Danke für die vielen Antworten, das tut gut, nicht so alleine zu sein mit dieser Macke, sich schwer abgrenzen zu können.
Es gibt eine gute Nachricht: es geht mir besser, es hat sich heute zwar nichts geklärt, aber es ist eindeutig zutage getreten, dass ich nichts, aber auch gar nichts mit dem ganzen Scheiss zu tun hab.
Die Dienstberatung fand statt und diplomatisch wie unser Küchenchef (der beste!) ist, hat er gesagt, wir sollen alle mal runterkommen und dass der ganze Kindergarten nervt. Dann hat er an Kiffi und Bordie appelliert, Kritik nicht persönlich zu nehmen und nicht immer gleich mit dem Finger auf andere zu zeigen. Außerdem sollen sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren und mehr arbeiten, dann bekämen sie nicht solche Fürze im Kopp und machten sich halbwegs unangreifbar, wenn sie schon keine Kritik vertragen.
Dann kam Kiffis große Stunde: ich würde intrigieren, ich hätte ihm gar nichts zu sagen, er bekäme die Küche immer unaufgeräumt und es wäre nichts vorbereitet... blablabla, die pöse, pöse Sumosimi. Haha, ich hab mich dermaßen zurückgehalten, das hätte ich mir selber gar nicht zugetraut, also böse hat der mich noch nicht erlebt. Merkwürdigerweise haben wir uns vor einer Woche noch total nett unterhalten, bis letzten Samstag, als die zu zweit reinkamen und ich es sofort gespürt hatte: Oha, jetzt erwischts mich.
Küchencheffe hat ihm dann nochmal auseinandergesetzt, was Teamarbeit bedeutet und dass er ihm vorkomme wie einer dieser Köche, die nur am Herd stehen und sich noch Pfanne und Kelle reichen lassen. Huiuiui... das dauerte alles eine Weile und Küchencheffe blieb lange ruhig. Kiffi zeterte über diese ganze intrigante Scheisse und wie sehr ihn das belaste und Bordie saß da und zog ne Fresse.
"Dann geh ich halt", schrie Kiffi. Und Küchencheffe sagte trocken: "Tja, dann gehste halt."
Ich hab Küchencheffe seltenst so wütend gesehen, aber er war immer noch beherrscht. Kiffi: "Ich weiss, was ich in meinem Leben geleistet habe! (Da musste ich echt lachen.) Ich hab in 25 Küchen gekocht! Ich hab zwei Ausbildungen!" Küchencheffe: "Na und? Ich hab drei!" Da musste ich dann nicht mehr lachen, denn jetzt hätte es jederzeit passieren können, dass die sich an die Gurgel gehen.
Ich hab dann, als es immer bizarrer wurde, gefragt, ob ich in die Küche kann, weil ich hatte ja Schicht. Durfte ich, zum Glück gab es Knoblauch zu schälen und nicht etwa Petersilie zu hacken, eigentlich hätte ich einen Schnaps gebraucht.
Nach einer weiteren halben Stunde kam Küchencheffe rein und war völlig durch den Wind. "Schräg", sagte er nur. "Ich hab den Eindruck, es wird grundsätzlich nicht gemacht, was du sagst." Ähm ja, genau so ist es. Und ich hab auch gesagt, dass wenn Kiffi nochmal auftaucht, ich es ablehne, Urlaubsvertretung für Küchencheffe zu machen. Ich fragte, ob ich nun die Abendschicht alleine hätte.
Küchencheffe kam nach zwanzig Minuten nochmal rein und meinte: "Ich such nen Spüler."
Nach zwei Stunden fegte Kiffi nochmal rein und holte seine Sachen. "Tschüss! Sumosimi!", keifte er und weg war er.
Bordie saß bei ihrem Kumpel, dem Hausmeister und kotzte sich erstmal aus, fünf Minuten nachdem Küchencheffe gesagt hatte, sie solle nicht immer alle volljammern.
Ich war natürlich total im Arsch, weil wenig geschlafen. Aber ihr hättet mal Küchencheffe sehen sollen (den hat sein Kindlein nachts aus dem Schlaf gerissen), wie fertig der aussah mit drei Stunden Schlaf.
Meine Schicht war ziemlich gut, ich hatte viel zu tun und richtig Bock drauf, endlich mal wieder alleine in der Küche und nur Kellner, die meinen Humor vertragen! Bordie hat sich noch ne Roulade bestellt, aber sich nicht mehr blicken lassen. Da kann man mal sehen, wie widersprüchlich! Ich würde mir da nie eine Roulade von meinem Hassobjekt bestellen!
Zum Schluss hatte der Hausmeister Geburtstag und gab einen Schnaps aus. Er hat mir dann erzählt, Bordie wolle auch kündigen und was sie für einen Hass auf mich schiebe... sie werde es aber sowieso nicht tun.
Er ist auch ne einsame Jacke, ich hab dann viel zuviel mit ihm geraucht und noch nen Schnaps getrunken und mich zum ersten Mal länger mit ihm unterhalten. Er hat keine Ahnung, was Borderline ist, aber er kennt sie schon lange und hat mir genau das beschrieben. Händeringend: "Aber sie begreifts einfach nicht!" Kann sie auch nicht, die ärmste.
Verlust: ich muss das Wochenende unendlich viele Stunden arbeiten, weil ja Kiffi sich verabschiedet hat.
Gewinn: ich hab wiedermal volle Rückendeckung von Küchencheffe bekommen und mir wird geglaubt.
Resultat: wir haben Bordie immer noch und nachdem der Hausmeister ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert hab, rechne ich mit einer weiteren Steigerung ihres Problems, die mit einem dramatischen Abgang endet.
Und, ja, ich weiss es ist spät und es ist ein langer Text und ich bin auch ein bisschen bekifft und hab immerhin drei Schnäpse (!) intus und zittere schon vor Müdigkeit und innen fühlt sich mein Kopf an wie Schleifpapier... aber ich wollte euch diese lustige Geschichte einfach noch erzählen. Ich werde soo gut schlafen und morgen hab ich frei! (Wenn Bordie nicht doch noch kündigt!)
Sumosimi
Taat du nee borom djogol, so djoge mu topola.