Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

03. 05. 2021 06:58
Es stimmt, dass man das so vielleicht nicht dagen kann. Es sind, wenn dann, nur subjektive Wahrnehmungen. Meine ist: Ohne Rapid Cycling wäre mir sehr viel lieber. In meiner Jugen war es wohl nur "Rapid" d.h. es kam viel seltener vor. Kann mich oft erinnern, ich hatte voll Bock wegzugehen, Party zu machen. Nach einer Weile, mittem im Trouble war es irgendwie so, als sackt das ganze Blut vom Kopf in die Fuße. Ich wollte eigentlich nur noch weg, der Trouble war für mich auf einmal die Hölle. Aber das war damals, Gottseidank, nicht allzuoft der Fall.

Mit den Jahren, vorallem jetzt, hat es sich zum Ultradian Cycling entwickelt. Ich weiß nie, wenn ich schalfen gehe, wer dann da morgen aufwacht. Schlimm ist es oft in der früh aber eben auch umgekehrt. Ich steh in der früh voll "normal" oder sogar happy auf. Freu mich auf den Tag und später gehts wieder bergab. Genauso umgekehrt. Es ist nicht JEDEN Tag so, was es nicht unbedinkt besser macht.

Die Folge:
Ich kann eigentlich nichts planen. Hatten mal einen Urlaub gebucht. Einen Tag vorher gings mir wieder so schlecht, dass wir nicht fliegen konnten. Mache ich Montag für Freitag ein Treffen aus, sag ich öfters ab. Mein Leben habe ich dem anpassen müssen. Wie es so bei uns ist, war ich ein Überflieger in der Arbeit. Habe sehr schnell Karriere gemacht, sehr schnell sehr viel verdient. Nach ein paar Jahren wurde das aber immer schlimmer und da habe ich gemerkt, wie man eigentlich "verbrannt" wird. Bist du eine Weile nicht mehr so Leistungsstark, ja fällst du sogar öfters aus, dann wars das mit dem "Mitabeiter des Monats". Du bist schneller weg als du schauen kannst.

Ich musste mich Selbständig machen. Habe das Glück dass ich weiterhin sehr gut bezahlt werde aber ich arbeite vielleicht 16 - 20 Stunden in der Woche. Geht es in der fürh überhaupt nicht, dann verschiebe ich meine Termine. Das machen meine Kunden Gottseidank mit, da ich in Phasen, vorallem in der Hypomanie, in Rekordzeit Projecte umsetze und sehr gute Arbeit abgegebe. Zudem gibt es kaum Leute, die das machen bzw. sehr gut können. Das Geld reicht so, mir gehts nicht schlecht, aber im Vergleich zu früher bin ich eigentlich an der Armutsgrenze.

Das stört mich aber am wenigsten, aber nur so geht es bei mir. Habe mich halt der Krankheit anpassen müssen.

Wenn du "langsamere" Switche hast, dann ist es doch meistens so dass du 1-2 Wochen fertig bist oder nicht kannst. Das kann auch Monate gehen aber dann kommt, zumindest wars bei mir früher so, eine sehr lange Phase wo du "normal" läufst.

An Beziehung ist natürlich nicht zu denken bzw. funktonieren dich nicht. Ich hatte schon drei, bei allen drei war es für den Partner nicht möglich das ausszuhalten. Als es zuende ging, sagte mir jeder, es geht einfach nicht. Sie wissen nicht, wenn sie nachhause kommen, wer da wartet. Noch heute treibt es mir die Tränen in die Augen, was sie alles versucht haben. Ein schönes Abendessen, wenn ich nachhause kam, mit Kerzen und allen. Aber ich ging nur ins Bett, wenns noch einigermaßen ging brachte ich ein "Wow, das freut mich aber sehr!" heraus. Es war natürlich gelogen da ich da schon keine Freude mehr empfinden konnte.

Sie fragten mich immer, wer ich eigentlich bin? - Ich wünschte ich könnte das selber beantworten.

Diese ultrakrassen Tagesschwankungen habe ich jetzt seit 2 Jahren. In den zwei Jahren hatte ich aber auch ausgergewöhnlich viel Stress und war 6 Monate sehr schlimm Depressiv. Ich hoffe, dass es noch daran liegt und ich wieder zum normalen "rapid" zurückkehren kann. Damit konnte ich besser umgehen. Schlechte Tage gingen dann immer so 2-4 Tage. Ich habs einfach als "Erkältung" gesehen, die relativ schnell vorbei geht. Momentan kann ich das nicht mehr.

Aber ganz ehrlich: Teilweise habe ich wirklich das Gefühl ich werde total verrückt bzw. Wahnsinnig. Stabilisierer wie Lamotrigin nehme ich schon bis zum Maximum. Gefährlich ist es auch, dass ich mich nicht zu sehr darauf "versteife". D.h. dauernd in mich höre um abzuschätze wies laufen wird. Das ich mich da hineinsteigere. Das gelingt mir ab und an aber es macht mir oft genug eine Wahnsinnige Angst.

Was ich mich frage ist, da ich noch nie jemanden getroffen habe, der dass auch so krass hat, wie er das schafft. Ich habe, wie gesagt, wahnsinniges Glück. Ich kanns kompensieren, aber wenn man das nicht kann?

So bin ich fest der Überzeugung: Ulradian Rapic Cyling (mehrfach am Tag) hat mehr zerstörerischen Einfluss auf dein Leben und auf deinen Alltag.

Alles gute
Cosmo
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

Zora 591 20. 04. 2021 18:00

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

avenu 191 21. 04. 2021 09:08

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

Zora 136 22. 04. 2021 17:12

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

FLYHIGH 133 22. 04. 2021 17:54

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

SPITZMAUS 121 22. 04. 2021 20:27

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FLYHIGH 136 22. 04. 2021 20:55

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

Zora 111 23. 04. 2021 14:56

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

Cosmo81 58 03. 05. 2021 06:58

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

elsbeth 146 23. 04. 2021 18:47

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

Sasura 88 29. 04. 2021 22:55

Re: Wie erlebt man das selbst , wenn man rapid cycler ist?

elsbeth 95 30. 04. 2021 07:34



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