Meine Fragen als Angehöriger (Partnerschaft): Plötzlich werde ich ignoriert – wie verhalte ich mich „richtig“?

22. 04. 2022 20:25
Zum Hintergrund in der Kurzfassung:

Ich bin seit über 9 Jahren mit meiner Freundin zusammen. 4 Jahre leben wir nun auch zusammen. Als ich Sie kennenlernte, war sie unglaublich energiegeladen, kreativ, engagiert und ging wirklich super positiv durch die Welt (im Rückblick vermute ich eine Hypomanie während dieser Zeit). Das war manchmal „zu viel Energie“ für mich, ich bin eher ein Mensch, der auch mal etwas Ruhe und Zeit für sich, oder zumindest zum gemeinsamen Entspannen braucht. Und gleichzeitig verliebte ich mich in sie, gerade weil sie so besonders vielseitig war bzw. ist und es mir auch sehr guttat, einfach mal mitgerissen und motiviert zu werden. Die Beziehung war in den ersten Jahren schon geprägt von Auf und Abs, und es war nicht immer leicht, da wir uns aufgrund unserer unterschiedlichen Charaktere schon mal fetzten. Dann lief es mehrere Monate aber wirklich sehr gut, bis zu einem Punkt, wo sie sich erst mehre Tage von mir durch Nichtmelden zurückzog (ich war beruflich unterwegs) und dann per E-Mail – entgegen ihrer Art und ihrem Wesen, dass ich bisher kannte – mit mir Schluss machte.

Am Tag darauf kam sie dann in eine geschlossene Psychiatrie, weil sie nachts mit ganz „wirrem“ Verhalten von der Polizei aufgegriffen worden ist. Ich habe im Nachgang erfahren, dass sie bereits vor 12 Jahren mehrere Monate in der geschlossenen Psychiatrie war. Danach hatte sie dann schnell ihre Medikamente abgesetzt und viele viele Jahre ein relativ normales Leben geführt. Nach dem letzten Psychiatrieaufenthalt organisierte sie sich zwar selbstständig Hilfe (u.a. einen Psychiater), aber setzte die Medikamente nach nur 2 Monaten selbstständig ab bzw. reduzierte diese auf 25 % der empfohlenen Dosis. Wir waren dann schnell wieder "zusammen", weil sie selbst sagte, sie sei nicht sie selbst gewesen, als sie Schluss gemacht hatte.

Dennoch lief es zwischen uns beiden zunächst gut, und ich hatte den Eindruck, ihr ging es auch einigermaßen gut. Auf einmal meldete sie sich dann allerdings – entgegen ihrer Kontaktfreudigkeit in all den Jahren zuvor – kaum mehr bei mir, ging auch kaum oder gar nicht mehr ans Telefon und rief nicht mehr zurück. Als ich sie persönlich gesehen habe, erklärte sie das damit, dass Menschen sich eben veränderten und sie brauche jetzt einfach mal Abstand zum Nachdenken. Sie hat mich regelrecht weggeschoben und ignoriert mich, und auch enge Freunde und Familie. Als ich sie darauf ansprach, dass ich ihr Verhalten sehr merkwürdig und untypisch finde, wurde sie richtig böse und stellte auf einmal unsere ganze Beziehung und ihre Gefühle zu mir infrage.

Meine Fragen / meine Überlegung:

Ich würde mich freuen, von selbst Betroffenen und Angehörigen Ratschläge zu erhalten, wie ich mich in dieser Situation richtig verhalten kann, bzw. was ich überhaupt nicht tun sollte. Meine Überlegung ist, ihr einfach jetzt den Raum und die Zeit zu geben, die sie braucht. Ich bin beruflich viel unterwegs, sodass es tatsächlich auch praktisch durch räumliche Distanz gut umzusetzen ist (obwohl ich alles auch so organisieren kann, dass ich viel zu Hause bin), aber gleichzeitig tut es mir natürlich sehr weh, nicht zu wissen, was sie denkt, was sie tut und wie es ihr geht. Ich habe auch Angst, dass sie sich vielleicht irgendwann zu Hause so sehr zurückzieht, dass sie gar nicht mehr das Haus verlässt und dort vielleicht leidet, ohne dass es jemand mitkriegt, sie aber zu stolz (oder zu krank) ist, sich Hilfe zu holen. Es ist also der Konflikt zwischen Freiraumgeben und gleichzeitig der Angst um sie und ihre Gesundheit.
Wer hat solche Phasen auch erlebt?
Was geht in dem Kopf des Betroffenen vor?
Wie blickt ein Betroffener in so einer Phase auf den Partner?
Wie lange ging solche Phase bei Euch? Kann man als Betroffener nach Überwindung dieser Phase das Vergangene reflektieren und sich vielleicht später in den Angehörigen hineinversetzen, nach dem Motto „mein Verhalten hat dem anderen doch damals sehr weh getan, jetzt tut es mir leid, wenn ich darüber nachdenke“?

Ich selbst glaube an unsere Liebe und bin bereit, solche Durststrecken auszuhalten, denn ich habe die Hoffnung, dass wir noch viele gemeinsame Jahre, vielleicht sogar ein ganzes Leben zusammen verbringen können, in denen wir viele wunderschöne Momente haben werden und unsere gemeinsamen Träume verwirklichen.

Habt vielen Dank!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.04.22 20:27.
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Hope84 729 22. 04. 2022 20:25

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Formeleins 189 22. 04. 2022 20:56

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Hope84 153 23. 04. 2022 08:25

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Formeleins 199 23. 04. 2022 08:41

Re: Meine Fragen als Angehöriger (Partnerschaft): Plötzlich werde ich ignoriert – wie verhalte ich mich „richtig“?

Milla 165 22. 04. 2022 22:18

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Hope84 166 23. 04. 2022 08:39



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