Ja und nein.
Solange man seine Frühwarnzeichen nicht kennt, ist es leicht, in eine Manie zu schlittern.
Habe seit 2017 erst die Diagnose Bipolar 2, davor fielen allen nur die schweren, langen Depressionen über fast 40 Jahre auf.
Rückblickend weiß ich das meiste, was ich in der Hypomanie getan habe:
Fremdgehen, verheiratete Männer, viele Ideen und Träume, übergroßes Selbstbewusstsein, viel Humor, Schauspieltalent, große Überzeugungskraft, tolle Stellenangebote... ich war stinkig, wenn mir jemand meine Hochgefühle als pathologisch einreden wollte und dachte,
'die anderen sind doch nur neidisch auf meine großen Gefühle, auf meine Leistungen, Kreativität und meinen Erfolg.'
Schwer depressiv tut sich dann rückblickend ein Scherbenhaufen auf, über den ich mich auch teils schäme, da ich den Mund zu voll genommen habe und plötzlich wieder ein Nichts und Niemand bin.
Da ich nur Hypomanien hatte, war der Schaden überschaubar. Kein exzessives Geldausgeben, keine Schulden.
Ich blieb auch in Hypomanien die schwäbische Hausfrau, die nicht über ihre Verhältnisse lebt.
Ich bin in der Hypomanie ein Jäger und Sammler und interessiere mich für fast alles.
Und dieses Alles steht in Mitnehmkisten kostenlos am Straßenrand oder in Bücherschränken.
Da sagt dann meine Tochter:
'Mama, Du bist mir zuviel, lass das Zeug stehen, in der Depression belastet Dich der ganze Unrat und die vielen Bücher.'
'Mama, du redest mir zuviel...'
'Mama, Du bist mir peinlich.'