Bipolar und uneinsichtig mit Familie

06. 02. 2024 01:33
Hallo Zusammen,

hier schreibt ein Angehöriger einer krankheitsuneinsichtigen Ehefrau und Mutter.
Dieses Forum besuche ich seit über eineinhalb Jahren unregelmäßgig, meistens dann, wenn ich nicht mehr weiter weiss.
Aktuell ist es mal wieder so weit.
Meine Frau und ich kennen uns fast 15 Jahre und eigentlich war alles wirklich mals sehr schön mit uns.
Die ersten Veränderungen stellte ich nach der Geburt unseres ersten Kindes vor 6 Jahren fest, als aus meiner einstmals aktiven und vielschichtig interessierten Partnerin eine mies gelaunte hilflose Mutter wurde, deren Zuneigung zu dem Kind sich nach ihren eigenen Angaben nicht so richtig einstellen wollte.
3 Jahre später kam zeitlich passend mit Corona das Geschwisterkind und irgendwie wurde es nicht besser.
Eher im Gegenteil, für jede Kleinigkeit sollte ich trotz beruflich anspruchsvoller Aufgaben hilfsbereit zur Seite stehen und überall und jederzeit für wirklich unnütze Dinge eingespannt werden.

Ende 2021 wurde es schlimmer, meine Frau kaum noch normal ansprechbar und für die Familie und die Kinder hatte sie gefühlt keine Regung mehr über.
Das Jahr 2022 fing damit an, daß sie sich immer mehr mit ihren Geschwistern und anderen Leuten zum Feiern verabredete und letztlich immer öfter Gelegenheiten suchte, sich von der Familie zu entfernen.
Über Dritte erfuhr ich, daß sie wohl auch eine wie auch immer geartete Affäre hatte, was mich zu dem Zeitpunkt dann auch nicht mehr überraschte.
Die Tage zogen ins Land, meine Frau distanzierte sich immer mehr von der Frau, die ich kennengelernt und geliebt hatte.

Der Totalschaden
Anfang Ausgust 2022 dann der große Knall. Erst freiwilliger Aufenthalt in der Psychatrie, zunächst tageweise, dann stundenweise, dann wieder von vorn. Nach einer Woche Totalschaden, nachdem sie mit ihrem Bruder, einem Daueralkoholiker, feiern war. Meine Frau wurde von mir auf ihren Wunsch hin in die Klink gebracht, wo sie bei der Einlieferung komplett durchgedreht ist und vom Personal direkt in die geschlossene Abteilung verbracht wurde.
Nach fast einer Woche erfuhr ich dann unter Androhung einer einstweiligen Verfügung erstmals etwas über den Zustand meiner Frau. Drei Tage später kam es zum Gesprächsstermin in der Klinik und einem ersten Wiedersehen mit meiner Frau. Offensichtlich hatte man sie in der Klinik mangels Zimmern mit Medikamenten vollgepumpt zunächst in einem Bett auf dem Flur geparkt. Als sie dann ohne Aufsicht duschen durfte hat sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Nur zufällig war das überhaupt entdeckt und verhindert worden, wie ich später erfahren musste.
Der Zustand meiner Frau bei unserem Trefffen kann nur als völlig sediert beschrieben werden.
Aussagen von Freundinnen nach, hatte sie wohl früher schon einmal ähnliche Aussetzer.

Der Lichtblick
Viele Besuche und 6 Wochen später wurde sie entlassen.
Die verordnete Medikation über Risperidon hat sie dann ein paar Tage eingenommen.
Zu dem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung, meine Frau bei allen kommenden Herausforderungen zu unterstützen und gemeinsam mit ihr diese Krankheit irgendwie in den Griff zu bekommen.
Zu ihrem Wohl, dem Wohl der kleinen Kinder und unserer Familie.

Meine Erkenntnis
Die Einahme der Medikamente währte nur kurz, die Krankheitseinsicht ebenfalls und die vom wirklich bemühten Hausarzt als Alternativen verordneten Medikamente wurden nur kurz versucht.
Der ambulant weiter behandelnde Arzt der psychischen Klinik versuchte dann die ein oder andere Medikamentenanpassung. Meine Frau hatte sich aber entschieden keine Medikamente zu nehmen und anstatt dessen einfach nur die Nebenwirkungen aus den Beipackzetteln auswendig zu lernen, um von diesem Arzt weiter ihre Krankschreibungen zu erhalten.
Eine anderweitige Therapie hat sie nie in Anspruch genommen.
Zwischenzeitlich hatte ich mit etwas einlesen können, hier das Forum immer wieder mal besucht und kannte nun den Begriff "krankheitsuneinsichtig" nicht mehr nur aus der Theorie.

Das Auf und Ab bis heute
18 Monate sind vergangen, zahlreiche Beipackzettel hat meine Frau auswendig gelernt und sich ansonsten nicht weiter mit der Diagnose auseinandergesetzt. Die Kinder sind trotz der ständigen Verunsicherung, der ständigen Unberechenbarkeit ihrer Mutter nur noch oberflächlich betrachtet von dieser Situation wenig beeindruckt. Beide zeigen auffällige Verhaltensmuster. Das große Kind bemuttert mitunter die Mutter, das kleine Kind gibt den Clown, und bekommt aufgrund des Verhaltens im Kindergarten mittlerweile eine psychosoziale Unterstützungsbetreuung.
Demzufolge ist die familiäre Situation unerträglich. Die Kinder verhalten sich aufmüpfig, kennen keine Regeln und zeigen null Respekt vor Ihrer Mutter.
Diese wiederum verzweifelt daran, was die Spirale weiter nach unten dreht.


Die Konsequenz
Ich als Ehemann und Ex-Partner bin mittlerweile an einem Punkt, wo keine Hoffnung mehr da ist und ich nicht weiter weiss.
Meine Nerven sind am Ende, Aussicht auf Einsicht bei meiner Frau besteht nicht, den Kindern kann ich dieses ganze Hin und Her, dieses Auf und Ab nicht mehr zumuten, meinen beruflichen Aufgaben kann ich in Folge des Dauerstress zu Hause nicht mehr adäquat nachkommen und das Ganze läuft seit mittlerweile fast 3 Jahren fast unverändert.

Und nun?
Die verschiedenen Phasen meiner Frau sind für mich erkennbar, treten aber immer unregelmäßig auf. Wenn es ihr gut geht, schöpfe ich Hoffnung, zuletzt immer weniger. Ich kenne es ja schonl Die manischen Phasen erscheinen mir nicht so ausgeprägt zu sein und ich würde sie subjektiv als Hypomanien einordnen. Die depressiven Phasen sind unterschiedlich und meistens nach 3 bis 4 Tagen und einem Knall vorüber.
Nach solch einem Knall zeigt meine Frau Verständnis für mich, gesteht sich ihre Erkrankung aber dennoch nicht ein. Also kommen wir nie weiter.
Sie versucht sich mit irgendwelchen Heilversuchen von der Hypose über Familienstellen bis hin zu astrologischer Beratung, Kartenlegen und diversen anderen Dingen, die ausser Löchern in der Haushaltskasse keine nennenswerten Effekte zeigen. Anscheinend scheint sie dch zu ahnen, dass etwsa nicht stimmt, sonst gäbe es diese Bemühungen ja auch nicht.

Wie gehts mit uns nun weiter?
Ich weiss keinen Rat.
Mir das Ganze hier einmal von der Seele schreiben zu können, tat mir jedenfalls schon mal gut.

Liebe Grüße vom Sonnenstrand
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Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Sonnenstrand 716 06. 02. 2024 01:33

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Zora 253 06. 02. 2024 02:19

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Ramona 235 06. 02. 2024 02:43

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Sonnenstrand 106 09. 02. 2024 16:07

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Sonnenstrand 107 09. 02. 2024 15:36

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Zora 124 11. 02. 2024 06:03

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

SouLRobocop 201 06. 02. 2024 12:38

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Sonnenstrand 101 09. 02. 2024 15:47

Diese Krankheit macht euch alle fertig

Lichtblick 217 06. 02. 2024 17:19

Re: Diese Krankheit macht euch alle fertig

Sonnenstrand 110 09. 02. 2024 15:50

Es zählt, was Du für Deine Kinder tust

Lichtblick 123 09. 02. 2024 20:07

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Fischerin 186 07. 02. 2024 19:14

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Sonnenstrand 131 09. 02. 2024 16:01

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

FLYHIGH 145 09. 02. 2024 17:56

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Jana_80 138 09. 02. 2024 23:55

Re: Bipolar und uneinsichtig mit Familie

Fischerin 117 10. 02. 2024 22:16



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