Re: Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

22. 11. 2020 16:10
Hallo, gute Frage!

also ich kenne das auch zur Genüge. Und ich muss zudem auch aufpassen, dass ich mich nicht selbst unnötig antreibe und beschimpfe, weil es mir nicht leicht fällt, zu akzeptieren, dass ich weniger leistungsfähig als Gesunde und schneller erschöpft bin.

Besonders ärgerlich finde ich, wenn gut verdienende Gesunde auf mich herabschauen, weil ich sehr lange krankgeschrieben und inzwischen arbeitslos und angeblich „nur arbeitsscheu“ bin und „es mir nur auf Kosten der Gesellschaft gut gehen lassen möchte“. Dass es sich nicht gut anfühlt z. B. monatelang gegen eine Depression anzukämpfen, verstehen und sehen viele Menschen nicht. Auch nicht, dass es keinen Spaß bringt wegen chronischer Erkrankung arm zu sein. Wie auch? Man muss es Ihnen erklären, wie es sich anfühlt. Manchmal mache ich mir tatsächlich die Mühe. Bei Menschen, die mir wichtig sind. Mitunter sind diese dann sehr betroffen und auch dankbar, dass ich mit meiner Offenheit für Verständnis gesorgt habe.

Allerdings sind Akzeptanz und Toleranz keine Einbahnstraße, und so wie du über deine Vorgesetzte denkst und hier schreibst, ist auch nicht wirklich wohlwollend. Das wirst du möglicherweise unbewusst ausstrahlen, was nicht unbedingt zur Verbesserung deiner Position beitragen wird. Ein offenes Gespräch wäre stattdessen hilfreicher. Falls du eine Schwerbehinderung hast oder gleichgestellt bist, könntest du dabei vielleicht den Schwerbehindertenbeauftragten als Unterstützung hinzuziehen.

Ich fahre meistens ganz gut damit, gedanklich die Perspektive zu wechseln und mir vorzustellen, was ich denken würde, wenn ich der andere wäre und warum. Dann tut es weniger weh, unfair behandelt zu werden. Vorurteile basieren vor allem auf Unwissen und dagegen können wir Betroffenen schon einiges tun. Allerdings braucht es viel Mut und Vertrauen, sich öffentlich zu einer psychischen Krankheit zu bekennen. Ich persönlich schäme mich leider nach wie vor dafür, obwohl ich schon seit. 25 Jahren mit der Diagnose der bipolaren Erkrankung und einer PBTS lebe.

Viele Grüße und alles Gute!
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Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

stairway-to-heaven 808 17. 11. 2020 13:51

Re: Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

Wesker 202 17. 11. 2020 15:15

Re: Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

FLYHIGH 206 17. 11. 2020 15:38

Re: Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

SearchMyself 185 20. 11. 2020 09:57

Re: Inakzeptanz und Ignoranz im sozialen Umfeld

stairway-to-heaven 161 21. 11. 2020 13:36

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dry 169 21. 11. 2020 17:08

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hummelchen 130 22. 11. 2020 16:10

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downtoearthguy 125 22. 11. 2020 13:55

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calypso 143 22. 11. 2020 19:25

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maniac23 103 25. 11. 2020 16:59

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stairway-to-heaven 201 25. 11. 2020 18:41



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