Bipolar mit und ohne Psychose

28. 01. 2021 14:32
Hallo,

der Text von Condor hat mich einmal mehr auf diese Fragestellung aufmerksam gemacht und ist für mich Anlass, daraus einen Thread zu machen.

Wenn man sich länger mit der Thematik befasst, könnte man auf die Idee kommen, dass der möglicherweise auffälligste Unterschied zwischen verschiedenen Personen mit der Diagnose Bipolar derjenige ist, dass manche psychotisch werden und andere eben nicht.

Bei mir z.B. hat es mit nicht-psychotischen Depressionen begonnen und gegen Verhalten, welches von Angehörigen als manisch empfunden wurde hat mein damaliger Arzt nicht einmal das Antidepressivum abgesetzt, geschweige denn ein Antipsychotikum verordnet.

Andererseits: Als ich einmal einer Ärztin, die ich zum erstenmal sah, in den fünf Minuten, die sie Zeit hatte, sagte: "Ich glaube, ich werde nie wieder Sex haben" verschrieb sie mir Olanzapin. Ich nahm das ein paar Tage und verspürte die Wirkung als unangebracht - Gedankenflucht und verstärkte Unruhe waren die Hauptsymptome. Die Depression veränderte sich nicht.

Das ist meine ganze Erfahrung mit Antipsychotika. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn ich Quetiapin bekommen hätte, denn das scheint ja stärker beruhigend zu wirken.

Später fand ich dann mit Lithium und Paroxetin zu der Kombination, die einen netten Menschen aus mir macht (nicht, wenn man meine Frau fragt;-)). Und so kann ich mich also weiterhin für einen völlig Psychose-freien Bipolaren halten.

Meine Mutter hingegen, von der ich meine Krankheit nun einmal geerbt haben dürfte (ihr Vater starb durch Suizid, kurz nachdem er sein siebtes Kind gezeugt hatte), während mir väterlicherseits keine derartigen Geschichten bekannt wurden, wurde seit meiner Geburt, als ihre Krankheit begann, bis zu ca. ihrem 60. Lebensjahr nie auf etwas anderes behandelt als auf "Schizophrenie", also Psychose. Und ich muss dazu sagen, dass weder ich noch mein Vater bei ihr jemals eindeutige psychotische Symptome wahrgenommen haben. Sie hörte keine Stimmen, äußerte keine skurrilen Ideen, und wenn es zur Krise kam, legte sie sich mit offenen Augen irgendwo hin und reagierte nicht mehr auf Ansprache.

Dann erst begann man, ihr zusätzlich zu den bisherigen zwei oder drei Neuroleptika noch Lithium und Carbamazepin zu geben, und sie hatte damit die längste Periode außerhalb von psychiatrischen Einrichtungen überhaupt. Dann setzte jemand das Lithium ab, und sie versank praktisch augenblicklich in Demenz, die anhielt, bis sie sich nach einem Heimwechsel zu Tode hungerte (heutzutage hätte man ja vielleicht auch ein paar Coronavirus-Trümmer in ihrem Speichel gefunden).

Mich würden Eure Gedanken und Erfahrungen zum Thema "Bipolar mit und ohne Psychose" sehr interessieren.

Vielen Dank,
Roquentin
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Bipolar mit und ohne Psychose

Roquentin 546 28. 01. 2021 14:32

Re: Bipolar mit und ohne Psychose

SearchMyself 189 28. 01. 2021 15:07

Re: Bipolar mit und ohne Psychose

Turicum 137 29. 01. 2021 14:50

Re: Bipolar mit und ohne Psychose

FLYHIGH 150 29. 01. 2021 16:12

Re: Bipolar mit und ohne Psychose

Rhoda Nid 172 01. 02. 2021 04:33

Re: Bipolar mit und ohne Psychose

Katharina 47 105 11. 02. 2021 18:47



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