Aaalso... nachdem mein Mann ja immer den ganzen Affenzirkus mitkriegt, wenn ich mich auf Arbeit mal wieder in irgendeinen Mist verstricken hab lassen, hat er mir eine schöööne Hausaufgabe gegeben: ich muss ab sofort einmal am Tag zu jemandem sagen "nicht mein Problem". Und mein Mann meinte, dass es mit Sicherheit so kommen werde, dass alle sich dann wundern und denken, ich hätte schlechte Laune und wissen wollen, was mit mir los sei.
Gestern hatte ich Frühschicht, d.h. ich war die ganze Schicht über allein mit nur einem Kellner und das war der Chef. Also hatte ich keine Gelegenheit. Dann kam Küchencheffe und erzählte mir irgendwas. Bei Küchencheffe kann ich mich mal ausprobieren, dachte ich. Also: "Nicht mein Problem." Er (mit total verduztem Blick): "Wassn mit dir los? Hast wohl schlechte Laune?"
Ich hab ihm dann erzählt, dass das meine Hausaufgabe sei. Er hat nur gegrinst. 100 Punkte für meinen Mann!!!
Die Kollegin hatte ich ja eine Weile jetzt nicht gesehen, letzte Woche gab es ja eine Aussprache. Danach hatten wir eine gemeinsame Schicht und es lief eigentlich alles prima. Sie hatte dann Anfang der Woche die Frühschichten und hat wieder dies und das verbockt. Ich war aber nicht da, also konnte sie mir keine Schuld geben. Der andere Koch ist grade ihr bester Freund... und Küchencheffe kann sie ja schlecht die Schuld geben. Blöde Situation für sie. Da kommt die heute zur Schichtübergabe und schaut mich nicht an und antwortet nur knapp und steht in der Küche wie ein geprügelter Hund? "Nicht mein Problem", hab ich mir so gedacht.
Und ich konnte auch soweit Abstand gewinnen in den letzten beiden Tagen, dass ich nicht mehr um Verständnis bemüht bin, wo es nichts zu verstehen gibt. Ich bin keine schlechte Kollegin, ich bin sehr beliebt und es ist ganz gewiss kein Nachteil, etwas von mir zu lernen, aber wer nicht will, der hat schon. Schlimme Kindheit und Borderline hin oder her, sie hatte zehn Jahre Zeit, sich um sich zu kümmern und es ist nicht zu spät. Dass sie es jetzt immer noch nicht tut - nicht mein Problem.
Ich glaube, sie hat gedacht, sie könne sich über mich beklagen und ich kriege dann so richtig mein Fett weg und sie könnte dann triumphieren. Ist aber nicht passiert. Deswegen wird sie wohl die Welt nicht mehr verstehen - nicht mein Problem.
Dann hat Küchencheffe uns gebrieft, weil morgen eine größere Veranstaltung ist und er nicht da ist. Ich war ein bisschen fies und hab mich neben ihm aufgebaut, während er referierte und hab mit wichtigen Zwischenfragen geglänzt (hihihihi). Nur damit mal klar ist, wo meine Position ist (hihihihi). Ich hatte sogar noch wichtiger einen Stift und ein kleines Ringbuch in der Hand, um mir Notizen zu machen.
Überhaupt war es die letzten Tage so, dass Küchencheffe mich sehr viel in Entscheidungen und Planungen einbezogen hat, manchmal, wenn ich so lächelnd an meinem Schneidbrett stand und versonnen Zwiebeln in Streifen schnitt, hat er mich mit so einem milden Lächeln angekuckt, sowas zwischen Verwunderung, Anerkennung und Aufmunterung... dass ich ein bisschen Gänsehaut bekam. Haha, eigentlich hab ich jetzt abgesahnt, was sie versucht hat, kindisch einzufordern. Äääätsch.
Die Kollegin darf dafür morgen nicht grillen, weil sie bei den Fussballspielen verbrannte Würste rausgegeben hat, die dann zurückkamen. Das hat der Küchenchef ihr ganz offen und ehrlich gesagt, in meinem Beisein. Ääääätsch. Und darüber bin ich froh, denn ich hatte schon befürchtet, es reisst jetzt ein, dass Extrawürschte gebraten werden und heimlichgetan werden muss, weil die Kollegin nicht damit klarkommt, kritisiert zu werden in ihrer Gefühlsduselei. Da hätte ich Küchencheffe wirklich mal mehr vertrauen können.
Ich bin mal gespannt, wie lange sie noch durchhält. Denn ich bin inzwischen zu der festen Überzeugung gelangt, dass es ihr niemals nie ums Kochen ging, sondern nur um Anerkennung ernten und einen auf dicke Hose machen. Aber Lehrjahre sind nunmal keine Herrenjahre ;-)
Wenn der Sommer rum ist und sie ist noch da, schicken wir sie in ein Praktikum in einem anderen Laden. Wir wissen schon, was wir da für einen Laden aussuchen. Damit sie mal weiss, was es in Wirklichkeit heisst, Anschisse zu kriegen. Ääääätsch.
Verzeiht mir meine etwas kindische Schadenfreude, aber die hab ich mir durch langes Stillhalten verdient.
Und im Ernst... nützt es ja auch nix, wenn wir sie die ganze Zeit mit Samthandschuhen anfassen und sie geht eines schönen Tages los in ihrem Größenwahn und fängt irgendwo anders an. Erstens rennt sie dann dort heulend raus, wenn es etwas heiss hergeht und zweitens fällt das dann auf uns zurück, was wir da für ne Plinse angelernt haben.
So. Und jetzt muss ich auf die Knie fallen und meinem Schöpfer stundenlang dafür danken, dass ich von allen Chefs dieser Welt den besten und anständigsten abgekriegt hab.
Sumosimi
P.S.: Wahrscheinlich hab ich mir bei der Kollegin jetzt Hass und Neid eingehandelt, aber was soll's sie projeziert ihre schlechten Anteile ja ohnehin schon auf mich. Zu verlieren hab ich da nix mehr. Und ihr Hass und ihr Neid werden mir helfen, noch öfter zu sagen: Nicht mein Problem.
Taat du nee borom djogol, so djoge mu topola.