Vier Beispiele zum Thema Medikamente

10. 07. 2018 19:02
@ Caglar

Danke für deine freundliche Rückmeldung.

Ich versuche immer, mich möglichst differenziert auszudrücken und weder ein "Jeder sollte absetzen." noch ein "Jeder sollte seine Medikamente einnehmen." zu predigen. Weil ich mir offen gestanden selbst extrem unsicher bin, welcher Weg der günstigere ist. Was letztlich von Fall zu Fall anders sein wird.

Zwar hört man immer mal wieder, der häufigste Grund für Rückfälle sei das Absetzen der Medikamente. Mit Medikamenten sei man ja immer auf der sicheren Seite usw.. Ich weiß aber auch nicht, wie viele Menschen sich einfach nur sagen "Ich nehm einfach mal keine Medikamente mehr und kucke, obs funktioniert." und wie viele Menschen tiefgreifend reflektieren, was sie in der Vergangenheit in ihre Phasen reingeritten hat, aktiv etwas zur Verhinderung erneuter Phasen tun usw.. Unter diesem Aspekt wäre auch eine Statistik relativ wenig aussagekräftig für mich. Vielleicht geht das Medikamentenabsetzen in neunzig Prozent der Fälle schief. Vielleicht ist es aber auch so, dass genau diese neunzig Prozent, bei den es schief, sich sagen: "Ich habe diese Diagnose überhaupt nicht und deshalb brauche ich die Medikamente gar nicht." oder sogar "Ich will wieder manisch und psychotisch werden, mir hat dieser Zustand gefallen." (Krankheitseinsicht und kritisches Betrachten meiner Phasen hat bei mir auch sehr lange gebraucht)

Mir fallen zum Thema Medikamente immer vier Bekannte von mir ein, die drei Positionen ganz gut vertreten. Ich kenn en Mann und ne Frau, die beide auf Neuroleptika eingestellt und es schon dennoch seit Jahren schaffen, in Vollzeit auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten zu gehen. Das zeigt für mich schon mal, dass die Einnahme von Medis die Leistungsfähigkeit nicht zwangsläufig überkrass einschränken muss (Ich hab mir das schon manches mal selbst eingeredet - Aber ich glaube, die Einschränkungen durch meine Tabletten sind zumindest inzwischen weniger extrem, als ich es mir eingestehen will). Dann gibt's nen Dritten, der schon etwas älter ist und mir sagte, er habe im Laufe der Jahre schon unzählige Absetzversuche gemacht. Alle gingen schief und hätten letztlich nochmals in der Psychiatrie geendet. Weshalb er inzwischen akzeptiert hätte, dass es ohne Medikamente nicht ging. Und ich kenn nen Vierten, der ne relative niedrige Dosis Amisulprid nimmt und sagt, er könne damit einigermaßen leben. Er sei ihm zu riskant, das, was er sich im Laufe der Zeit erarbeitet hat und die Position, die er gegenwärtig inne hat, aufs Spiel zu setzen (Er ist innerhalb der organisierten Psychiatrieerfahrenen sehr aktiv). Deshalb hat er schon seit vielen Jahren keinen Absetzversuch mehr gestartet. Es würde seiner Meinung nach sicher gehen, wenn er es extrem langsam mache. Er habe aber zu viel Schiss vor nem Rückfall und ginge das Risiko daher nicht ein..

Wie tschitta bemerkte, kann man die Situation eines anderen, den man nur übers Internet kennt, kaum richtig einschätzen. Und... sollte deshalb vorsichtig mit Empfehlungen sein.

Ergänzend ist meine Erfahrung, dass man denke ich auch selbst manchmal dazu neigt, seine eigene Sicherheit und Stabilität zu überschätzen. Zumindest hatte ich die Tendenz bei mir schon in der Vergangenheit häufig beobachten können.
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Hier, der Absetz- und Reduktionsthread...sinnvoll?

dry 1377 28. 06. 2018 09:31

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Tigger 353 28. 06. 2018 10:52

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dry 311 28. 06. 2018 11:08

Re: Nachtrag / 1. Auflage / September 2018

Tigger 271 28. 06. 2018 13:17

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soulvision 333 28. 06. 2018 12:42

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Caglar 251 30. 06. 2018 12:34

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soulvision 180 30. 06. 2018 13:11

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Friday 170 08. 07. 2018 12:45

Geschwindigkeit/Schritte beim Reduzieren

dry 168 08. 07. 2018 12:56

Re: Geschwindigkeit/Schritte beim Reduzieren

Friday 153 08. 07. 2018 12:58

Re: Geschwindigkeit/Schritte beim Reduzieren

dry 172 08. 07. 2018 13:02

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soulvision 152 09. 07. 2018 22:00

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Friday 157 10. 07. 2018 10:24

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soulvision 152 10. 07. 2018 14:14

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Friday 137 10. 07. 2018 14:40

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kirrumsl 216 28. 06. 2018 18:59

Psychose ging ohne Medikamente vorüber...

dry 250 28. 06. 2018 20:09

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tschitta 274 29. 06. 2018 08:25

Verdrängung:

tschitta 257 29. 06. 2018 08:45

"dennoch die Krankheit ist nicht weg"

dry 196 30. 06. 2018 11:39

Re: "dennoch die Krankheit ist nicht weg"

tschitta 222 30. 06. 2018 20:07

Heilbarkeit von Psychosen?

Sozialarbeiter84 209 08. 07. 2018 16:20

Re: Heilbarkeit von Psychosen?

tschitta 176 08. 07. 2018 18:01

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Sozialarbeiter84 164 09. 07. 2018 04:56

Re: Heilbarkeit von Psychosen?

Friday 160 09. 07. 2018 17:42

Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

Sozialarbeiter84 145 09. 07. 2018 19:05

Re: Komorbidität bei Psychosen / HOCHSENSIBILITÄT

A20213 201 09. 07. 2018 19:39

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Sozialarbeiter84 155 09. 07. 2018 19:59

Stress Reduktion

Sozialarbeiter84 139 09. 07. 2018 20:17

Re: Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

martha2 192 09. 07. 2018 19:44

Re: Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

tschitta 142 10. 07. 2018 08:17

Trauma / Stabilisierung, Konfrontation, Integration

Sozialarbeiter84 158 10. 07. 2018 09:11

Re: Trauma / Stabilisierung, Konfrontation, Integration

tschitta 149 10. 07. 2018 10:51

Medikamente und Trauma

Sozialarbeiter84 167 10. 07. 2018 11:40

Re: Medikamente und Trauma

tschitta 138 10. 07. 2018 12:15

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Caglar 161 10. 07. 2018 12:10

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Sozialarbeiter84 138 10. 07. 2018 13:04

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Caglar 167 10. 07. 2018 14:27

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tschitta 216 10. 07. 2018 16:19

Vier Beispiele zum Thema Medikamente

Sozialarbeiter84 208 10. 07. 2018 19:02

Re: Vier Beispiele zum Thema Medikamente

Eisbaer 143 11. 07. 2018 08:07

Re: Vier Beispiele zum Thema Medikamente

A20213 137 11. 07. 2018 09:27

Re: Vier Beispiele zum Thema Medikamente

Sozialarbeiter84 188 11. 07. 2018 10:07

Zu unvorhersehbaren Ereignissen

Sozialarbeiter84 130 11. 07. 2018 13:27

Re: Hier, der Absetz- und Reduktionsthread...sinnvoll?

caribeso 177 12. 07. 2018 01:18

Sorgen

dry 170 12. 07. 2018 06:19

Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Sozialarbeiter84 147 12. 07. 2018 11:53

Re: Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Eisbaer 200 12. 07. 2018 12:00

Re: Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Eisbaer 249 13. 07. 2018 08:59



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