Erinnerungen, die hilfreich sind ...

25. 08. 2020 11:39
Hallo Foris,

beim Aus- und Umräumen in meiner Wohnung habe ich alles, was mir wichtig ist, nochmal in die Hand genommen.
Dabei habe ich Vieles erinnert, was mich bis heute trägt.

2002 bin ich am Entlassungstag aus der Uni-Klinik meiner Geburtsstadt mit einem Rucksack voller guter Wünsche von Mitpatienten und Pflegepersonal und der mich behandelnden Ärztin in der Zug gestiegen, in meine heutige Wahlheimat.
Die Worte des Klinikleiters, Prof. K., habe ich bis heute im Ohr, als er mich zu meiner Genesung beglückwünschte und
mir für mein weiteres Leben alles Gute wünschte.

Auch erinnere ich mich an mein Zimmer, über dem Bett die von mir gefertigte Collage in flieder und violett.
Leider konnte ich sie nicht mitnehmen, weil sie zu groß war. Doch eine Mitpatientin hat sie für mich fotografiert.
Ich habe ihr den Titel "Freiheit" gegeben.

Mit im Gepäck hatte ich auch eine Kinderzeichnung. Mehrere kleine Mädchen saßen in der Nähe der Klinik am Straßenrand
um selbstgemalte Bilder zu verkaufen. Leider hatte ich kein Geld, was ich den Kindern sagte. Sie steckten die Köpfe zusam-
men und tuschelten ganz aufgeregt. Dann schenkten sie mir das Bild, was mir so gut gefiel.
Seit 18 Jahren halte ich es in Ehren.

Vor kurzem habe ich es mit anderen Dingen aus meinem Schatzkästchen in einem Wandbild verarbeitet.

Gerahmt habe ich auch eine Karte der mich damals mit-behandelnden Psychologin.
Es ist die Antwort auf einen Brief von mir.
Sie schrieb: "... zum Glücklich sein!"

Auf einem Foto ist ein entspannt dösender, honigfarbener Labrador zu sehen, unter dessen Schlappohr sich ein grau-weiß getigertes Katzenkind anschmiegt.

Wenn ich es anschaue, geht mir das Herz auf.


Wertvoll und bis heute unterstützend und ebenfalls in das oben erwähnte Wandbild eingearbeitet, habe ich auch den Antwortbrief des Amtsrichters, der vormals über meine Betreuung entschieden hatte und diese später auf meine Bitte
wieder aufhob. Ihn hatte ich nach 10 Jahren wissen lassen, dass es mir gelungen ist, mir eine neue Existenz aufzubauen.


... und dann gibt es noch das kleine Buch mit dem Titel "Vertrau auf dich".
Es ist das Abschiedsgeschenk meiner ehem. Betreuerin.
Ein Psychologe nannte es eine Trophäe.
Seither hängt es an der Wand.


Gibt es in Eurem Leben mit der Bipolaren Störung neben belastenden Erfahrungen und Erinnerungen auch Erlebnisse und Dinge, an die Ihr gerne zurückdenkt und die nachhaltig unterstützend wirken?

Ich würde mich freuen, davon zu erfahren.

Viele Grüße

Deborah
w, *1947

erkrankt 1993 - Diagnose 2002
ab diesem Zeitpunkt erstmals mit Medikamenten frei von Manien und Depressionen



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Wer etwas will, sucht Wege.
Wer etwas nicht will, sucht Gründe.

Es ist manchmal besser, überhaupt nicht zu denken, als intensiv und falsch zu denken.
(George Bernhard Shaw)

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5-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.08.20 11:48.
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Deborah 426 25. 08. 2020 11:39

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Skandal 118 25. 08. 2020 12:46

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Milla 102 25. 08. 2020 16:50

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Mexx55 119 25. 08. 2020 20:44

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Deborah 119 26. 08. 2020 05:58

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Milla 89 27. 08. 2020 07:45

@ Milla

Deborah 95 27. 08. 2020 10:51

@deborah

Milla 139 27. 08. 2020 15:07



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