25. 02. 2023 10:31
Ich hoffe das mir hier jemand helfen kann oder vielleicht einige Ratschläge für mich hat.

Ich versuche nicht zu ausschweifend zu schreiben.

Zu uns und unserem Leben:

Meine Frau und ich sind seit 20 Jahren zusammen. Wir haben uns unter besonderen Zufällen im Urlaub kennengelernt. Unsere damaligen Leben waren sehr unterschiedlich. Sie schon immer Großstadtmensch mit einem großen Freundeskreis und ich vom Land der gern seine Ruhe hatte.
Nach anfänglichen Hin- und Her ist sie dann für eine Familiengründung zu mir aufs Land gezogen und wir haben geheiratet und sind Eltern geworden.

Sie hat sich aber hier auf dem Land nie wirklich eingelebt, hatte keine richtigen und dauerhaften Freunde gefunden und kam auch mit meiner Mutter (wohnte im gleichen Haus) nie zurecht.
Wir haben vor sehr vielen Jahren eine Firma gegründet und diese zusammen erfolgreich aufgebaut.
Das erforderte aber sehr viel Zeit und Nerven. Aber nach vielen Jahren läuft die Firma erfolgreich und wir sind finanziell gut abgesichert. Aber der Preis dafür waren 10 Jahre harte Arbeit und wenig Zeit für anderes.
Vor einigen Jahren haben wir auch ein schönes Wohnhaus gebaut und meine Eltern sind seit 1,5 Jahren auch weggezogen. Das nahm schon einiges an Problemen weg.

Vor 12 Jahren haben wir nach langer Suche erfahren dass unser Kind schwerstbehindert ist. Es wird immer auf unsere Hilfe oder der anderer Menschen angewiesen sein.
Das war der erste harte Knick in unserem Leben.
Wir haben dann vor 8 Jahren ein zweites Kind bekommen. Wir hatten gedacht dass sich beide Kinder etwas ergänzen und helfen können. Leider hat das so nicht funktioniert und beide Kinder leben eher an einander vorbei.
Leider müssen wir sehr vieles auf unser erstes behindertes Kind anpassen , sei es den Tagesaublauf, Urlaub , Ausflüge ect.

Zu meiner Frau:

Sie war schon immer sehr temperamentvoll und sehr emotional, ich dagegen habe das so nie gelernt und bin eher der ruhige und zurückgezogene Mensch. Emotionen zwischenmenschlicher Art hatte ich in meiner Kindheit nach dem frühen Verlust meiner Schwester sehr wenig. Das musste und muss ich erst nach und nach lernen.
Das führte zwischen meiner Frau und mir schon vom ersten Moment an immer mal wieder zu Problemen. Ihre Vorstellung von Zusammensein war immer etwas anders ausgeprägt als meine.
Da gerieten wir immer mal wieder aneinander um uns dann wieder zu versöhnen. Eine ganz normale Beziehung.
Aber nach der schweren Diagnose unseres ersten Kindes wurden diese Phasen immer öfter und schwerer. In diesen Tiefphasen war sie gereizt , genervt, legte jedes Wort von mir auf die Goldwaage und die Streits wurden heftiger.
Grundsätzlich verlief unser Lieben bisher ziemlich gradlinig und in engen Grenzen, auch aufgrund unseres Kindes und der Firma. Ich war damit zufrieden aber meine Frau nicht. Dadurch dass sie hier niemanden hatte fehlte ihr auch der seelische Ausgleich zu ihrer Familie und mir.
Sie hatte dann bei einer Kur vor vielen Jahren eine Freundin gefunden. Mir ihr tauscht sie sich sehr viel über uns aus. Ihre Freundin hat leider selbst eine völlig kaputte Familie und ist daher leider kein wirklich guter Ansprechpartner. Aber das muss ich so akzeptieren.
Ich weiß dass sie ihrer Freundin in ihren Tiefphasen sehr boshafte Dinge über mich erzählt die so nicht wahr sind. Sie streitet das auch ab und sagt dass es so nicht stimmen würde.
In den letzten Jahren sind diese Hoch - und Tiefphase regelmäßig im Wechsel. In den Hochphasen ist sie oft euphorisch, unser Sexleben ist sehr ausgeprägt, sie ist von vielen Dinge begeistert und macht auch gern die schwierigen und anstrengend Arbeiten.
Dann kommen wieder aller paar Monate die Tiefphasen. Sie ist ständig müde, niedergeschlagen, depressiv, isst wenig, sieht in allem nur das Schlechte. Hat Angst um unser behindertes Kind , unsere Zukunft. Sie stellt alles in Frage.
In diesen Phasen streiten wir uns , sie sieht in vielen Dingen die ich sage nur etwas negatives und schlechtes. Das mündet dann meist in einem Alles-oder Nichts Streit.
Bisher haben wir diese Phasen immer und immer wieder überstanden. Aber es viel mir mit jedem Mal schwerer damit umzugehen. Ja sie hatte dann immer wieder Wünsche an mich und meine Verhalten in unserer Partnerschaft die ich dann versucht habe umzusetzen aber es nicht dauerhaft schaffe.
Aber das Grundsatzproblem ist dass ich zufrieden bin mit unserem Leben aber sie leider immer wieder in ihren Tiefphasen alles negativ sieht. Aber das ist so nicht.
Vor einem Jahr haben wir wieder einen großen Streit gehabt und uns entschieden dass sie einfach mehr alleine für sich macht - wegfahren, schoppen, was auch immer. Das war vorher auch nie ein Problem aber sie hat es wegen unserem Kind nie gemacht. Das hatte gut geklappt aber diese Hochphase hielt leider auch nicht viel länger als die Jahre zuvor.
Es kam jetzt wieder der Moment an dem jeder Spass von mir 3 zu viel waren, jedes vergessene liebe Wort von mir 5 zu viel waren usw. Aber einen wirklichen Grund gab es wieder nicht. Mein Verhalten ist doch ziemlich gradlinig auf dem gleichen (vielleicht niedrigen) Level. Es gab keinen erkennbaren und nachvollziehbaren Grund.
Schon war sie wieder in ihrer Tiefphase. In dieser Phase haben wir erfahren dass es vielleicht in 3-4 Jahren ein Heilmittel für unser behindertes Kind geben könnte. Das hat sie dann noch mehr heruntergezogen. Was wenn es nicht klappt, was wenn unser Kind sich im Wesen total verändert, was machen wir dann mit unserem neuen Leben ?!?!?
Sie hat das nicht als eine tolle Nachricht aufgenommen sondern hat sich nur die "negativen" Dinge aus diese Nachricht herausgezogen.
Tja da stand ich dann wieder - hilflos, ratlos und wusste nicht weiter.
Ich kann und konnte mir diese Sprünge in meiner Frau nicht mehr erklären. Diese Sprünge kamen über Nacht. Tags zuvor Lebensfroh und am Tag danach depressiv.
An einem Tag schreibt sie mir einen Brief mit einem Haufen lieber Worte und Eigenschaften an mir die ich vielleicht nicht einmal alle verdient habe und am nächsten Tag bin ich ein Arschloch.
Dann versuchte ich , der mehr mit dem Kopf fühlt als mit dem Herz, irgendeine logische Erklärung zu finden warum das so ist.
So bin ich auf Zyklothymia gestoßen, eine milde Form von bipolar. Je mehr ich gelesen hatte umso mehr erkannte ich meine Frau darin.
Dann habe ich leider den sehr wahrscheinlich dämlichen Fehler gemacht und ihr das erzählt und gezeigt.
Tja seit dem ist es noch schlimmer geworden. Jetzt denkt sie ich dichte ihr eine Krankheit an und dass sie im Kopf gestört ist.
Das wollte ich damit natürlich nicht sagen und bezwecken. Ich wollte für mich etwas Logisches, Nachvollziehbares finden, was mir erklärt wie diese Phasen entstehen.
Seit dem sind diese Sprünge stündlich. Es ist alles in Ordnung, dann mach ich wirklich einen belanglosen Satz und das wars. Dann hängt sie wieder in den Seilen.
Jetzt denkt sie auch ständig ich würde sie analysieren auf die "Krankheit" die ich ihr einreden würde.

Ich habe aktuell wirklich keine Ahnung was ich machen und vor allem was ich sagen soll und darf. JA es fällt mir extrem schwer nur mit weichgespülten Worten zu reden und sie aller paar Stunden in den Arm zu nehmen. Die Angst ist jetzt mein ständiger Begleiter bei jedem Wort.
Es mangelt uns aber definitiv nicht an der Liebe. Auch wenn das Verständnis dafür bei uns sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Aber wir haben beide den Wunsch zusammen alt zu werden.
Mag sein dass unsere Geschichte "normal" ist und unter normaler Beziehung läuft. Aber diese extremen Sprünge von Hochphasen und Tiefphasen sind für mich nicht zu erklären.

Aber vielleicht kann mir jemand helfen oder ein paar Tipps geben. Gern beantworte ich auch weitere Fragen.

Danke !
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Brauche Hilfe - ist das Zyklothymia ?!

Mercer 1331 25. 02. 2023 10:31

Re: Brauche Hilfe - ist das Zyklothymia ?!

Nil 257 26. 02. 2023 11:37

Re: Brauche Hilfe - ist das Zyklothymia ?!

lebensfrohundso 266 26. 02. 2023 16:53

Re: Brauche Hilfe - ist das Zyklothymia ?!

shipsong1909 423 15. 03. 2023 21:04



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