Mit einem ärztlichen Attest, dass er gerade manisch ist oder eine bipolare Erkrankung vorliegt, können Kaufverträge rückabgewickelt werden, soweit ich weiß.
In der akuten Manie war mir nicht wirklich klar, was ich da tat.
Ich konnte einzelne Handlungsschritte überblicken wie ins Taxi einsteigen. Aber dass man das nicht von einer Fußgängerinsel aus tut mit einem Schlafanzug bekleidet, wenn man das Taxi gar nicht bestellt hat, das konnte ich nicht richtig einordnen.
Andere Sache:
Ich wollte spontan eine Weltreise machen und habs irgendwie geschafft, Geld abzuheben. Mehr als 1.000.- Euro ging nicht auf einmal.
Als nächstes erinnere ich mich dran, dass ich am Bahnhof war und einen Bettler sah, dem ich dann das dicke Bündel Bargeld in die Hand drückte, weil ich mich auf einmal davon belastet fühlte.
Bei der nächsten Gelegenheit, als ich Geld abheben wollte, hat der Automat meine Karte eingezogen. Mein Mann hatte sich bei der Bank für mich ausgegeben und behauptet, meine Karte sei verloren gegangen. Das hat er mir natürlich erst Monate später erklärt, aber das war ganz gut so.
Am meisten zerstört habe ich unsere Ehe, weil mein Mann durch die Krankheit das Vertrauen zu mir verloren hat.
Von Episode zu Episode hat er mir weniger beigestanden, weil ihm die Ärzte dazu geraten haben. Angeblich würde ich sonst ihn für die Zwangsbehandlung verantwortlich machen. Stattdessen hab ich ihm vorgeworfen, dass er mich im Stich gelassen hat.
Also ja, so wie man in einer Depression das Zeitgefühl verliert und glaubt, das war schon immer so beschissen und wird ewig so bleiben, so nimmt man in der Manie die Umwelt anders wahr oder interpretiert seine Wahrnehmungen anders.
Ich hatte Größenwahn und Religionswahn, war plötzlich sehr esoterisch drauf und hab halluziniert.
Allerdings ist die erste Manie etwas völlig anderes als die weiteren, denn man weiß dann ja von nichts und hatte noch keine Psychoedukation.
Ich bin in die Klinik gegangen, obwohl ich mich nicht krank fühlte, weil es meinem Mann beschissen ging und er heulte, während ich lachte. Ich verstand nicht warum, aber meinen Mann ging es dadurch deutlich besser.
Es dauerte vier Jahre, bis ich so weit krankheitseinsichtig war, dass ich meine erste Phasenprophylaxe nahm.
Ich bin sicher, hätte mein Schwager (Krankenpfleger in der Psychiatrie) mir nicht von den Medikamenten abgeraten, wäre das schneller gegangen.
In der Zeit hatte ich noch eine Depression und eine sehr anstrengende Mischphase vor meiner zweiten ausgeprägten Manie.
Nur weil man krank ist, heißt das aber nicht, dass man keine Eigenverantwortung hat.
Ich hab zum Beispiel einen sehr kleinen Dispo, auch wenn ich mich nie großartig verschuldet habe. Ich neige einfach nicht dazu, mehr Geld auszugeben, als ich habe. Auch nicht, wenn ich manisch bin.
Mein Mann hat eine Generalvollmacht und eine Bankvollmacht. Ich hatte jahrelang einen Notfallplan in Zusammenarbeit mit der Integrierten Versorgung.
Und was habe ich gemacht mit der Vollmacht und dem Notfallplan, als ich akut war? Ich habs zerrissen. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt und verfolgt von denen, die mir helfen wollten.
Es gibt jetzt neue Vollmachten.
Wenn dein Partner dir gegenüber gewalttätig wird, kannst du die Polizei rufen und ihn einweisen lassen. Mehr fällt mir leider nicht ein.
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Pronomen: er, Baujahr 80, GdB 50, voll erwerbsgemindert, berufsunfähig, Pflegegrad 4
Diagnosen: 03/2009 rezidiv. Depression, 06/2012 schizo-affektive Störung, 08/2016 bipolare Störung, 02/2019 Psoriasis, 03/2019 Psoriasisarthritis, 10/2021 Schlafapnoe, 07/23 ME/CFS, 05/24 Herzinsuffizienz + Vorhofflimmern u.a.
Medis: Valproat 500mg 1-0-2-0, Olanzapin 5mg 0-0-1-0, Melperon 25mg 0-0-0-1 u.v.m.
Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.