Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

04. 09. 2022 20:12
Guten Abend zusammen,

ich melde mich jetzt, weil mich die Situation mit meiner Schwester sehr belastet und jedes Telefonat aus dem Takt bringt.

Meine Schwester wurde vor ca 36 Jahren als bipolar diagnostiziert. Zwischenzeitlich sieht sie auch unsichtbare Menschen und redet sehr viel mit nicht vorhandenen Personen.

Sie hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Medikamente abgesetzt. Sie hat sich nicht kooperativ verhalten, z.B. als ihr Vermieter die Heizung erneuern wollte, weil sie sich verfolgt und beklaut fühlt. der Vermieter hat vor ein paar Jahren geschafft meine Schwester aus der Wohnung zu klagen. Die Unterbringung in den Hostels in Berlin für Obdachlose gibt es für sie auch nicht mehr, weil sie sich nicht so verhält, als dass man gut mir ihr zusammenleben kann. Schuld sind aber immer die anderen, die sie moppen. Ständig will sie Geld für irgendwas, was ihr dann wieder fehlt. Keine Ahnung, wie viele neue Brillen es brauchte, Telefone oder Klamotten.
Ohne ein Zuhause und mittlerweile auch mit einem ziemlich kranken Bein ist sie bei meiner Mutter aufgeschlagen. Meine Mutter ist 87 Jahre als, hatte meine Schwester gar nicht erst erkannt und schwups war sie in der Tür.
Meine Mutter möchte ihre Tochter aus verschiedenen Gründen nicht im Haus haben: meine Schwester redet unheimlich viel, sagt viele Dinge, die nicht stimmen, völlig ohne Realitätsbezug sind, macht Vorwürfe, redet laut aus dem Fenster heraus, wird bei Widerspruch aggressiv, erklärt ständig, warum sie schlecht behandelt ist, warum sie in ungerechten Situationen ist, dass man sie ständig verkennt, usw.
Meine Schwester hält sich jedenfalls für gesund.
Nun war meine Schwester im Haus und meine Mutter bat mich um Hilfe (ich weiß, dass ein solche Koalition sicher nicht gut ist gegenüber meiner Schwester, aber ich hatte keine wirkliche Wahl in meinen Augen).
Als ich dort war, erklärte meine Schwester, meine Mutter hätte sicher kein schlimmes augenleiden (meine Mutter hat auf dem rechten Auge trockene Makula und erblindet darauf derzeit), sie solle wieder ein Auto kaufen, damit sie die Einkäufe erledigen könne, weil meiner Schwester wegen ihres Rückens und kranken Beines ja nichts tragen könne).
Meine Schwester hatte schon früher die Idee geäußert, dass sie in dem Haus wohnen wolle, eine WG mit Studenten betreiben wolle, die dann mit ihr zusammenleben sollten (sie ist Kettenraucherin). Was meine Schwester nicht realisiert, ist dass sie aufgrund der Versorgung durch das Sozialamt kein Erbe erhalten wird und meine Mutter plant das Haus zu verkaufen, damit sie das Altersheim finanzieren kann, für das ihre Rente nicht reichen wird.

Um es kurz zu machen, wir stellten meiner Schwester ein Ultimatum, dass sie wieder gehen sollte. Schließlich tat sie es unwillig und setzte sich daraufhin beim Bäcker gegenüber ins Außen-Café und beobachtete das Haus meiner Mutter. Am Abend kam meine Mutter von einer Abendveranstaltung und wurde von einer Freundin vor dem Haus abgesetzt. In diesem Moment kam meine Schwester aus dem Dunkeln mit ihrem Einkaufswagen, der ihre Sachen enthielt, auf meine Mutter zu. Nachdem sie sah, dass ich unserer Mutter die Tür öffnete, sind sie weiter. Am nächsten Tag saß sie wieder beim Bäcker gegenüber. Meine Mutter bekam es mit der Angst zu tun – was sollte sie machen, wenn sie nun immer von ihrer Tochter so beschattet wäre?
Als dann am Abend meine Schwester ihr Lager vor der Haustür des Wohnhauses unserer Mutter aufbaute, entschied ich mich zu handeln und rief die Polizei. (Die Polizei kannte meiner Schwester schon von früheren Aktionen, als sie einmal durch die Nachbarn alarmiert von der Polizei mitgenommen wurde, nachdem sie im Garten unserer Mutter und der Nachbarn randaliert hatte.)
Meine Schwester war sehr sauer auf mich, weil sie meinte, sie wäre auch so gegangen, ohne dass ich sie Polizei hätte rufen müssen.
Ich glaube nicht, dass sie gegangen wäre, weil sie permanent das Haus meiner Mutter beschattet hat und ich mir Sorgen um meine Mutter machte.
Zwischenzeitlich ist meine Schwester nun also in der geschlossenen Abteilung in einem Krankenhaus.
Sie ruft permanent an und hat immer andere Wünsche. Sie käme nicht an ihr Geld, das Wasser würde seifig schmecken, sie bräuchte ein Handy, dann eine Brille, dass müsste sie unendliche Widersprüche schreiben etc. Aber sie wäre ganz großzügig und würde mir verzeihen, dass ich die Polizei gerufen habe – obschon dies nicht nötig gewesen wäre. Sie wäre gerne weiter obdachlos unterwegs gewesen und jetzt würde sie mit Medikamenten vollgepumpt. Aber auch wenn sie uns nun nicht mehr anrufen würde, auf ihr Erbe würde sie keinesfalls verzichten!

Meine Mutter möchte gerne, dass meine Schwester sicher unter ist, am liebsten in einem psychiatrischen Wohnheim, damit sie sich vor ihr sicher fühlen kann und damit meine Schwester versorgt ist und ein Dach überm Kopf hat, weil sie schon 63 ist.

Ich bin nach so vielen Jahren und immer sich wiederholenden Situationen die ganze Situation echt leid. Durch das Alter meiner Mutter kann ich dem schlecht ausweichen. Ich bringe es nicht übers Herz, sie mit all dem allein zu lassen.
Ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Schwester sozusagen hinter Gitter gebracht habe. Aber sie ist einfach auch keine verständige Person- auch wenn sie sich völlig anders sieht, ich kann ihr nicht vertrauen, weil bei ihr sich ständig die Flagge im Wind dreht. Und ich möchte sie auch nicht in meinem Zuhause haben. Sie lässt sich ja überhaupt nichts sagen.

Was ich hier in diesem Forum gerne in Erfahrung bringen möchte:
• Wie kann es in so einer Situation am besten weitergehen?
• Wie werde ich das schlechte Gewissen los?
• Wie werden Patienten in der geschlossenen Abteilung betreut? Stimmt es, dass man ihr dort nicht hilft, sie keine Unterstützung bekommet, man ihr nicht hilft an die Papiere zu kommen etc.? Wie kann ich dies herausfinden? Meine Schwester möchte auf keinen Fall, dass ich Auskunft bekomme. Was kann ich wie dennoch in Erfahrung bringen?
• Wie kann ich mir am besten zu mehr innerlicher Ruhe verhelfen?
• Kann ich aufhören, die Telefonate mit meiner Schwester zu ertragen und ablehnen mit ihr zu sprechen? – auch wenn hier in den Infoflyern auf die Beziehung zu den Angehörigen hingewiesen wird?

Schon vor ein paar Jahren war ich mit meiner Mutter in dem Angehörigen-seminar, um meiner Mutter mehr Information zu ermöglichen, welches Verhalten ggf. hilfreich wäre. In dem Austausch dort, wurde meine Schwester als unkooperative Kranke bezeichnet.

Ehrlich gesagt habe ich mit der Organisation meines eigenen Lebens (und der Unterstützung meiner Mutter in ihrem Altwerden) genug zu tun. Dazukommt, dass mein Mann vor zwei Jahren eine schwere Krebsdiagnose bekommen hat und ich nun froh bin, dass er wieder stabil, wenn auch nicht tumor-frei ist. Ich möchte meine Ruhe haben und möglichst gesund bleiben.

Welche Empfehlung würden Sie mir geben?

Ganz herzlichen Dank, wenn Sie bis hierher gelesen haben!
Viele Grüße, Elli
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Elli68 910 04. 09. 2022 20:12

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Leuchtturm1 296 05. 09. 2022 08:46

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Elli68 233 05. 09. 2022 17:15

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Hotte 210 06. 09. 2022 23:07

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Elli68 247 09. 09. 2022 00:12

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

FLYHIGH 162 07. 09. 2022 14:50

Re: Bitte um Verhaltensempfehlung für mich als Angehörige

Elli68 126 09. 09. 2022 00:01



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