Schwierigkeiten/Verwirrung rund um Diagnose

14. 10. 2020 22:02
Hallo ihr Lieben,

Ich bin gerade neu in diesem Forum. Toll, dass es so eine Austauschplattform gibt!

Kurz zu mir, ich bin Linde, 31 Jahre alt und ich wohne schon 10 Jahre in den Niederlanden, wo ich momentan noch ein zweites Studium mache. Diesen Sommer habe ich die (vorläufige) Diagnose Bipolare Störung bekommen. Erst nahm ich es auf die leichte Schulter, aber jetzt bin ich komplett überwältigt von der Tatsache, dass ich angeblich eine chronische psychische Krankheit haben soll..?

Ich weiß zwar, dass ich in den letzten zehn Jahren mindestens fünf mal depressiv gewesen bin mit zunehmendem Ernst, aber doch bin ich jedes Mal fest davon überzeugt, dass es nun wirklich das letzte Mal war und dass ich mich bestimmt nie wieder so fühlen werde.
......Bis ich letzten Monat plötzlich komplett verwirrt war, Todesängste ausgestanden habe weil ich dachte, dass mein langjähriger Partner mich geisteskrank mache und mir nur Schlechtes wolle, und ich deswegen noch meine komplette Familie angerufen habe und die ganze Geschichte erzählt habe, inklusive aller möglicher Details, die mein 'normales Ich' niemals erzählt hätte. Mein Partner hat sich dazu auch noch nicht mehr so sicher gefühlt in meiner Nähe da meine Körperhaltung tagelang aggressiv war..
Kurz vor dieser letzten Episode war es mir übrigens einige Wochen blendend gegangen und ich erinnere mich unter anderem einen Abend, dass ich auf dem Weg nach Hause von der Uni mit meinem Fahrrad durch die Felder fuhr, das Steuer losließ und mit beiden Händen durch mein Haar fuhr, und komplett in der Musik, die aus meinem Kopfhörer kam, und allen Gerüchen aufging. Für mich ist es schwer zu sehen, dass dies Teil einer Krankheit sein soll. Und nun soll dies alles nicht richtig sein?? Bis jetzt dachte ich, dass jeder Mensch ein solches Glück erfährt mit regelmäßiger Frequenz.. Und es fühlte sich auch irgendwie immer so logisch an, als ob meine Gefühle doch zu tun hätten mit dem was so alles in meinem Leben passierte.

Auf der anderen Seite kann ich auch nicht weiterhin behaupten, dass alles in Ordnung ist. Ich habe dieses Mal tatsächlich Schaden angerichtet mit meinen idiotischen beängstigenden Ideen, und nun muss ich auch noch meiner Familie erzählen, dass ich psychisch krank bin obwohl ich all meine Probleme immer geheimgehalten habe die letzten Jahre und das auch lieber so gehalten hätte. Wie soll ich ihnen bloß erzählen was los ist? Bin ich überhaupt krank? Oder nur ein Teil von mir?
Wie seht ihr das? Seht ihr euch selber als krank?
Und wer bin ich nun eigentlich? Unsicher und zurück gezogen? Oder doch extrovertiert, selbstbewusst und impulsiv?
Und wo soll das eigentlich hingehen?? Kann ich mit noch mehr Verschlechterung rechnen wenn ich keine Medikamente nehme? Bis jetzt stehe ich dem eher nicht so positiv gegenüber... Wie hat sich die Störung bei euch entwickelt über die Jahre?

Tut mir Leid, es ist alles ein bisschen vom Hölzchen aufs Stöckchen. Aber ich bin irgendwie verwirrt..

Einen lieben Gruss aus den Niederlanden

Linde

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Schwierigkeiten/Verwirrung rund um Diagnose

Linde. 304 14. 10. 2020 22:02

Re: Schwierigkeiten/Verwirrung rund um Diagnose

Lichtblick 106 16. 10. 2020 20:13

Re: Schwierigkeiten/Verwirrung rund um Diagnose

roobb 123 17. 10. 2020 02:57



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