Re: DRAMA

28. 11. 2020 13:25

Hallo Dauphine,

du schreibst in einem anderen Posting, dass du das Zitieren noch üben musst. Hier ein kleiner Tipp, wenn du einen Beitrag liest, siehst du unterhalb des Textes einerseits "Antworten" und gleich daneben "zitieren". Wenn du auf "Zitieren" klickst, wird der gesamte Text in dein Antwortbereich hineinkopiert und du kannst dann die Textpassagen löschen, die du nicht brauchst und die anderen stehen lasse, auf die du dich beziehen möchtest. Ich selber benutze dann eine andere Farbe, um die Antworten sichtbar zu machen.




> Keine Ahnung wie das mit meiner Mutter war. Meine
> Mutter war einer sehr fleißige ja sogar perfekte
> Hausfrau und ich war das erste Kind. Kann schon
> sein, dass ich mir bisweilen mehr Zuwendung von
> ihr gewünscht hätte. Sie benutzte einen
> Laufstall für mich. Hätte als kleines Kind auch
> öfter von mir gegeben, dass ich so allein sei.
> Das wusste meine Mutter zu berichten. Sie hat das
> jedoch nicht weiter analysiert sondern so
> kommentiert, dass dann halt ein Geschwisterchen
> die Lösung war. Meine Schwester ist 4 1/2 Jahre
> jünger als ich.
>
> Kann mir vorstellen, dass er mit meiner
> Objektstabilität zu wünschen übrig lässt. Eine
> Erklärung, warum ich es alleine mit mir nicht so
> gut aushalte.


Vom deinem möglichen Alter her würde ich schätzen, dass deine Eltern auch eher aus der Kriegskindergeneration stammt und erst in den letzten Jahren wird mehr und mehr bekannt, wie das Kriegstrauma auf die nachfolgenden Generationen Auswirkungen hat. Gefühlskälte, bzw. teils eine Unfähigkeit eine Nähe aufzubauen zu dem eigenen Nachwuchs, wird von vielen berichtet.

Und wir Kriegsenkel tragen noch viel von diesen Traumen in uns und möglicherweise erklärt es einige Verhaltensweisen, Gefühle und Schwierigkeiten, die wir haben, bis hin zu psychischen Problemen.

Auf der einen Seite hat es eine Versöhnende Wirkung zu wissen, warum man sich eben so entwickelt hat, aber auf der anderen Seite entbindet es einen nicht, das Leben, also das Hier und Jetzt zu betrachten und zu überlegen, wie man jetzt damit klar kommen möchte.


>
> Alleinsein, wie gut hält man das aus. Wie gut
> haltet ihr das aus ?
>
> mit dringender Arbeit muss sein.
>
> Aber ohne diese Dringlichkeit, wenn die Freiheit
> daist, zu tun, was man will, wenn gerade kein
> Telefon klingelt (klingelt seit WhatsApp sowieso
> nurnoch von Eltern, Schwester und
> Geschäftssachen.)
>
> Also wenn ich das Nötigste im Haushalt gemacht
> habe, aufgeräumt, Wäsche aufgehängt, gespült,
> Putzen kann warten
>
> Was mache ich dann ?
> .......Hobby ?
> .......Lesen ? Film ?
> .......Tagebuch ?
>
> es mit mir selbst aushalten, fällt mir bisweilen
> ungemein schwer.


Mal abgesehen von einer depressiven Phase, wo einem sowieso alles sehr schwer fällt und das Selbstbewusstsein angeschlagen ist, hängt das "Aushalten mit sich selbst" nach meiner Meinung auch mit seiner eigenen empfundenen Sinnhaftigkeit zusammen.

Je mehr Sinn ich empfinden kann, mit dem was ich tue und erlebe, desto leichter fällt es mir, mich selber auszuhalten. Sinn zu empfinden, in dem was ich tue aber auch generell einen Sinn im Leben zu empfinden, was durchaus auch spiritueller Sinn bedeuten kann, aber nicht muss.

Wie siehst du dich und empfindest du dich, wenn du dich als geerdet wahrnimmst?



> Wenn meine beiden Lieben nicht zu Hause sind, und
> ich mir keinen Treff mit Freundinnen organisiert
> habe.....meistens geht das nicht, weil es zu
> plötzlich ist, dass ich allein bin. Geht nicht
> besser zu planen.
> Manchmal versuch ich natürlich etwas anzubahnen.
> Jeder ist eingebunden in den eigenen Alltag und
> das persönliche Umfeld.
> Und dann gibt es doch öfter Nachmittage, Abende
> an den ich alleine zu Hause rumhocke......Kennt
> ihr alle......beste Zeit fürs Forum (lachen ohne
> Laut)....und dann in dieser Zeit von"wir bleiben
> zu Hause" um uns und andere zu schützen.........
>
>
> Wir haben keinen Fernseher, Netflix ist auch nix
> für mich, You Tube kann ich mir auch nur bedingt
> reinziehen. Wenn ich einigermaßen gut drauf bin,
> also nicht unterm Lebel bin, nicht depressiv bin,
> dann kann ich telefonieren. Das bringt mich dann
> auch besser drauf. Habe das früher so gesehen,
> dass ich Kontakthalten muss zu Menschen.....
>
> Nun habe ich diese Idee, dass es ein Mangel an
> Objektstabilität ist.
>
> Wenn ich alleine zu Hause bin, fällt es mir
> schwer, mich an meine Lieblingsbeschäftigungen zu
> setzen.
> Kein Malen, kein Handarbeiten,
>
> Objektstabilität......habt ihr damit Erfahrung ?


Für mich ist die Frage, fällt es dir schwer, weil du zur Zeit eher in einer depressiven oder mischigen Phase bist oder würde dir das generell schwer fallen, also auch dann, wenn du dich eher als stabil wahrnehmen würdest?

Im Ersteren ist der Grund wahrscheinlich eher in der Phase zu sehen, ein Symptom. Im zweiten Fall wäre es tatsächlich interessant, das therapeutisch mal zu Hinterfragen und zu schauen, wie du zu dir persönlich eine andere Einstellung und Meinung hinbekommen könntest. Und natürlich gibt es auch noch die Möglichkeit, dass es generell so ist und in einer Phase nur noch wesentlich stärker ausgeprägt.



>
>
> Früher, als mein Mann noch nicht so viel zu Hause
> war vormittags, da habe ich mich wieder ins Bett
> gelegt vor Müdigkeit und Depression, wenn das
> Kind zur Schule war. Nochmal ne Stunde. Danach
> gings mir dann so richtig schlecht, aber der Druck
> der Hausarbeit war dann groß genug, dass ich mich
> berappelt habe. Irgendwann durch den Hinweis einer
> Freundin habe ich begonnen mich an meine Malerei
> zu setzen vor der Hausarbeit. Das half mir auch
> sehr......Jetzt ist ein Mann viel zu Hause
> vormittags. Das Rentnerdasein ist fast schon
> greifbar. Der beginnende Tag strukturierter.
> Leider komme ich weniger zum Malen......Abends bin
> ich zu müde. ......Will es schaffen, wenigstens
> 1,2 besser noch dreimal in der Woche. .......Es
> tut mir gut. Wie Therapie. Bisweilen kann ich aus
> den Gemälden etwas ablesen, wo ich stehe.....

Etwas zu finden, was zu einem passt und worin man einen Sinn sehen kann, ist gleichzeitig ein Motivator irgend etwas zu tun. Also auch hier wieder ein Empfinden von Sinnhaftigkeit, was natürlich in der Depression schwerer zu finden, aber nicht unmöglich ist.



>
> Mein Mann meint, ich würde mich zu sehr mit mir
> selbst beschäftigen. Kann er gut sagen. Er kennt
> meine Zustände nur von außen. Wenn ich mich
> nicht ausbalanciere, ich wüsste nicht wie ich den
> Haushalt schaffen würde. Meine Mutter hat früher
> immer gesagt, als ich als Adoleszente mit
> Depressionen zu Hause rumsaß, dir fehlt Arbeit.
> Klar. Arbeit strukturiert den Tag, vor allem wenn
> es fremdbestimmte Arbeit ist. Fehlt mir
> Fremdbestimmung. Hilfe....bitte nicht noch mehr
> davon......Hab mal gelesen, wer sich nicht selbst
> befiehlt, dem muss befohlen werden. ....Da hatte
> ich es wieder, meine Minderwertigkeit, dachte es
> fehle mir an Selbstdisziplin......Oh, diese nicht
> weiterhelfenden Sätze aus der Kiste der
> menschlichen Klugsätze.....

Nun, ich bin der Auffassung, wenn (egal ob psychisch stabil oder eher nicht) jemand eine Arbeit nur des Arbeitswillen und des Broterwerbs macht, früher oder später an der Sinnhaftigkeit zweifelt und dann auch die Motivation verloren geht. Es gibt schon zu viele, die innerlich gekündigt haben und nur noch mehr anwesend sind und Dienst nach Vorschrift leisten. Glücklich werden sie wohl eher nicht sein.

Aber es gibt auch Aufgaben, die man für sich findet, bei denen man wachsen kann, die man für sich sinnvoll empfindet und das Selbstwertgefühl nähren. Man muss deshalb nicht voll berufstätig sein, man kann auch einen Minijob machen in einem Bereich, der zu einem passt. Oder man engagiert sich ehrenamtlich.

Für mich ist meine kleine Arbeit auch ein Stabilisierungsanker, ein Strukturgeber, ein sozialer Aspekt und ich erlebe dort auch Wertschätzung.



>
> Es ist schon spät genug. Eigentlich könnte ich
> nun den Tag abschließen.
> Aber irgendetwas möchte ich noch etwas erreichen
> oder einsammeln. Es ist das Problem auch des
> Loslassens. Die Angst vor der Schlaflosigkeit in
> der Nacht. Wunsch nach Kontakt.
>
> Nachher kommen meine Lieben. Es kann sein, dass
> wir nur ein zwei Worte wechseln. Als ob wir uns
> nichts zu sagen haben, jeder lebt nebeneinander
> her. Und das heißt Familie..........könnte da
> jetzt weiterspinnen, aber das hebe ich mir für
> ein andermal auf.......
>

Solch ein Zustand ist bestimmt schwer und es ist schade, dass dort die Kommunikation nicht klappt. Es kann aber auch eine Überforderung deiner Liebsten sein, die einfach nicht wissen, wie sie mit den Stimmungen umgehen sollen. Aber Totschweigen hat auch noch niemanden weiter gebracht.



> Zum Glück kann ich seit zwei Nächten wieder
> besser schlafen.
> Hatte auch mehr Ruhe, das Alleinsein bringt es mit
> sich.
>
> Genug, wer will das alles lesen ?
>
> In Verbundenheit
> Eure DAuphine
>
>
> P.S. bitte schreibt, wies euch damit geht, was
> euch auffällt........wo habt ihr fragen, möchtet
> ihr mehr kennenlernen von den Stationen


Ich wünsche Dir, dass du deine Mitte irgendwie wieder finden kannst und das es Euch gelingt irgendwie wieder zusammen zu finden.

Viele Grüße Heike


------------------ Signatur --------------------------

Ich bin ein Mensch mit vielen Farben und Facetten zeitweise unterbrochen durch unipolar depressiven Phasen, im MD-Forum schon seit 2002 vertreten.

"Recovery zielt nicht auf ein Endprodukt oder ein Resultat. Es bedeutet nicht, dass man ›geheilt‹ oder einfach stabil ist. Recovery beinhaltet eine Wandlung des Selbst, bei der einerseits die eigenen Grenzen akzeptiert werden und andererseits eine ganze Welt voller neuer Möglichkeiten entdeckt wird. Dies ist das Paradoxe an Recovery: Beim Akzeptieren dessen, was wir nicht tun oder sein können, beginnen wir zu entdecken, wer wir sein können und was wir tun können" (Patricia Deegan 1996).
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Dauphine 119 10. 12. 2020 12:31

Scheidungsdrohung, wie bereite ich mich vor ?

Dauphine 115 17. 12. 2020 19:17

Re: DRAMA

Roquentin 166 18. 12. 2020 01:39

Leben geht weiter

Dauphine 84 28. 12. 2020 01:09

Wer bin ich und wenn ja wieviele?

Heike 107 28. 12. 2020 12:08

O tempora, o mores .....Küchengeklapper

Dauphine 78 30. 12. 2020 09:32

Re: O tempora, o mores .....Küchengeklapper

Milla 71 30. 12. 2020 09:40

Re: O tempora, o mores .....Küchengeklapper

kinswoman 83 30. 12. 2020 10:09

Ach du grüne Neune

Dauphine 162 30. 12. 2020 16:55

Re: DRAMA

Dauphine 60 30. 12. 2020 16:25



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