@Grashalm:
Meine Psychiaterin hat mir erklärt, dass bipolare Menschen in ihrer Manie nicht zurechnungsfähig sind. Sofern die manische Phase bei einem Arzt dokumentiert wird, können sogar Verträge, die ein Maniker gemacht hat, für ungültig erklärt werden. Und in einer Manie darf man eigentlich auch nicht Auto fahren, weil man unzurechnungsfähig ist, Gefahren nicht abschätzen kann und sich seiner selbst nicht bewußt ist.
Dein Partner ist, so wie Du es beschreibst, derzeit in einer manischen Phase. Er verhält sich nicht so, wie er sich verhalten würde, wenn er „normal“ wäre. Alle Reize stürmen auf ihn ein, ob die der Love-Scammer (für ihn äußerst positiv) oder Dein Wunsch nach Zurückhaltung seinerseits (für ihn äußerst negativ) und er kann nicht filtern, sein Frontallappen des Gehirns funktioniert nicht richtig, er kann nur so weit denken, wie seine Hand reicht. Konsequenzen? Keine Chance. Das kann er nicht sehen.
Wenn er aus der Manie kommt, und das kann leider dauern, dann ist da Scham, Schuld, Unsicherheit, Gram, Depression. Bipolare wissen, was sie in der Manie getan haben - was für ein Chaos, welche Schmerzen und welche Pein sie angerichtet haben. Sie können es aber nicht ändern. Und das macht sie fertig.Einer der wenigen Zeitpunkte, wann eine bipolare Person bereit für eine Therapie wäre ist, wenn er gerade aus einer Manie gekommen ist und kurz vor einer Depression steht.
Ich bin dankbar. Dankbar dafür, dass meine Frau immernoch zu mir hält. Dass sie - nach allem, was ich ihr angetan habe - versucht, das als Krankheit zu sehen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich es ausgehalten hätte, wenn die Rollen andersrum gewesen wären. Ich bin dankbar, dass ich jetzt endlich mit meiner Krankheit gesehen und therapiert werde.
Und ich wünsche Dir und Deinem Mann, dass ihr baldmöglichst in die Situation kommt, in der er bereit ist, sich therapieren zu lassen.
Peto
BP I,gemischte Phasen, Ultra Rapid Cycling
1125 mg Lithium, 200 mg Quetiapin, 2,5 mg Aripiprazol
(-:-)