Manchmal ist es zum Schreien

28. 07. 2021 12:29
Hallo zusammen!

Gestern abend ca. 23 Uhr stellte ich die Mülltonne raus und hörte dabei seltsame Geräusche aus Richtung die Straße hinunter. Hörte sich ziemlich wie ein Streit zwischen Katzen an, das kannte ich von früher. Nur, dass es immer die selbe Katze zu sein schien, und dass es näher kam.

Nach dem reingehen hörte ich das Geräusch sogar durchs Fenster, und ging also neugierig wieder zur Tür, öffnete Sie und schaute raus. Da sah und hörte ich im Licht der Straßenlampen den Gehweg entlangschreitend eine junge Frau, mittelgroß, sehr schlank, in Shorts und Tanktop, mit blonden Dreadlocks, barfuß, in der rechten Hand hielt sie ihre Schuhe.

Die linke Hand hatte sie ohne Unterlass zur Faust erhoben, als ob sie jemandem drohen oder gegen oder für etwas demonstrieren würde. Dabei machte sie, ebenso ohne Unterlass die von mir schon früh gehörten Geräusche, nur jetzt eben lauter für mich. Es war Fauchen und Schreien, Klagen und Heulen, alles zusammen.

Sie nahm mich nicht wahr, ich stand hinter meiner nur leicht geöffneten Tür versteckt. Ich überlegte kurz, ob ich sie nicht hereinbitten sollte - ich habe eine ganze Flasche Promethazin und auch noch fünf oder sechs Alprazolam vorrätig. Eins von beidem hätte ihr eigentlich helfen müssen, denke ich. Doch dann war sie auch schon vorbei. Weiter die Straße herunter rief ihr jemand zu, sie solle Ruhe geben. Sie antwortete nicht.

Nachdem ich auch drüber geschlafen habe denke ich, dass sie wohl "eine von uns" ist.

Mir selbst ist es auch einige Male passiert, dass ich "nur noch Schreien" konnte oder wollte.

Mein einziger, nur halbherziger Suizidversuch begann mit einem Schrei, mit dem ich ein Telefonat mit meiner Frau abbrach. Aus späterer Zeit erinnere ich mich an eine Szene, in der ich mich vor der versammelten Familie (ob die Kinder dabei waren, weiß ich allerdings nicht mehr) zu Boden warf und schrie und heulte, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr an den Grund erinnern. Ich war halt verzweifelt.

Mein letztes Erinnerungsstück im dem Zusammenhang ist, wie ich hörbar schluchzend (und entsprechend angestarrt) durch den Flughafen von Faro tapste, weil ich für eine halbe Stunde lang dachte, ich habe den Flieger nach Hause zu meiner Familie verpasst.

Manchmal kann man halt nur noch schreien - oder schluchzen.

Viele Grüße,
Roquentin

P.S.: Ich wüsste schon gerne, wie es mit der jungen Frau weitergegangen ist. Hatte sie vielleicht doch nur die falsche Droge genommen (doch welche sollte das gewesen sein)? Hat sich jemand um sie gekümmert, nachdem sie zuhause war, und sei es auch nur online oder am Telefon? Ich kann nur sagen - bei mir waren das absolute Ausnahmesituationen, von denen ich zum Glück nur sehr wenige erlebt habe.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Manchmal ist es zum Schreien

Roquentin 684 28. 07. 2021 12:29



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