Die Neue sagt Hallo

13. 10. 2021 19:54
Hallo ihr Lieben!

Ich bin gestern Abend auf dieses tolle Forum gestoßen, habe viele Beiträge gelesen und fühle mich nun inspiriert einfach mal meine Geschichte zu teilen. Ich hoffe es wird sich jemand durchlesen und wir können ein wenig in Austausch kommen.

Ich bin 23 Jahre alt und hatte meine erste Psychose mit 18 (im Jahr 2016), drei Wochen vor meinen Abiturprüfungen. Das war für alle Angehörigen und auch mich ein großer Schock, da ich vorher nie auffällig geworden bin mit psychischen Problemen und auch nie Drogen konsumiert habe o.ä. Dank eines guten Umfeldes, schneller psychiatrischer Behandlung und tollen Lehrern bekam ich die Psychose schnell in den Griff (wurde nur einen Tag stationär aufgenommen und direkt wieder entlassen) und absolvierte mein Abitur mit einem Schnitt von 1,8. Die Note nenne ich jetzt nicht um damit zu prahlen, sondern um anderen Mut zu machen, die vielleicht noch in der Schule stecken und bereits mit der Erkrankung zu kämpfen haben.
Bei mir war das Problem, weil alles so schnell ging hielt ich diese Psychose nur für eine Art Erkältung, die ich besiegt habe und nie wieder kommen wird. Doch ich wurde eines Besseren (oder Schlechteren) gelehrt.
Jedenfalls habe ich sehr schnell die Medis - weiß leider nicht mehr was ich damals genau bekommen habe- absetzen lassen und wollte "normal" weiterleben. Zu der Zeit war es noch mein Ziel erst ein FSJ zu absolvieren und dann, wie ursprünglich geplant, Medizin zu studieren. Pustekuchen. Nach dem Abitur rutschte ich in eine ewige Depression, die fast ein Jahr andauerte. Zu der Zeit wurde ich auch wieder medikamentös behandelt, hatte im Sommer 2017 endlich das Gefühl, wieder glücklich zu sein, bis es in eine Manie rutschte und ich 8 Wochen stationär behandelt wurde, zum Teil in Deutschland und zum Teil in Kroatien.
War noch jemand von euch mal stationär im Ausland? Für mich war es damals nicht schlimm, weil ich manisch war aber rückblickend wurde man in Kroatien teilweise behandelt wie ein Tier.
Jedenfalls bekam ich nach dem stationären Aufenthalt endlich die Kurve, wurde eingestellt auf Valproat und Quetiapin, und absolvierte im Jahr 2018 mein FSJ in der Krankenpflege und begann mein Psychologiestudium.
Es lief alles gut, ich war gut eingestellt und stabil und doch wieder nicht ganz zufrieden. Anfang 2020 wollte ich versuchen wieder ohne Medikamente zu leben und fing an das Valproat und Quetiapin auszuschleichen, natürlich in ärztlicher Absprache. Ich war so fokussiert auf das Ziel ohne Medikamente zu leben, dass ich nicht einsah wie depressiv ich wieder wurde. Es kam wieder so weit, dass ich zwangseingewiesen werden musste und war für 4 Wochen in der Klinik. Kurz nachdem ich entlassen wurde (ca 4 Wochen), riefen meine Mitbewohnerinnen erneut den Krankenwagen, dieses Mal wegen einer Manie. Sechs weitere Wochen wurde ich in der Klinik gehalten, bis ich vor genau einem Jahr entlassen wurde. Eingestellt wurde ich letztendlich auf 900mg Lithium und 50mg Quetiapin retard.
Seit einem Jahr bin ich das, was man wohl stabil nennt. Ich habe weiter Psychologie studiert, aber merke seit meinem letzten Aufenthalt, dass ich mir beim Lernen einfach nichts merken kann.
Und ich fühle mich emotional eingefroren. Nichts hat seitdem wahre Freude in mir geweckt, mich gerührt, Gänsehaut bereitet oder wirklich traurig gemacht. Mir ist bewusst, dass diese emotionale Leere ein Anzeichen einer Depression sein kann, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es am Lithium liegt, weil ich unter Valproat noch eine andere Gefühlswelt hatte. Kennt das noch jemand, der Lithium nimmt? Von Valproat wurde mir aber von meinem neuen Arzt abgeraten, da ich eine junge Frau im gebärfähigen Alter bin.

Bevor mein Text jetzt zum Roman wird möchte ich mich bei allen bedanken, die bis hier hin gelesen haben und ein paar Fragen loswerden:
Habt ihr mit der Erkrankung studiert oder eine Ausbildung gemacht? Wie ist es euch dabei ergangen?
Wie geht ihr mit dem Thema Medikamente um? Habt ihr etwas gefunden, was euch stabil hält aber trotzdem Gefühle zulässt?
Wie geht euer Partner/in mit der Erkrankung um?

Liebe Grüße und alles Gute

beautiful mind
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Die Neue sagt Hallo

beautiful_mind 560 13. 10. 2021 19:54

Re: Die Neue sagt Hallo

VanGogh 162 13. 10. 2021 20:11

Re: Die Neue sagt Hallo

dry 179 13. 10. 2021 20:37

Re: Die Neue sagt Hallo

Bohumil 90 18. 10. 2021 01:21

Re: Die Neue sagt Hallo

Sternschanze 134 13. 10. 2021 21:48

Du hast nicht über die Krankheit nachgedacht, nur über Medikamente

Lichtblick 160 13. 10. 2021 21:58

Da könnte man in Rage kommen!

dry 133 14. 10. 2021 06:40

Re: Da könnte man in Rage kommen!

Lichtblick 115 14. 10. 2021 19:36

Re: Da könnte man in Rage kommen!

dry 85 15. 10. 2021 14:06

Re: Die Neue sagt Hallo

Milla 106 14. 10. 2021 06:24

Re: Die Neue sagt Hallo

downtoearthguy 108 14. 10. 2021 09:45

Re: Die Neue sagt Hallo

Turicum 105 14. 10. 2021 14:13

Re: Die Neue sagt Hallo

Formeleins 86 14. 10. 2021 21:49

lGefülsleere-Lithium

Brezle2020 111 15. 10. 2021 00:35

Re: lGefülsleere-Lithium

Milla 93 15. 10. 2021 08:39

Mila

Brezle2020 87 15. 10. 2021 10:36

Re: Die Neue sagt Hallo

FLYHIGH 112 15. 10. 2021 19:23

Re: Die Neue sagt Hallo

Bohumil 64 18. 10. 2021 01:14



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