.
Des Weiteren habe ich mir nach dem 5ten manischen Schub endlich eine Rechtsanwältin gesucht und dann die entsprechenden Schritte eingeleitet. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, klassische Betreuung für deinen Mann durch einen Berufsbetreuer, ehrenamtliche Betreuung durch dich, Taschengeldkonto für deinen Mann, wie gesagt, hier hilft eine gute Rechtsberatung. Ich habe am Anfang auch vieles selbst versucht und es hat nur wenig geholfen.
Nach dem 5ten Mal bin ich zu Hause ausgezogen und wir leben nun in zwei Wohnungen, respektieren die jeweils andere Privatsphäre und besuchen uns mit strengen Absprachen. Das hat viel Druck rausgenommen und bei meinem Mann auch seine Selbstverantwortung aktiviert. Er schafft nicht alles aber mehr als wenn ich ihn bewacht, betüddelt oder was auch immer gemacht habe. Weniger Kontrolle ist für ihn viel angenehmer und ich sehe nicht mehr alles , mache mir weniger Sorgen und kann wieder schlafen. Wir versuchen diese Beziehung zu leben so gut es mit dieser Erkrankung geht.
Zum Thema Rente oder Arbeit ist das auch ein abwägen. Mein Mann wurde im 4ten manischen Schub fristlos gekündigt, das hat ihn komplett zerstört, er hat trotz Erkrankung einen guten Job gemacht und dann wurde er behandelt wie ein Fußabtreter. Eine gute Tagesstruktur ist bei dieser Situation wichtig. Das müsstet ihr besprechen.
Auf alle Fälle sollte er Schwerbehinderung beantragen.
Für dich musst du gut sorgen, du brauchst Kraft, ich wünsche dir viel davon. Vielleicht kannst du die Kinder ab und zu bei Freunden oder Om/Opa unterbringen und für dich was gutes tun.
Such dir eine Selbsthilfe Gruppe für Angehörige. Dort gibt es guten Austausch.
Ein Buch kann ich dir noch empfehlen :
Wir fliegen hoch, wir fallen tief: Eine Psychiaterin spricht offen über ihre Bipolare Störung und zeigt, wie wir mit der Krankheit umgehen können
Gruß Perle