Hallo Heike,
doch ich finde die von dir beschriebene Richtung seit Jahren immer deutlicher wahrnehmbar.
Ob das nun die sehr langen Wartezeiten bei einem notwendigen Facharztwechsel oder auch für einen Psychotherapieplatz betrifft.
In unserer Stadt ist ein Facharzt- oder auch Hausarztwechsel oftmals auch von vornherein gar nicht möglich, weil die Praxen so überlastet sind. Die Möglichkeit auf einer Warteliste über einen längeren Zeitraum zu stehen, wird immer seltener angeboten.
Es braucht ja oftmals einen längeren Anlauf, um Hilfe zu bitten. Wird dieser Versuch dann schon im Vorfeld radikal ausgebremst, reicht die Kraft vielleicht nicht unbedingt für weitere Versuche. Zumal in dem abgeschlagenen Hilfegesuch durchaus mitschwingen kann, dass man diese Hilfe ja gar nicht nötig hätte oder eben andere Fälle mit höherer Dringlichkeit vorgezogen werden müssen.
Letztendlich führt diese Handlungsstrategie dann dazu, dass es immer schwieriger wird, präventiv Hilfe zu bekommen und erst im „worst case“ eingegriffen wird.
Langfristig halte ich diese Denkungsweise für sehr kurzsichtig.
Denn der Aufwand, die Scherben nach dem totalen Zusammenbruch zusammen zu lesen, ist - wenn dies dann überhaupt möglich ist - vermutlich um einiges kostspieliger nicht nur für die Finanzen sondern auch für die Psyche.
Dies zu erkennen würde aber eine deutlich bessere Vernetzung benötigen und natürlich auch eine entsprechende Haltung der Entscheidungsträger.
Da ich mich gerade selber in der Ausbildung zur Genesungsbegleiterin befinde, sehe ich mich diesbezüglich auf einem Weg, der in eine wichtige Richtung geht und im besten Falle Brücken zu bauen und Augen zu öffnen vermag…
Viele Grüße,
Miramis
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Erstmals Diagnose BS im Frühjahr 2010 , bis 2012 aufrecht erhalten und mehrfach von verschiedenen Fachärzten bestätigt. Sehr starker jahreszeitlicher Einfluss, Wohnort nördlich des Polarkreises.
In dieser Zeit keine Medikation.
2012 Rückzug nach Deutschland aus dem Ausland.
In Folge schlagartige Verbesserung der bipolaren Problematik. Keine Bestätigung der Verdachtsdiagnose BS in Deutschland. Statt dessen eher "stabile langjährige depressive Phasen" bis zum Herbst 2018:
Erstmaliges Wiederauftreten einer hypomanischen oder manischen Phase in Deutschland, Dauer drei Monate, nach Einstellung mit Quetiapin 300 mg Abgleiten in eine nachhaltige Depression, Dauer 1,5 Jahre.
Seit etwa April 2020 - nach schrittweisen und fachärztlich begleitetem Ausschleichen des Quetiapin - Beginn einer hypomanischen oder manischen Phase bis Herbst. Dann Einschleichen von Lithium.
Aktuelle Medikation: 25 mg Quetiapin Retard abends
450 mg Quilonium Retard abends