Ja, ich kenne meine Frühwarnzeichen und kann erkennen, wann sich eine Hypomanie anbahnt und eingreifen.
Ich nehme mittlerweile nur Valproat als Phasenprophylaxe, neben einem Haufen anderer Medis aufgrund anderer Erkrankungen. In der Klinik war ich zuletzt 2016.
Frühwarnzeichen:
Innere Unruhe, und zwar bereits in der geringsten Ausprägung
Die Unruhe zeigt sich teilweise auch körperlich mit wackelnden Füßen, während ich im Bett liege.
Erschöpfung bei gleichzeitiger Anspannung
Nicht schlafen können, obwohl es klüger wäre, aber auch gar nicht schlafen wollen, sondern die Nacht nutzen wollen
gesteigerter Mitteilungsdrang
viele Ideen, neue Pläne
Kontaktaufnahme bei Leuten, mit denen ich schon lange nichts mehr zu tun hatte
Plötzlich gesellig sein und keine Probleme, neue Kontakte zu knüpfen
sehr kreativ sein
Eine Nacht ohne Schlaf kann ich überbrücken, ab der zweiten nacheinander wirds mir unheimlich.
Ich zögere es hinaus, indem ich den fehlenden Schlaf quasi ersetze durch das Hören binauraler Klänge, um wenigstens den Cortisolspiegel zu senken.
Den Erregungszustand bekämpfe ich mit meinem Bedarfsmedi Perazin, davon darf ich 1-3 tgl. nehmen. Das hilft mir etwas, zur Ruhe zu kommen, für sich alleine aber unmerklich.
Dem Körper gönne ich Ruhe, indem ich PMR mache (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen)
Dem Geist zuvor, indem ich meine Gedanken herauslasse, sie schreibend ordne. Oft, indem ich in mein Blog schreibe, aber auch ins Tagebuch, je nach Thema, das mich bewegt.
Ich zwinge mich zur körperlichen Ruhe, auch wenn das die einzigen Momente sind, in denen ich mich bewegen wollen würde.
Auch dem Geist verschaffe ich Ruhe, indem ich jegliche Impulse vermeide, die mich inspirieren könnten. Kein Social Media, keine Nachrichten, keine Filme, nichts lesen. Nur ruhige Musik hören, die ich schon kenne und wie gesagt eben schreiben, bis ich leer bin. Und nicht googeln! Ich darf nicht ins Gedankenkreisen kommen.
Wenn ich zwei Nächte und auch an den Tagen nicht geschlafen habe, gehe ich zur Akutsprechstunde.
Bevor ich Phasenprophylaxe bekam, habe ich versucht, mit Olanzapin als Bedarfsmedi auszukommen, aber ich habe es immer viel, viel zu spät genommen, weil ich es alleine schaffen wollte, ohne Medi.
Jetzt zieh ich sofort bei den kleinsten Anzeichen alle Register, vor allem, weil mittlerweile auch erschwerend hinzukommt, dass durch meine ME sich die Schlafstörung verstärkt, wenn ich der Unruhe nachgebe und zu viel mache.
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Pronomen: er, Baujahr 80, GdB 50, voll erwerbsgemindert, berufsunfähig, Pflegegrad 4
Diagnosen: 03/2009 rezidiv. Depression, 06/2012 schizo-affektive Störung, 08/2016 bipolare Störung, 02/2019 Psoriasis, 03/2019 Psoriasisarthritis, 10/2021 Schlafapnoe, 07/23 ME/CFS, 05/24 Herzinsuffizienz + Vorhofflimmern u.a.
Medis: Valproat 500mg 1-0-2-0, Melperon 25mg 0-0-0-1 u.v.m.
Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.