Eindeutige Hinweise auf bipolare Störung?

26. 07. 2019 17:22
Hallo zusammen und Danke für die Aufnahme in diesem Forum!

Ich bin 28 Jahre alt, weiblich, keine Kinder, seit 7 Jahren in einer Beziehung. Anfang des Jahres wurde die Diagnose 'bipolar' gestellt, nachdem ich seit Jahren auf Ursachenforschung meiner vielen Probleme gewesen bin. Dass es so lange gedauert hat lag wohl darin begründet, dass ich ausschließlich in meinen depressiven und depressiv verstimmten Phasen Ärzte und Psychologen aufgesucht habe und die anderen Phasen mit "jetzt geht es mir ja eh wieder gut" betitelt habe. Es hat schließlich einen Totalzusammenbruch gebraucht, der mich dazu gebracht hat, ernsthaft Hilfe zu suchen und anzunehmen.
Die erste Diagnose die ich gestellt bekam: Mittelschwere bis schwere Depression. Ich bekam Sertralin verschrieben und es dauerte nicht lange, bis es mir wesentlich besser ging. Die Monate vergingen und ich kam mit einer relativ geringen Dosis Sertralin gut klar (etwa 4 Monate), bis sich langsam wieder 'Spitzen' bemerkbar machten: Anfangs war ich 'nur' schneller gereizt, schlief wieder lange, war schnell panisch. Schon bald kamen Gedanken von früher zurück, hässliche Gedankenmuster, die mich vor Sertralin schon in vielen Phasen begleitet hatten. Sertralin wurde höher dosiert, meine Depression aber verschlimmerte sich innerhalb weniger Tage dennoch so massiv, dass ich kurzzeitig nicht mehr arbeitsfähig war.
Meine Therapiesitzungen wurden auf zwei Mal die Woche erhöht, das Sertralin blieb bei derselben Dosis. Und nach zwei Monaten übelster Depression war es so weit und meine Laune verbesserte sich wieder. Ich schlief irgendwann nur 3-4 Stunden und war voller Energie. Ich plapperte viel und erledigte alle meine Aufgaben blitzschnell, fuhr zu schnell Auto (sah das selbst allerdings nicht so...) und hatte das Gefühl, dass alle rund um mich irgendwie langsam sind... ich war glücklich und aber auch genervt gleichzeitig. Da wurde die Diagnose 'bipolar' Typ 2 gestellt. Und ich war wütend. Ich dachte nur: "Mann, jetzt geht es mir ENDLICH nach so langer Zeit wieder einmal gut, und das soll jetzt nicht passen? Aber die Depression war schon in Ordnung für alle, ja?!" Ich wollte die Diagnose nicht annehmen und war mir sicher, dass der Arzt null Ahnung hat. Nur meinem Freund zuliebe habe ich eingewilligt, es zu versuchen und dann weiterzusehen.
Seither nehme ich Lithium, Sertralin wurde sofort ausgeschlichen. Nachdem mich Lithium mit einem großen Knall von meiner Hypomanie runtergeholt hat, wollte ich anfangs nur sterben. Ich verfluchte alle Ärzte und redete mir ein, sie hätten mir meine gute Phase jetzt auch noch weggenommen. Die Nebenwirkungen waren nicht ohne und nachdem ich beim richtigen Spiegel angekommen war (aktuell 0,7) habe ich mich oft gefrag: ok, ist es das jetzt? Muss das so? Ist es wirklich das richtige Medikament für mich, die richtige Diagnose?
Mir geht es immer ziemlich 'okay'. Ich mag mein Leben und ich stelle mich allen Aufgaben ohne zu heulen und ohne mich verkriechen zu wollen, aber so schön wie alles zum Beispiel am Beginn von Sertralin gewesen ist ist es nicht. Jetzt weiß ich natürlich, dass das schon wesentlich mehr ist als ich von einem Medikament erwarten kann und selbstverständlich gehört sehr viel Eigenarbeit dazu, um mindmäßig dort zu sein, wo man möchte. Mir geht es mehr um Gewissheit: Gibt es eindeutige Indizien dafür, dass ich WIRKLICH bipolar bin? Anzeichen, die nicht diskutabel sind? Ich habe einen Satz über Lithium gelesen: 'Bei Gesunden und/oder fehldiagnostizierten Patienten hat Lithium keine Wirkung.'
Nach welchem Zeitraum des Ausprobierens kann ich mit Sicherheit sagen, dass mir Lithium hilft und ich eindeutig bipolar bin?
Ich bekomme durch das Medikament Wasseransammlungen und meine Schilddrüsenwerte sind an der Grenze zu behandlungsbedürftig, was allerdings schon vorher so war. Trotzdem mache ich mir natürlich Gedanken über die Konsequenzen nach jahre- oder jahrzehntelanger Einnahme...
Dass diese extreme Vergesslichkeit, die eindeutig erst seit Lithium besteht, noch mehr wird, beispielsweise.

Von Herzen ein großes Danke, wer diesen langen Text gelesen hat. Ich würde mich riesig über respond freuen.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.07.19 17:26.
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Eindeutige Hinweise auf bipolare Störung?

Blümelein 1213 26. 07. 2019 17:22

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Lichtblick 375 26. 07. 2019 19:23

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Lichtblick 314 26. 07. 2019 21:15

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Joggeline13 119 25. 09. 2019 17:46

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VanGogh 101 25. 09. 2019 21:07

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Lichtblick 298 26. 07. 2019 21:09

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downtoearthguy 256 29. 07. 2019 12:26

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