Trigger Depression

23. 07. 2022 12:00
#triggerwarnung_depression und Selbstverletzung
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Liebe Gruppenmitglieder*innen,
ich bin schon länger stille Mitleserin. Ich sag es vorab, mir fällt es schwer, meine chaotischen Gedanken auf den Punkt zu bringen und oft verlässt mich auch der Mut und die Kraft, auch weil sich meine Stimmung schnell ändert und das was ich gerade noch gefühlt habe, im nächsten Moment schon anders sein kann. Ich habe ein paar Fragen an Euch und hoffe, dass mir die ein oder andere jemand ehrlich beantworten kann. Seit der Geburt meines Sohnes vor einigen Jahren, gab es immer wieder schlechte und gute Phasen. Damals war ich auch in der Klinik, weil ich dann irgendwann Wahnvorstellungen hatte, mich (Achtung Trigger), mich mehrmals ritzte (aber nur zu diesem Zeitpunkt) und es versuchte zu beenden. Es gab diverse Diagnoseversuche. Irgendwie dachte ich einfach, es sei eine postpartale Psychose. Danach gab es immer mal wieder und deutlich häufiger schlechte Phasen.Und seit 2 1/2 Jahren, hat das Ganze an Fahrt aufgenommen. Konnte dann nicht schlafen, Klinikaufenthalte, etc. laut der Psychiaterin waren die letzten 8 Monate eine Mischphase. Ich habe versucht meine Stimmungen in eine App einzutragen. Zum Schluss hat das auch am Tag oft gewechselt, aber deutlich die Tendenz, mir ist alles scheiß egal, mir kann niemand was, ich wandere aus, etc. Ja, es klingt so furchtbar. aber es fühlt sich dann auch so großartig an, keine Angst zu haben.
Mittlerweile ist es als schizoaffektiven Störung (erst Bipo II) diagnostiziert worden, weil das Beziehungserleben einfach oft seltsam ist (Phasenweise nehme ich meinen Mann oder andere anders war und glaube, sie sind mir nicht mehr wohl gesonnen).
So, lange erzählt. Ich weiß nicht, ob die Diagnose stimmt. Auch nach dieser langen Zeit, bin ich mir unsicher. Mein Mann und Freunde würden widersprechen. Aber wenn ich hier Beiträge lese, insbesondere, wenn es um hypomanische, aber besonders depressive Phasen geht, dann fühle ich mich so anders. Ich weiß, es ist ein weites Spektrum. Bei mir ist es aber so wie derzeit: Ich bin völlig k.o., nachdem es mir das letzte halbe Jahr so gut ging und ich vor nichts und niemandem Angst hatte, habe plötzlich wieder Angst Auto zu fahren, gehe, wie dann immer auf Distanz zu meinem Partner, habe Angst, Nachbarn zu treffen. Nein, man sieht es mir nicht an. Ja, ich stehe auf, mache alles, wenn auch für mich gesehen, viel, viel langsamer. Ich bin so einsam, es ist so ein Versteckspiel. Ich kann da mit niemanden drüber reden. Ich ekel mich dann vor mir selbst, eine Stimme sagt mir, reiß dich zusammen, niemand mag negative Menschen. Und ja, ich bin sehr selbstdiszipliniert. Zudem wurde in der Therapie festgestellt, dass ich immer in Bewegung bleiben muss, was tun muss, um nicht weiter abzustürzen. Das wirkt selbst für mich widersprüchlich. Fakt ist also, falls das Depressionen sind, zeigen sich die bei mir total anders, in keinster Weise aber so richtig, wie in den ganzen Skalen beschrieben. Das zeigt sich irgendwie nicht so. Könnte es trotzdem diese Erkrankung sein? Für mich ist es sehr wichtig herauszufinden, um meinen Frieden zu finden.
Das alles führt dazu, dass ich mir mittlerweile selbst nicht glauben und über dem Weg trauen kann. Ich versuche stets, dass das nicht auffällt. Aber dann schwankt es und ich habe auch in meinem Beruf nur damit zu tun, herauszufinden, was jetzt wirklich Realität ist und z.B. Ängste unter Kontrolle zu halten und die Fassade zu wahren. Ich bin gerade so am Ende damit. Bald sind die Ferien vorbei und ich muss mich schnell in die Spur bringen, um die Arbeit gut zu schaffen. Ich bin meinen Kindern keine Kostante.
Dann denke ich immer, ich bin ein Hypochonder, ich kann dieses Wirrwarr gar nicht in Worte fassen, kennt das jemand?
In der Therapie drehe ich mich im Kreis, es ist ein super Therapeut, aber er verzweifelt da. Ich liebe meinen Mann, aber es steht nach so vielen Jahren wirklich auf der Kippe. Ich bin ehrlich, nachdem das trotz Medis geschwankt hat, habe ich sie irgendwann abgesetzt, auch weil ich, ja steinigt mich, so Angst habe zuzunehmen. Ich habe nicht das beste Selbstbild. Dann habe ich sie wieder genommen, aber innerlich bin ich halt trotzdem sehr nervös. Irgendwann hat es dann angefangen. Als ich bestimmte Spannungen nicht aushalten konnte, habe ich mich geschnitten. Und seit einem Jahr habe ich begonnen, mich nach dem Essen zu übergeben. Erst nur einige Male, aus Angst zuzunehmen, dann fast jedes mal, da war halt dieses unfassbare Kontrollgefühl, wieder Macht über Situationen zu haben. Kennt das auch jemand? Und ja, ich kenne mich mit solchen Sachen aus und kann es nicht fassen, dass ich das ganze mache, alles riskiere.

Ich habe das vollständig abgespalten, in den guten Phasen. Putzen und andere Sachen, die sonst immer geholfen haben, haben nicht mehr den beruhigenden, sortierenden Effekt gehabt. Das ist so völlig daneben von mir. Mein Mann ahnt etwas, ich habe alles abgestritten. Da die körperlichen Folgen nun wieder zunehmen (Gastritis, Zähne, Hörsturz) ist es schwerer auszublenden und ich habe es meinem Therapeuten gestanden und meiner Psychiaterin. Es hat mich viel Überwindung gekostet, ich bin alt genug, habe Verantwortung, so einen Mist macht man da eigentlich nicht. Gefühlt ist da kein Lerneffekt bei mir.
Ich kann nun einige Medis als Tropfen nehmen, weil ich diese ganzen neuen Zwangssachen nicht sofort abstellen kann. Die Psychiaterin rät mir zu Klinik und zur EKT, davor habe ich aber Angst. Ich war bis vor einem Jahr lange in der Klinik. Jetzt habe ich ein Jahr gearbeitet, natürlich war es ein Kampf, den kaum jemand mitbekommt. Falle ich wieder aus, muss ich mit dem Amtsarzt rechnen, zudem werden alle wieder blöd schauen. Ja, dass macht mir was aus und ja, ich mag meinen Job, kann aber bestimmte Aufgaben nicht erfüllen, z.B. Gutachten schreiben, weil ich so springe und dafür dann statt 3 Tage ca. 3 Wochen benötige. Und ja, es macht mir was aus, dass ich plötzlich nicht mehr so leistungsfähig bin und gefühlt 75% des Tages damit zu tun habe, mich zu sortieren.

Am meisten habe ich aber Angst, dass mein Mann mein zweites Leben herausfindet. Er ist eh am Ende. Das ganze soll für mich nie Thema sein, ist es aber immer. Erzählen ist ausgeschlossen. Ich habe es ja hochmütig verneint und war mitunter eine Furie. Ich denke so oft, dass er das nicht verdient hat und ich gehen sollte. Ich liebe ihn, meine Kinder, aber niemand hat das verdient. Es ist ein Egoshooter.

Ich weiß, es ist wieder zu lang. Ich hoffe liebe Admins, ich kann es trotzdem veröffentlichen. Ich kürze schon immer.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen, auch mit diesen Zwangssachen?
Sind auch die beschriebenen Symptome einer Depression zuzuschreiben?
Wie hat es bei Euch Klick gemacht, wie konntet ihr es einfach annehmen, auch dieses Gefühl, dass das mit dem arbeiten schwieriger wird. Ich denke immer, ich muss mich mehr anstrengen. Ich bin verzweifelt.

Gerade habe ich gedacht, dass es mir so helfen würde. mit Betroffenen zu telefonieren oder eine Selbsthilfegruppe. Dann denke ich wieder, wenn ich das alles hier so lese, dass das bei den anderen so viel krasser ist und ich jetzt einfach mit VT daran arbeiten muss . Eigentlich geht es bei mir stets darum abzugleich, ob ich das wirklich habe oder ich woanders ansetzen muss.
Danke für das Lesen.
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Trigger Depression

Mondsand32 517 23. 07. 2022 12:00

Re: Trigger Depression

soulvision 211 23. 07. 2022 13:25

Re: Trigger Depression

Mondsand32 20 16. 08. 2022 21:21



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