Re: Von Anfang an betrogen worden

16. 06. 2021 10:51
Liebes Forum,
gerade aus der Korrektur ins Leben gerufen, weitere Worte für "Nun den männlichen Part" von Zola und Auriel:

(Spoiler- es gibt bereits Zola und Auriel am Fuße des "Wortlosen Gebirge")

„Ahhh…“ war das erste, dass Auriel diesen Morgen entließ. Er hatte gut geschlafen, ein fester packender Schlaf. Den es gab seit der Frühling ins Land zog, wieder mächtig viel zu tun in der alten Mühle. Dessen Mühlrad in den klirrenden Monaten des Winters, vom Eis fest gepackt-, lange stillgestanden war.
Auriel streckte sich ein letztes mal auf seinen Bündeln feinen Seegras. Ließ mit einem letzten forschendem Gedanken, nach seinem nächtlichen Traum die derbe Steppdecke aus den wenigen verbliebenen Erbstücken, aus Familienbesitz zurückgeworfen, auf seiner schlichten Bettstatt liegen.

Kurz nach dem Ihn die ersten kecken Vogellaute weckten und das wenige Licht der Morgensonne durchs Gebälk der Mühle streifte, war Ihm als hätte er heute Nacht von einer Frau geträumt.
Sonne wirkte durch Ihr Haar, hatte sie sich nicht für einen Kuss ganz nah seinem Gesicht genähert?
Nur zu gerne hätte Auriel am Morgen diesen Traum weiter geträumt, aber es gab Dinge zu tun denen es keinen Aufschub bedurfte. Das Mühlrad musste vom Schlamm des Winters gereinigt, das Flussbett um einen knappen Meter vertieft werden.
Das Sielgeröll hatte sich in feinen Flusskieseln, unter dem über den Winter festgefrorenen Mühlrad gesammelt, daher brauchte es wieder genug Schub für Wasserkraft, um all die Ernten der umliegenden Bauern zu verarbeiten.

Verschiedene Mühlsteine hatten seit Generationen ihre Arbeit getan. Auch um diese hatte sich Auriel zu kümmern, doch dazu zu einem anderen Zeitpunkt mehr.
Dem letzten Rest eines alten Stück Brots, hatte es ein noch älteres Stück Käse angetan.
Zusammen aber eine hervorragende Mahlzeit dachte Er.
Das Morgenmahl einem ansehnlichen Frühstücke weit entfernt, gab es kaum noch Zeit einen Schluck Wasser, der Vorzüglichkeit seines Mahls hinzuzufügen.
„Ahhh“ … entfuhr es Ihm wiederholt diesen Morgen.
Dass musste wohl am Traum dieser Nacht liegen dachte Er. Kurzen Blick um sich werfend, machte sich Auriel die wenigen Treppenstufen nach draußen.

Die Schaufel um das Siel unter dem Mühlrad zu befreien, stand noch griffbereit am Scheunentor. Doch wollte er erst noch sehen, die wenigen Hühner die Ihm geblieben waren mit einem Scheffel Gerste zu beglücken. Fröhlich gackernd begrüßten Sie Ihn wie jeden Morgen.
Kaum schaffte Er es Ihnen den Scheffel zu verstreuen, umringten die Hühner samt Hahn wohl beäugte Beute.
Mit kurzem Gruß, Sie mögen nicht alles auf einmal fressen, trat er zurück auf den Mühlenhof.
Kurz dem Spaten habhaft geworden packte er einen derben Lumpensack gewiss auch heute der Edleren Steine mit Gewinn, des wochenend´s am Markt feil zu halten.
Der Fluss lag in leichten Zügen etwas höher als sonst.
In türkisen Moosschimmer, feiner Wellen fließender Bahnen, kräuselte sich hellgrüne Gischt auf dunklem Wasser.
Sonnenlicht tanzte umher in den Kronen der umstehenden Bäume.
Ein Reiher hob sich auf, verschwand dann zwischen den dichtgedrängten Birken, am Ufer der gegenüberliegenden Seite.
Kaum war er mit den Knöcheln seiner baren Füße ins Wasser nah des Mühlrades gestiegen, stachen ihn Nadeln kalter Frühlingsgrüße seines Arbeitsplatzes.
Großvater hatte einst die flotten Worte- eines Spruchs parrat; “sticht am Morgen Dich der Fluß, gibts am Abend kein Verdruss“. Seit dem Tage- wusste er um die wohlige Wärme seiner Füße des Abends, wenn er zu Bette ging.
Mit kurzem Blick und blutdurchpochten Waden wattete Er bis zum Rad.
Fest packend mit beiden Händen fasste er das Mühlrad und stemmte sich mit ganzer Kraft gegen an. Nichts rührte sich, kleine Stücke morsches Holz fielen rieselnd ins Wasser.
Und auch ein zweiter Versuch scheiterte. Im kalten Wasser stehend, beugte sich Auriel, bis beide Arme tief genug griffen, um die ersten glatten Kiesel zu entfernen. Langsam lösten sich einige Steine und wurden mit der Strömung fortgetragen. Gerade gut genug, um dem festgesezten Rad, nicht den kleinsten Raum auf Spiel zu lassen.
Tiefer war es im diesjährigen Winter und folgender Schneeschmelze eingesandet.
Den Spaten am Holz herabgestoßen, rieselte hell-klingend weiterer Kiesel den Schwüngen des strömenden Flusses. Erneut stach der Spaten in den vollgelaufenen Siel. Gerade tief genug um mit einigen Bewegungen ein gutes Stück Kieselsand dem Fluss zu überlassen. Ein leichtes Knarren war zu hören und es schien als wäre das Mühlrad um ein winzig kleines Stück gewandert.
Auriel schaute auf und bemerkte gerade noch, dass das Mühlrad sich unter knarren in Bewegung setzte. Das musste Er stoppen, sonst würden die Steine dem Rad erheblichen Schaden zufügen. Mittlerweile brannten seine Füße im kalten Wasser, doch durfte Er jetzt keinen Fehler machen. Zwei dicke Klumpen Stein klemmten mit Absicht das Mühlrad anzuhalten daher bereits darunter. Das Moosgrün bedeckte Rad stand fast Königlich still beleuchtet von der Morgensonne, glitzerten die Tautropfen und schienen fast wie Smaragde in der Sonne zu funkeln.
Auriel klemmte den Spaten mit als Halterung, um sich nach wenigen Schritten, die Füße abzureiben und einen neuen Fußrock aus der Mühle zu holen. Um einen Krug mit Wasser zu leeren setzte Er sich an den Uferrand beobachtete die Strömung . Blickte zum Rad das Ruhig im Strom stand. Kleine Gischthauben bildeten sich immer wieder am Rad und brachen dann zusammen, was ebenfalls der Aufmerksamkeit seiner flinken Augen und behütendem
Blick. Ein wenig Wärme am Ufer und dann möchte Er es nochmals probieren, dem Siel die das Mühlrad gefangen hielt, den Lauf für diesen Frühling in Mitten des Flußbettes gänzlich zu Überlassen. Eine kleine Sandbank hatte sich am Rand einer Biegung gebildet nach all den Jahren im gleichen Ritual das Mühlrad frei zu legen. Auriel krempelte in Geschickten griffen die Hosenbeine nach oben. Stand ruhig am Rad und ließ durch kleine Stöße des Spatens, sämtliche Kiesel durch den Sog des Wassers aus der Rinne rieseln. Als Er den letzten Stein zum Halten des Rads entfernt hatte erklang das Monotone schaufeln der Mühlrad Schaufeln. Im inneren der Alten Mühle konnte man ein kleines Glöckchen hören, deren feine Melodie durch den Antrieb des Wassers am Ende der Schaufeln die eine lange hölzerne Stange, welche ins Mühlenhaus führte verband. Verschiedene Rinnen hatten entweder Wasser oder weitere Stangen, welche zu einem- grossen Hölzernen kreis-grossen Artefakt aus verschiedenen Holzkonstruktionen führten. Die in der Mitte des Mühlhauses zusammenliefen und weit ausladende nach innen zusammenlaufende Enden, weiterer Holzstangen um bedächtig zwei Mühlsteine langsam Antrieb zu liefern. Auriel öffnete einen Schleusengang mehr und die Mühlsteine, bekamen noch ein wenig mehr Schub. Knarrende Töne knirschender Steine ließen Auriel nun glücklich, sein zweites Frühstück einnehmen. Breitbeinig setze Er sich in Frischen Kleidern an die Bank im Überdachten Teil in Flussseite und bestaunte die immer gleichen Bahnen kreisenden Bewegungen des Mühlrads. Der Reiher der sich gestört fühlte tat das selbe in einiger Entfernung, auf einem erhöhten Kiesbett stand er einbeinig, den Blick immer auf Fische, die seine Nahrung bilden und um diese aufzuspüren in den vorbeiziehenden Maßen all seine Aufmerksamkeit zu widmen. Auriel hatte Ihn schon manches mal verjagt, doch es blieb dabei der Reiher hatte an diesem Teil der Stromführung die fischreiche Gegend zu seinem Jagdgebiet erklärt. Auriel`s Magen knurrte plötzlich laut genug um seine Aufmerksamkeit zu fesseln. Schon dachte Er sehnsüchtig an die Jagd aus diesem Sommer, kaum blieb Ihm Zeit für diesen Gedanken, wanderte in Hoffnung auf das richtige Wetter bereits die Wege welche im Frühsommer am besten geeignet währen.
Viel hatte es dieses Frühjahr noch nicht geregnet und so blieben die meisten Wildtiere ihre Zeit im Winter und Anfang des Neuen Jahres über in Wasserreicheren Gegenden auf Höhen und Kluften zwischen dicht bewaldeten Ausläufern vergangener Muränen- eines stattlich Thronenden Gebirges, dessen Höhen aus Eis und Gletscher, wie kleine Zinnen in den Himmel ragten. Friedlich einen Schluck aus seinem Glas genommen, blickt Auriel Flussabwärts, Grün-durchtupfte Hügelketten im Licht der Vormittagssonne strecken sich Hügel um Hügel vor Ihm aus. Die Mittagssonne bietet genug Hitze um sich bequem ihren wärmenden Strahlen zu bedienen. Als trage der Wind das Klopfen von Holzarbeit, durch den aufgefrischten Wind am sonnigen Ufer vor der Alten Mühle.
Auriel kannte die Gegend durch manche Wanderung gut. Da die vielen zahllosen Höfe, Weiler und Gemeinden sich den Hügeln nah am Flusstal entlang streckten waren es dergestalt viele, so war mancher Ort auch nicht jedermann und Frau bekannt. So gab es Tage da bekam man keinen Menschen zu Gesicht, am Abend dann konnte es gut sein, dass die eigene Musik von einem Instrument oder ähnlichen einzig Mittel war- sich die Einsamkeit zu vertreiben.
Oft saß Er so allein in der Alten Mühle und sang die Lieder die Er von seinem Großvater kannte. Und so manches abendliche Stück ward gar seiner eigenen Feder geboren.
Heute musste Auriel aber noch gänzlich das Siel um das Mühlrad bereinigen. So schritt Er schnell wieder bis zum Mühlrad an den Fluss heran, da fiel Ihm ein Lied ein dass eines Tages aus Jux und Dollerei geboren nun aufs “Neue“ seinem Mund entsprang:

Oh Fischlein, oh Fischlein.
So decke mein Tischlein, auf das er mich speist mit Rotem Saft aus Reben Kraft.
Mags auch schrecklich Wetter haben, kommt das Fischlein aus dem Graben.
Schwimmt Munter in der Wanne.
Hüpft munter in der Pfanne.
Hält Garn und Fädchen das kleine Fischstäbchen.
Oh Fischlein, oh Fischlein.
Sollst Du heut mein Mahl sein, wenn mich der Hunger krankt und die Mutter sich bangt.
Wenn es auch stürmt oder schneit, bist Du Fischlein nicht weit.
Schwimmt Munter in der Wanne.
Hüpft munter in der Pfanne.
Hält Garn und Fädchen das kleine Fischstäbchen.

Mit diesem schönen Liedchen auf den Lippen, war es ein leichtes weiter daran zu arbeiten, das Alte Mühlrad der Steinmühle zu befreien. Kaum das kalte Wasser spürend, drehte sich was festgesetzt war, im gleichmäßigen Klang, der Schaufeln, die immer wieder in den Fluss stachen. Ruhig setzte sich der plätschernde Laut des Wassers, fort und fort, wenn es durch die Schaufeln der Steinmühlen, zurück in das gurgelnde kalte Nass fiel. Erleichtert diesen Dienst an dem Vermächtnis seines Großvaters getan zu haben setzte sich Auriel ans Ufer. Noch immer umspielten die Verse, des “Fischlein“ Lieds, seine erleichtert lächelnden Lippen. Am anderen Ufer betrachtete Er über das grün schillernde, schnell fliesende Wasser den Reiher.
Auf einem Bein balancierend, geschickt die Erhöhung eines aus den Fluten ragenden Steines nutzend, um Aufmerksam, dass sich in Kräuseln brechende Nass, nach Fischen zu durchforschen. Für Auriel war es ein gutes Zeichen, wenn der Kranich die Stromschnellen um die Alte Steinmühle aufsuchte, um sich seiner Nahrung zu bedienen. Der hohe Stand der Sonne und ein leises Knurren aus der Magengegend, ließen seine Gedanken zu seinem kargen Bestand an noch essbaren schweifen. Eine trostlose Aussicht, stellte Er voller Bedauern fest. Doch machte sich auf den Hunger zu stillen.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Von Anfang an betrogen worden

Elster12 694 09. 06. 2021 07:05

Re: Von Anfang an betrogen worden

SearchMyself 212 09. 06. 2021 08:11

Re: Von Anfang an betrogen worden

Elster12 117 16. 06. 2021 10:27

Re: Von Anfang an betrogen worden

Elster12 184 16. 06. 2021 10:51



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