Sehr "delikate" Frage zu Venlafaxyn

10. 02. 2020 18:15
Hallo!

habe eine sehr "Delikate" Frage in Bezug auf Venlafxyn. Es geht um was sexuelles.
Ich habe vor drei Monaten versucht von Venlafaxyn weg zu kommen. 1) wegen den Lieferschwierigkeiten aber hauptsächlich sah ich das als Auslöser das Zeug ganz abzusetzen denn die sexuelle Nebenwirkung war jetzt nach 5 Jahren fast schon unerträglich. Stecke da in einem Dilemma und möchte gern wissen, ob das manche Männer auch haben oder ob es doch vielleicht noch eine andere Ursache hat.

Ist wie gesagt um eine sexuelle Funktionsstörung und daher nicht jedermans Sache. Gerne auch in Privatnachrichten aber ich weiß nicht wen ich da noch fragen soll. Irgendwie kann das keiner (auch meine Therapeutin) nicht nachvollziehen.

Also:
Nach ein paar Jahren wurde hab ich mich ziemlich gut auf Citalopram eingeschossen. Hatte damit (wie eben jetzt ständig) Orgasmusstörungen. Kein Libido Verlust und auch sonst nichts anderes (also auch keine Erregtionsprobleme). Damals verschwand das nach 2-3 Monaten auch wieder. Es wurde zwar "schwieriger" heist, dauerte "etwas" länger aber sonst alles ok. 4 Jahre später war dann mein erster Klinikaufenthalt weil es ziemlich schnell nach unten ging. Die Ärtzte vermuteten einen "Gewöhnungseffekt" am Citalopram was anscheinend nicht ungewöhnlich ist. Es kam dann raus und langsam wurde Venlafaxyn eingeschlichen, was einschlug wie eine Bobme. Zwar nicht sofort dafür umso merklicher nach 2-3 Monaten. Optimale Dosis war dann bei 150mg später dann teilweise bei 225mg.

Dann, nach einer Odysee die ein Jahr dauerte (2x in die Klink), Verlust meiner Firma, tot meines Freundes etc. war ich am längsten (8 Monate) in der Klinik. So lang wie nie zuvor. Lithium vertrug ich nich aus früheren "Tests" nicht, Citalopram wirkte nicht mehr und dann wurde alles mögliche ausprobiert. Aus Erfahrung brachte ich Geduldt mit aber das so gar keine Besserung auch nach Monate eintrat zermürbte unendlich. So richtig wussten die Ärzte dann auch nicht mehr weiter. In meiner Verzweiflung erinnerte ich mich an das Citalopram und haute eine Mitpatientin an, die das Escitalopram bekam. Nicht die feine englische Art aber mir war damals so ziemlich alles egal. Ich hoffte (aus Erfahrung) dass mich auf einen Schlag 20mg in eine Hypomanie hochjagen konnte, was es dann auch tat und mir wieder Kraft und Hoffnung gab, so wie erhofft.

Mit den Ärtzen gesprochen und dann bei der Medikamentation 10mg Escitalopram, 150mg Venlafaxyn geblieben. Schon nach 4 Wochen war ich wieder der "alte" es war sogar noch besser vom Lebensgefühl her.
Nur eines war "nervig": Das Problem mit dem Orgasmus... Meinen Partner musste ich erklären "warum es nicht ging" bzw. mussten wir immer aufhöhren weil nach gut einer Stunde und mehr (ist ein Gerucht, dass das sooo toooll ist) haben dann beide keinen Bock mehr. Selbstbefriedigung schaff ich so gut wie nie unter einer Stunde. Okay, wäre auch noch zu verkraften ABER gleichzeitig stieg der Libido! Also die "Lust" drauf. Es wurde immer schlimmer. Ein Partner reichte nicht. Zwei oder drei mussten her, dann Gruppen. Dann reichte nicht ein Date am Tag sondern morgens, mittags und Abends/Nachts, wann immer es ging. Alle möglichen Praktiken probierte ich aus nur um endlich was zu finden, was es mir "leichter" macht. Kurzum: Immer steigern ohne Erfolg. Klar, es ist spannend, macht Spaß ist halt jenseits des Alltags nur gibt es bei mir kein Happyend.

Vier Jahre lief das so. Ich hatte so Angst dass ich wieder so dermaßen Abstürze dass ich das in Kauf nahm. Aber leider ist das andere "Bedürfniss" eben auch sehr sehr stark und der Leidensdruck stieg kontinuierlich.

Schließlich setzte ich das Venlafaxyn aus diesem Grund ab und das es nicht mehr so leicht verfügbar ist kam mir dabei recht. Ich sah es als "Chance" und zeichen. Ganz langsam zurück, von 225/150 auf 75mg.
Zwar war dann das Orgasmusproblem so gut wie weg aber es stellten sich zwei Probleme.

1) die Freude so am Leben war wieder weg. Aus meiner "Sicht" waren depressive Verstimmungen Alltag. Das Leben war "langweilig" geworden. Libido ging zurück (jetzt normalniveu?) und alles lief so dahin. Lust hatte ich weniger und Sex versuchte ich ein paar mal hatte aber darauf dann auch keine Lust mehr. Ich funktionierte und hatte keine schlimmen Depressionen oder (zum Schluss) Panik oder Angstzustände

2) der Orgasmus ist bei weitem nicht mehr so intensiv wie vorher, kürzer und schlichtweg (im Vergleich) langweilig.

Vor zwei Wochen sollte ich nach Plan auf 37,5mg runter. Zwar ist die Angst da, sehr schnell wieder sehr tief zu fallen aber es läuft kontrolliert, mein soziales Umfeld weiß bescheid und hat ggf. das Netz parat.
Vor zwei Wochen hatte ich wieder Termin beim Psychater. Ich schilderte ihm und als er fragte, wie viel es mir in der Zeit gut ging und wie viele schlecht musste ich zugeben: 2/3 schlecht. Nicht ultraschlecht aber für mich nicht "lebenswert". Ich sollte mir dann überlegen nicht doch wieder hoch zu gehen bevor ich mich da durchquäle. Mit meinen Mitbewohnern und meinem Besten Freund redete ich darüber und alle meinte sofort, ich solle wieder hoch gehen. So wie ich die letzten Monate "rumhing" - das geht so nicht weiter. Hab mich ja auch größtenteils von ihnen Distanziert, ging fast nicht mehr aus dem Haus nur für die Arbeit und das nötigste. Meine Sexpartner fragten, was mit mir los sei warum ich sie nicht mehr treffe etc.

Durch die Gespräche wurde mir klar, dass ich mir wohl was vorgemacht habe. Ich wollte das durchziehen aber wenn es so weiter gegangen wäre, ich weiter abgesetzt hätte wäre es wahrscheinlich gewesen, dass aus der "Lebenmüdigkeit" wirklich "Lebensmüde" und damit wieder zum äußersten gekommen wäre.

Durch die Bank sagten mir alle, dass es das nicht Wert ist. Jetzt bin ich am Freitag eben wieder auf 150mg rauf. Eigentlich dachte ich, dass dauert wieder so 3-6 Wochen bis ich spürbar was merke. Nein. Am nächsten Tag wachte ich auf und hatte wieder das gute "Lebensgefühl". Seidem flutscht alles wieder, aber wieder mit dem selben "Problem".

Es ist total verrückt und macht schon fast Wahnsinnig (wenn ich es nicht schon wäre ;-).
Beide Medikamente: Aufrengendes, "spannendes" Leben, unternehmungslustig sexuell als auch "normal", tolle Gespräche, Partys etc. etc. aber eben keine wirkliche sexuelle Befriedigung durch den Orgasmus.

Nur Escitalopram: Keine "Ejakulationsschwierigkeiten" dafür kaum Lust, ein dahin leben ohne Dinge an die ich mich ein paar Tage später noch erinnern könnte. Kurzum: Langweilig, sinnlos etc.

Ich glaube, diese Kombi hat mich abhängig und süchtig gemacht. Ein Junkie kommt auch deshalb so schwer davon los, weil er eben anders fühlt, denk und mehr Sinn in seinem Leben sieht und dies auch mit Sinn füllt. Ist er davon weg ist es einfach nur noch langweilig. Ich weiß ja nicht, wie das bei "Normalen" Menschen ist. Wieviel Sex die haben/haben wollen. Wieviel normal ist, denn mir wurde schon gesagt, dass ich Sexkrank/süchtig bin.
Ich werde nie erfahren, wie es ist, "normal" zu leben zu denken und zu fühlen bzw. so wie es die meisten ertragen. Sex ist dabei nicht mein Leben. In der Arbeit gehe ich voll auf, bin gut darin so dass ich überdurchschnittlich viel Gewinn mache (füd das was ich arbeite) die übrige Zeit füll ich eben mit Kontakten sexueller Natur oder mit Familie, Freunden. Finanziell keine Probleme, Familie intakt, alle gesund sehr gute Freunde unmittelbar um mich rum.

Ist das Bipolar? Alles ins extreme? Und was jetzt? Was soll ich den noch steigern womit ich dann zufrieden bin?

Schlussendlich hab ich aufgegeben und (zumindest jetzt) entschieden: Das "Aufregendere" Leben ist mir "lebenswerter". Sehr viel mehr Zeit mit Menschen die ich lieb habe, die mich lieb haben. Wenn ich dann mal wieder "Schwanzgesteuert" bin, dem Bedürfniss nageben und ausleben. Man lebt nur einmal. Es ist eh schon so schwer mit dieser Krankheit denn natürlich gibt immer wieder sehr tiefe Stürze aber wenn ich mich schonmal sehr glücklich fühle, dann genieße ich das so lange das geht.

Ich stelle hier also nicht die Frage, ob das ein oder andere vielleicht besser wäre. Diese Entscheidung habe ich gefällt.

Ich will wissen ob es jemanden gibt, der vor dem selben Problem steht, für was er sich entschieden hat oder ob er eine ganz andere Lösung gefunden hat?

Das wäre super.

Danke
Cosmo
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Sehr "delikate" Frage zu Venlafaxyn

Cosmo81 510 10. 02. 2020 18:15

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dino 139 11. 02. 2020 08:36

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searcher 114 11. 02. 2020 10:04

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Friday 135 11. 02. 2020 10:15

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Cosmo81 87 11. 02. 2020 18:52

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Heike 93 11. 02. 2020 19:11

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Cosmo81 76 11. 02. 2020 19:33

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Heike 106 11. 02. 2020 20:10

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Cosmo81 75 11. 02. 2020 19:48

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searcher 69 12. 02. 2020 18:23

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Cosmo81 65 12. 02. 2020 19:48

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glitzer 64 13. 02. 2020 22:51

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CptBlack 65 13. 02. 2020 19:49

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Cosmo81 68 14. 02. 2020 12:56



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