Hallo, ich bin der neue ...

11. 01. 2021 07:50
... und ich möchte gern meine Geschichte erzählen. Ich versuch mal die Vorgeschichte so gut es geht zusammen zu raffen.

Ich habe meine Frau vor knapp 8 Jahren kennen gelernt, sie hatte bereits zwei Kinder (damals so etwa 10 und 12 Jahre alt), lebte getrennt von Ihrem Mann und praktizierte mit den Kindern ein Wechselmodell (eine Woche die Kids bei ihr und eine Woche bei ihm).

Bei uns hat es gleich gezündet und mein Wunsch nach Familie war derart stark, dass es nicht lange dauerte und sie war schwanger. Die Nachricht hatte mich überrumpelt und mir war eins klar: auch wenn ich sie noch nicht genug kennen würde, ich würde für das Kind da sein. Allerdings teilte sie mir damals auch mit, dass Sie in einer psychatrischen Behandlung sein (nicht konkret welche), die sie aufgrund der Schwangerschaft leider abbrechen müsste, des Kindeswohls wegen. Ich dachte mir damals es sei etwas therapeutisches um mit Ihrer Vergangenheit abzuschliessen (sie hatte ein sehr schlechtes verhältnis zu ihrer Mutter, die sie ihrer Aussage nach sogar für 1 Jahr in ein Heim gesteckt hatte).

Kurz vor der Entbindung unserer ersten Tochter sind wir zusammen gezogen. Die anderen beiden Kinder immer noch im Wechselmodell bei uns (vorerst), später dann zog die eine Tochter fest zum Vater und die andere blieb fest bei uns.

Das Vater werden hat mich sehr verändert, vom jugendlich naivem Single zum Familienvater, es war wie ein Schlag der mich getroffen hat (zum positiven). Es dauerte auch gar nicht lange, da war sie wieder schwanger und nur reichlich 1 Jahr später kamen Zwillinge zur Welt.

Die Jahre waren ein ziemliches hoch und runter und natürlich begleitet von Vorwürfen / stressigen Momenten / alles was eben bei einer so jungen und mittlerweile gewachsenen Großfamilie teilweise normal ist. Ich merkte damals ganz gravierende Stimmungsschwankungen bei meiner Frau und da ich selbst ein sehr Harmoniesüchtiger Mensch bin (und aus der Trennung meiner Eltern meine Erfahrungen gesammelt habe, obgleich sich beide SEHR viel Mühe gegeben haben und das beste daraus gemacht haben) habe ich zwangsläufig versucht, ihr das Leben "schön" zu machen ... sie aufzumuntern, mit Humor, mit kleinen Geschenken, mit all dem Drum und Dran.

Dann kam vor etwa 3 Jahren der Wunsch auf nach einem eigenen Häuschen. Wir haben in der Nähe meiner alten Heimatstadt dann ein "sanierungsbedürftiges" Häuschen gefunden, mit viel Grundstück und viel zu tun. Aber da ich handwerklich nicht ganz unbegabt bin, dachte ich: wir schaffen das schon.

Schon die ersten Arbeitseinsätze zeigten den Elan und die von Ihr ausstrahlende Kraft und Ideenreichtum den sie in das Haus mit einbrachte. Wir haben wirklich viel zusammen am Haus gearbeitet.

Leider litt während der gesamten Zeit unsere Beziehung etwas darunter. Durch die Kids haben wir von Anfang an nicht in den selben Betten geschlafen, sondern sie wahlweise bei unserer "größeren" Tochter und ich bei den Zwillingen oder umgekehrt. Wir hatten teilweise nur sehr wenig Zeit für uns und ich habe dabei sicherlich auch ettliche Fehler gemacht.

Ende 2019 dann hatte sie sich zu einer Mutter-Kind-Kur angemeldet und hat auch sehr zügig eine bekommen. Sie ist also mit allen 3 Kindern in einen Kurort etwa 200km entfernt von uns gegangen für zunächst 3 Wochen. Kurz zuvor erklärte Sie mir noch, wie "kaputt" unsere Beziehung sei und was ich alles falsch gemacht hätte und ich solle doch darüber nachdenken.

Beim ersten Besuch am Wochenende in der Kur eröffnete sie mir dann, dass Sie Abstand bräuchte, dass sie mir nicht mehr vertrauen würde und unsere Beziehung kaum noch zu retten sein.

Ich fühlte mich wie ein bisschen vor den Kopf geschlagen und musste viel in der Zeit reflektieren. Die Besuche am Wochenende wurden nicht wirklich besser, aber uns beide vereint immer noch ein Gedanke: die Kinder und dass sowohl das Haus als auch die Kinder zusammen eine Mammut-Aufgabe ist, die einer von uns beiden nicht allein bewältigen kann.

Zu dieser Zeit begann ich über die Symptome nachzuforschen, die Sie so an den Tag legte und stolperte über "Schizophrenie" als auch "Bipolare Störungen". Ich begann also diverse Dokumentationen zu sehen und die damit verbundenen Problem / Symptome / etc. Ich habe in meiner wenigen Freizeit auch versucht, an Informationen zu kommen und begann mich damit auseinander zu setzen, da ich bereits merkte, dass auch die Kinder (sie sind jetzt im Alter von 5 und 6) auf die Veränderungen reagierten.

Meine Frau und ich haben dann zu Beginn des bösen C aufgehört zu reden, nur hin und wieder mal, was meist dann aber in Ablehnung ihrerseits gipfelte. Sie zog sich immer mehr von mir zurück, vertraute mir nicht mehr. Im Grunde blieben wir nur noch zusammen der Kinder wegen. Aus meiner Angst als Trennungskind wollte ich so etwas meinen Kindern immer ersparen und habe mir gesagt: ich kann alles ertragen und alles aushalten, wenn ich damit nur meine Kinder schützen kann.

Den Sommer über habe ich die Sache dann kaum noch verfolgt, es gab zwar immer wieder Vorkommnisse aber es ging im Grunde doch relativ gut. Gegen Ende des Jahres haben sich allerdings zwei Sachen ereignet, die das ganze wieder haben aufrollen lassen. Die zweite Tochter von meiner Frau hat sich selbst in psychologische Betreuung gegeben und hat mit mir später dann gesprochen. Sie meinte dass Sie von der Bipolaren Störung Ihrer Mutter wüsste und das hätte ganz viel bei Ihr in der Jungend zerstört und das versucht sie aktuell mit der Therapie zu ergründen und zu beheben. Auch muss ich dazu sagen, dass sich ihre beiden großen Kinder (aktuell 17 und 19) sehr von Ihrer Mutter zurück gezogen haben. Selbst zu Weihnachten haben sie nicht wirklich mit uns gesprochen.

Und am 2. Weihnachtsfeiertag war meine Schwester bei uns und hat abends lange mit meiner Frau gesprochen. In diesem Gespräch führte Sie gegenüber meiner Schwester aus, dass Sie a) von Ihrer Erkrankung selber wüsste und b) dass eben unsere Beziehung am Ende sei. Mit diesen Informationen habe ich begonnen zu reflektieren, was die letzten Jahre alles so passiert ist und habe festgestellt, dass ich immer in den Depressiven Phasen versucht habe sie irgendwie aufzumuntern und in den manischen Phasen ich irgendwie mitgeschwommen bin. Letztendendlich haben wir durch die manischen Phasen unglaublich viele Projekte gestemmt und dazu auch ettliche Begonnen aber nie fertig gestellt.

Nun habe ich jetzt feststellen müssen, dass auch in am Ende meiner Kräfte angelangt bin und versuche mich wieder mit dem Thema auseinander zu setzen. Was mir derzeit unglaublich schwer fällt ist einzuschätzen, wann Sie denn jetzt in einer Manie ist und wann in einer Depressiven Phase. Klar, wenn so eindeutige Zeichen vorhanden sind wie "Selbstmordgedanken" oder neuen Bauprojekte oder der Wunsch nach einem Pferd oder noch einem neuen Hund, dann ist das für mich eindeutig. Ich habe allerdings das Gefühl, dass Ihre Stimmung teilweise sich tagesweise ändern kann, von 100% hochjauchzend bishin zu zu-Tode-betrübt. In den schweren Depressiven Phasen hatte ich sogar Angst, sie alleine zu lassen oder noch schlimmer, alleine mit den Kids. Von Wutausbrüchen bishin zu Selbstmordgedanken war alles drin.

Daher bin ich nun hier gelandet und hoffe, dass ich hier noch etwas weiter Hilfe bekommen kann, ggf. ein paar Ratschläge. Der aktuelle Stand ist der, dass es mir unglaub schwer fällt mit Ihr darüber zu reden. Denn wann immer wir das Thema anschneiden, wird sie schnell zornig, wütend, vorwurfsvoll und am Ende ist sie dann schwer betrübt und traurig und redet von Auszug (sie will sich ein eigenes Haus kaufen). Im Grunde habe ich mich damit bereits abgefunden, würde aber gern die Kinder bei mir behalten und nicht zu ihr geben. Ich merke in den unterschiedlichen Phasen, wie sie bestimmte Dinge nicht macht oder aber besonders gut macht. Beispielsweise kann sie gerade sehr gut das ganze Thema Home-Schooling unter Dach und Fach bringen. Sie hat hier einen Elan an den Tag gelegt, der sehr bemerkenswert ist.

Seit etwa einem halben Jahr hat sie sich einen Job gesucht und findet in diesem eine Erfüllung und eine Anerkennung, die ich ihr vermutlich nicht so geben kann, wie sie es vielleicht braucht.

Aus Gesprächen mit Ihrer Tochter und teilweise auch von ihr selber habe ich erfahren, dass Sie sich definitiv nicht behandeln lassen möchte, da sie es nicht als Krankheit sieht und es kränkt sie, wenn ich Sie als "Kranke" bezeichne und ihr dies spiegele. Sie hat Angst davor, dass eine entsprechende Diagnose bzw. eine Therapie Ihr einen Stempel aufdrückt, den Sie in der Arbeitswelt nicht mehr los wird. Ferner habe ich erfahren, dass Sie damals, als ich sie kennen gelernt hatte, sie genau deshalb in Therapie war. Diese Therapie wurde jedoch aufgrund der Schwangerschaft abgebrochen. Sie glaubt, dass wenn Ihr überhaupt jemand helfen kann, dann überhaupt nur diese Therapeutin und keine andere. Leider ist diese durch unseren Umzug jetzt knappe 100km entfernt. Ich denke (und durch die Informationen hier im Forum ist das bestätigt worden) dass sie in ihrer manischen Phase überhaupt keinen Willen zeigt, hier etwas tun zu müssen. In den Depressiven schon eher, aber immer noch nicht vollumfänglich.

Was ich mir aktuell wünschen würde, und dafür würde ich die Kraft aufbringen wollen, vor allem Ihr und auch der Kinder zu liebe, dass wir darüber reden können und dass sie sich wieder für eine Therapie bereit machen würde. Ich würde ihr auch alle Zeit der Welt dafür geben. Nur ohne daran zu arbeiten, kann ich leider nicht weiter machen. Nun merke ich, dass auch ich Phasen durchlebe, in denen ich denke es ist alles sinnlos und die Hoffnung und die Kraft verliere. Manchmal ertappe ich mich, wie ich mit den Gedanken spiele, dass es besser für uns wäre, wenn sie ausziehen würde und ich und die Kinder hier bleiben würden (ob sie das zulassen würde, weiß ich nicht). Ich denke ich würde das schon hier schaffen, zumal ich auch viel Unterstützung von meiner Familie bekommen würde, die ich derzeit nicht zulassen kann, da sich meine Frau dann "gekränkt" fühlt, weil Ihr das den "sie schafft das ja nicht" Stempel aufdrücken würde.
Was ich allerdings geschafft habe ist, mittlerweile mit meinen Mitmenschen darüber reden zu können. Zum einen zu einer befreundeten Familie (die Kinder spielen immer gern zusammen), zum anderen mit meinem Vater, zum dritten mit meiner Schwester wie auch mit der jüngeren Tochter meiner Frau.

Aktuell arbeite ich gegen den Ratschlag Aufgaben, die ausschliesslich für Sie bestimmt sind, ihr nicht mehr abzunehmen, sondern ich versuche mich um alles hier zu kümmern. In Hinblick auf eine ggf. aufkommende Entscheidung hinsichtlich des "würde ich das hier mit 3 Kindern auch schaffen", einfach um ihr das zu beweisen. Ob das der richtige Ansatz ist, weiß ich nicht. Aber seitdem ich das mache geht es ihr zwischenzeitlich wieder richtig gut. Die schnell wechselnden Stimmungen sind verschwunden (obglich das auch nur daraus resultieren kann, dass Sie mir nichts mehr von Ihr erzählt) und eine mehr-wöchige Grundstimmung ist vorhanden.

Ich bin teilweise so verwirrt und unsicher, was ich machen soll. Ich bin mir uneins ob mein Weg der richtige ist, ob ich es schaffe jemals mit ihr vernünftig darüber zu reden, ob ich sie (ggf. zusammen mit Ihrer Tochter) dazu bewegen kann sich wieder mit dem Gedanken einer Therapie auseinander zu setzen, ob der Gedanke sie ziehen zu lassen nicht vielleicht doch der bessere ist. Ich weiß es einfach nicht, auch hier schwanken meine Gedanken und Empfindungen meist von Tag zu Tag. Nur eins weiß ich mit Sicherheit: so kanns nicht weiter gehen.

mit freundlichen Grüßen
kruemeltee
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Hallo, ich bin der neue ...

kruemeltee 382 11. 01. 2021 07:50

Re: Hallo, ich bin der neue ...

downtoearthguy 108 11. 01. 2021 12:00

Re: Hallo, ich bin der neue ...

kruemeltee 111 11. 01. 2021 12:30

Re: Hallo, ich bin der neue ...

downtoearthguy 76 12. 01. 2021 10:47

Re: Hallo, ich bin der neue ...

kruemeltee 48 12. 01. 2021 20:33

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Milla 89 11. 01. 2021 12:16

Re: Hallo, ich bin der neue ...

kruemeltee 61 11. 01. 2021 21:23

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Heike 97 11. 01. 2021 12:20

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kruemeltee 82 11. 01. 2021 21:27

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kinswoman 99 11. 01. 2021 22:19

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kruemeltee 75 12. 01. 2021 20:43

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soulvision 83 12. 01. 2021 22:14

Re: Hallo, ich bin der neue ...

Turicum 68 13. 01. 2021 15:18



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