Arbeiten trotz der Krankheit, wie löst ihr das?

24. 08. 2021 12:16
Ich habe die Krankheit nun seit ca. 9 Jahren, seit vielleicht 1 Jahr steht die Diagnose fest. Für mich ist das Schlimmste der Umgang mit dem Arbeitsleben, mit dem Leistungsdruck, mit Verantwortung haben und funktionieren müssen.
Nach meinem schlimmsten Zusammenbruch vor 2 Jahren habe ich mich entschieden, einen neuen Beruf zu lernen (in der Hoffnung, dass dieser mir mehr Spaß macht, mehr Perspektive bietet und sich dadurch auf meine Psyche positiv auswirkt). Seit ca. 1,5 Jahren befinde ich mich also in einer dualen Ausbildung, wobei ich am Arbeitsplatz nicht als Azubi sondern als vollwertige Kraft eingesetzt werde mit all der Verantwortung, die da anfällt.
Leider hat sich gezeigt, dass es völlig egal ist, was ich arbeite, meine Depressionen kommen immer wieder und in JEDEM Job stehe ich da und denke: ich kann da nicht mehr hingehen, ich schaffe das nicht, ich will das alles nicht mehr. In depressiven Phasen arbeiten zu müssen ist für mich ein absoluter Alptraum. Ich bin eine leblose Hülle, habe Weinkrämpfe nach dem Aufwachen und wünsche mir, dass ich tot bin.
Im diesem Zustand zur Arbeit zu gehen, einen "normalen Menschen zu spielen" und auch noch gute Entscheidungen zu treffen, konzentriert zu sein, mir Dinge zu merken usw. ist ein Kampf, den ich auch oft verliere. Ich sehe den Sinn nicht, mich Tag für Tag den Rest meines Lebens bis zur Rente damit abzuquälen und fühle mich richtiggehend gestraft, arbeiten zu müssen in diesen Zuständen.
Wer jetzt denkt: Meld dich doch dann einfach krank - das kann ich eben nicht. Denn meine Depressionen gehen Wochen und Monate und kommen in wiederkehrenden Abständen, ich schätze ich habe Rapid Cycling, denn ich habe mehrere Phasen im Jahr und nur wenige Zeiten, in denen ich nicht in einer Krankheitsphase stecke. Würde ich mich jedesmal krankmelden, wenn ich depressiv bin, könnte ich mit Sicherheit keinen Job halten und würde auf Hartz4 leben. Welcher Arbeitgeber würde jemanden beschäftigen, der die Hälfte eines Jahres krankgeschrieben ist und bei dem man nie weiß, ob er kommt und wie er drauf ist...

Dieser Druck, im System bestehen zu müssen trotz meiner immer noch unberechenbaren Krankheit macht mich fertig. Ich habe oft Todeswunschgedanken, allein schon wegen dieser Problematik.

Im Moment stecke ich seit fast 3 Monaten wieder in einer Depression und quäle mich durch den Alltag. Ich habe jeden Tag das Gefühl, ich kann einfach nicht mehr. Gestern beim Treppensteigen hatte ich kurz das Gefühl, einfach ohnmächtig zu werden und auf den Stufen liegenzubleiben, habe mich dann aber gezwungen, weiterzugehen. Ich zwinge mich zu allem, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Erfahrungsgemäß wache ich eines Morgens auf und die Depression ist schlagartig weg für eine begrenzte Zeit und alles läuft wieder, aber diesmal dauert es wieder unheimlich lange und ich frage mich, wie das perspektivisch nur weitergehen soll.

Mein Arbeitgeber weiß nichts von meiner Krankheit und ich möchte auch, dass das so bleibt, denn ich arbeite im sozialen Bereich und habe enorm Angst davor, dass man mir die Verantwortung (berechtigsterweise) nicht mehr zutraut in dem Wissen um meine Krankheit, und mich kündigt. Wenn ich mir nur vorstelle, die Kollegen und Chefs wüssten davon, ich würde mich da nicht mehr hintrauen, die Gerüchteküche würde förmlich explodieren.

Meine Frage an euch: Wie löst ihr die Vereinbarkeit von Arbeit und Krankheit? Was würdet ihr mir in meinem Fall raten?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.08.21 12:16.
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NeverEndingStory 750 24. 08. 2021 12:16

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Alicia 247 24. 08. 2021 12:59

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Ninifee 176 26. 08. 2021 07:29

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soulvision 235 24. 08. 2021 13:51

manien nicht stark ausgeprägt

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FLYHIGH 160 25. 08. 2021 23:36

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zuma 163 25. 08. 2021 23:56

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FLYHIGH 206 24. 08. 2021 17:58

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Bipu 172 25. 08. 2021 22:31

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Tigger 137 07. 09. 2021 00:53



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