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        <title>Eine Engelsgeschichte ...</title>
        <description> Der Engel, der Busfahrerin werden wollte

Eigentlich wollte sie Busfahrerin werden. Weil man da immer unterwegs ist. 
Das mag sie, unterwegs zu sein. Und Menschen mag sie auch. 
Als Busfahrerin sollte man Menschen mögen, sonst ärgert man sich bloß über die vielen Fragen. 

Ob der Bus auch zum Hauptbahnhof fährt. Ob das hier die Linie Fünf ist. Wo man am besten aussteigt, 
wenn man zur Konzerthalle will. Man könnte sich auch über die Omi ärgern, die eine halbe Stunde braucht, 
um einzusteigen oder über die lauten Schülerinnen oder über die Fußballfans, die Türblockierer, Kekskrümler, 
das brüllende Baby. Über Menschen kann man sich immer ärgern. 

Aber so ist sie nicht. Sie mag Menschen. Und sie stellt es sich schön vor, jeden an sein Ziel zu bringen. 
Als ob man ein Puzzle zusammensetzt. Den nervösen Mann zu der Frau, die im Ofen ein Käsesoufflé hat. 
Die Omi zu einem Rendezvous. Den schwitzenden Jugendlichen zu seinem ersten Vorstellungsgespräch. 
Das vornehm gekleidete Paar in die Oper. Die Japaner zum Fernsehturm. Den Mann mit dem Buch in 
seine stille Wohnung. Am Abend ist die Welt geordnet. 
So stellt sie sich den Alltag einer Busfahrerin vor.

Aber dann wurde sie Engel. Es ergab sich so.

*

&amp;quot;Oh&amp;quot;, sagen die Leute, wenn sie das hören, &amp;quot;da haben sie aber eine große Verantwortung!&amp;quot; 
Sie wird dann etwas verlegen, weil es ihr unangenehm ist, wenn sie im Vordergrund steht. 
Dann weiß sie nicht, was sie sagen soll. Sie lächelt schüchtern: &amp;quot;Es geht. Man bringt 
Leute dorthin, wo sie hin sollen. Eigentlich nichts anderes als Bus fahren.&amp;quot;

&amp;quot;Und die Flügel?&amp;quot; fragen die Leute, denn sie haben noch nie eine Busfahrerin mit Flügeln gesehen. 
&amp;quot;Die habe ich noch nie getragen. Meistens nehme ich das Fahrrad.&amp;quot;

Dann wenden sich die Leute ab, denn Fahrrad fahren können sie selber, dafür brauchen sie keinen Engel.
Ihr macht das nichts. Ohnehin ist sie lieber inkognito unterwegs. Da stören Flügel bloß.

Überhaupt ist das Leben eines Engels unspektakulärer als man denkt. Sie erhält einen Auftrag. Denn füllt sie aus. 
Dann geht sie wieder. Wie eine Busfahrerin. Die legt eine Route ja auch nicht selber fest. Oder ein Postbote. 
Der bringt die Briefe, die andere schreiben. Als Engel ist man eine Dienstleiterin. Sie mag das.

&amp;quot;Aber woran erkennt man sie denn?&amp;quot;, fragen die Leute. &amp;quot;Sie tragen ja nicht mal eine Uniform. 
Dabei sollten Sie das! Woher soll man denn sonst wissen, dass Sie ein Engel sind?&amp;quot;

Sie lächelt dann bedauernd, denn sie kennt das Dilemma. 
Einmal klingelte sie an der Tür im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses. 
Auf der Fußmatte stand ...

Fortsetzung folgt ...


(Auszug aus dem Buch &amp;quot;Fliegen lernen&amp;quot; von Susanne Niemeyer,
wiedergegeben mit dem Einverständnis der Autorin.)</description>
        <link>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723771#msg-723771</link>
        <lastBuildDate>Thu, 08 Oct 2026 12:38:14 +0200</lastBuildDate>
        <generator>Phorum 5.2.18</generator>
        <item>
            <guid>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723779#msg-723779</guid>
            <title>Teil 2 der Engelsgeschichte ...</title>
            <link>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723779#msg-723779</link>
            <description><![CDATA[ <b>Der Engel, der Busfahrerin werden wollte.<b></b></b><br />
<br />
...<br />
<br />
Sie lächelt dann bedauernd, denn sie kennt das Dilemma.<br />
Einmal klingelte sie im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses.<br />
Auf der Fußmatte stand &quot;Come back with Pizza&quot;.<br />
Ein Mann öffnete und sah sie misstrauisch an.<br />
<br />
Höflich sagte sie: &quot;Guten Tag. Ich bin ein Engel.&quot;<br />
Der Mann kniff die Augen zusammen.<br />
&quot;Kommen Sie von den Zeugen Jehovas?&quot;<br />
<br />
Sie wußte nicht, wer das ist, aber dem Blick des Mannes nach zu urteilen, waren sie nicht beliebt.<br />
&quot;Nein, ich habe eine Botschaft für Sie. Darf ich reinkommen?&quot;<br />
&quot;Kann ja jeder sagen. Und dann klauen Sie mein Sparbuch&quot;, schnauzte der Mann.<br />
&quot;Denken Sie, ich bin doof? Schreiben Sie mir eine E-Mail!&quot; Er knallte die Tür zu.<br />
Vielleicht hätte sie Pizza mitbringen sollen.<br />
<br />
*<br />
&quot;Wenn Sie ein Engel sind, dann tun Sie gefälligst was! <br />
Retten Sie Leute, verhindern Sie Verkehrsunfälle, Raubüberfälle und Liebeskummer!<br />
Sorgen Sie dafür, dass die Welt ein besserer Ort wird!&quot;<br />
Solche Sachen hört sie als Engel dauernd.<br />
Sie versucht dann zu erklären, dass hier ein Missverständnis vorliegt:<br />
Dies ist nicht die Aufgabe der Engel, sondern der Menschen.<br />
<br />
*<br />
Einmal war sie im Krankenhaus. <br />
Leise betrat sie eines der Zimmer.<br />
In der Mitte stand ein einzelnes Bett. <br />
Ein Mann lag darin. Er sah sehr krank aus.<br />
Seine Frau saß auf der Bettkante und sah sie hoffnungsvoll an.<br />
&quot;Es gibt doch Wunder, oder?&quot;<br />
<br />
Sie fühlte sich unwohl. &quot;Ja&quot;, sagte sie zögernd.<br />
Und dann leiser: &quot;Aber manchmal sehen sie nicht aus wie Wunder.&quot;<br />
<br />
*<br />
Ihren Namen nannte sie nicht.<br />
Ihr Gesicht vergißt man wieder.<br />
Ihr Schritt ist lautlos.<br />
<br />
Manchmal wollen die Leute mit ihr handeln.<br />
Wenn es schlimm wird, schreien sie und schimpfen.<br />
Aber sie kann nichts ändern. Sie kann nur da sein. Das aber kann sie gut.<br />
<br />
*<br />
Es dämmert bereits. Ihr macht die Dunkelheit nichts aus. Wo sie ist, ist es hell.<br />
Aber das Mädchen ist so klein, und es wirkt verloren inmitten der finsteren Bäume.<br />
Als es sie entdeckt, fragt es: &quot;Musst du nicht nach Hause? Es wird schon dunkel.&quot;<br />
Sie schüttelt den Kopf. &quot;Ich muss doch aufpassen.&quot;<br />
&quot;Auf wen?&quot;<br />
&quot;Auf alle.&quot;<br />
<br />
Das Mädchen schaut sie neugierig an.<br />
Es hält etwas im Arm. Ein Schaf.<br />
Es fragt: &quot;Und wer paßt auf dich auf?&quot;<br />
&quot;Das müssen alle anderen tun.&quot;<br />
<br />
*<br />
&quot;Engel&quot;, sagen die Leute, &quot;so ein schöner Beruf. Und so sinnvoll. Sind Sie ein Schutzengel?&quot;<br />
Die mögen die Leute am liebsten. Sie denken, dann sind sie in Sicherheit. Aber Sicherheit hat sie nicht.<br />
Manchmal bedauert sie das. Sie hat nichts in der Hand. Sie ist da. Selbst da, wo man sie nicht erwartet.<br />
<br />
<br />
<i>Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich <br />
behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich <br />
auf den Händen tragen und du deinen Fuß <br />
nicht an einen Stein stößt.<i></i></i><br />
<b>Psalm 91, 11-12<b></b></b><br />
<br />
<br />
Der Engel hat sich an der Zuganzeige zu schaffen gemacht.<br />
Ich sehe ihn nicht, aber die Zahlen schieben sich nach vorn.<br />
Fünfzehn Minuten Verspätung. Zwanzig Minuten Verspätung.<br />
Ich wollte den frühen Zug nehmen, weil ich es eilig habe.<br />
Der Engel drückt mich sanft in die Knie. <br />
<br />
Ich hocke mich auf eine Stufe weit hinten am Endes des Gleises, wo niemand ist außer mir. <br />
Das Handy nimmt er mir aus der Hand. Ich will protestieren, doch die Sonne blendet mich, <br />
ich schließe die Augen und vergesse, was ich wollte<br />
<br />
<br />
(... aus &quot;Fliegen lernen&quot; von Susanne Niemeyer,<br />
wiedergegeben mit dem Einverständnis der Autorin)]]></description>
            <dc:creator>Deborah</dc:creator>
            <category>Off-Topic Forum</category>
            <pubDate>Fri, 26 Dec 2025 03:25:19 +0100</pubDate>
        </item>
        <item>
            <guid>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723775#msg-723775</guid>
            <title>Re: Eine Engelsgeschichte ...</title>
            <link>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723775#msg-723775</link>
            <description><![CDATA[ Hallo Deborah, <br />
<br />
die Geschichte fängt schön an. Bin schon gespannt wie es weitergeht. Danke fürs Teilen.<br />
<br />
Liebe Grüße]]></description>
            <dc:creator>Ver-rückt</dc:creator>
            <category>Off-Topic Forum</category>
            <pubDate>Thu, 25 Dec 2025 13:10:30 +0100</pubDate>
        </item>
        <item>
            <guid>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723771#msg-723771</guid>
            <title>Eine Engelsgeschichte ...</title>
            <link>https://www.bipolar-forum.de/read.php?10,723771,723771#msg-723771</link>
            <description><![CDATA[ <b>Der Engel, der Busfahrerin werden wollte<b></b></b><br />
<br />
<b>Eigentlich wollte sie<b></b></b> Busfahrerin werden. Weil man da immer unterwegs ist. <br />
Das mag sie, unterwegs zu sein. Und Menschen mag sie auch. <br />
Als Busfahrerin sollte man Menschen mögen, sonst ärgert man sich bloß über die vielen Fragen. <br />
<br />
Ob der Bus auch zum Hauptbahnhof fährt. Ob das hier die Linie Fünf ist. Wo man am besten aussteigt, <br />
wenn man zur Konzerthalle will. Man könnte sich auch über die Omi ärgern, die eine halbe Stunde braucht, <br />
um einzusteigen oder über die lauten Schülerinnen oder über die Fußballfans, die Türblockierer, Kekskrümler, <br />
das brüllende Baby. Über Menschen kann man sich immer ärgern. <br />
<br />
Aber so ist sie nicht. Sie mag Menschen. Und sie stellt es sich schön vor, jeden an sein Ziel zu bringen. <br />
Als ob man ein Puzzle zusammensetzt. Den nervösen Mann zu der Frau, die im Ofen ein Käsesoufflé hat. <br />
Die Omi zu einem Rendezvous. Den schwitzenden Jugendlichen zu seinem ersten Vorstellungsgespräch. <br />
Das vornehm gekleidete Paar in die Oper. Die Japaner zum Fernsehturm. Den Mann mit dem Buch in <br />
seine stille Wohnung. Am Abend ist die Welt geordnet. <br />
So stellt sie sich den Alltag einer Busfahrerin vor.<br />
<br />
Aber dann wurde sie Engel. Es ergab sich so.<br />
<br />
*<br />
<br />
&quot;Oh&quot;, sagen die Leute, wenn sie das hören, &quot;da haben sie aber eine große Verantwortung!&quot; <br />
Sie wird dann etwas verlegen, weil es ihr unangenehm ist, wenn sie im Vordergrund steht. <br />
Dann weiß sie nicht, was sie sagen soll. Sie lächelt schüchtern: &quot;Es geht. Man bringt <br />
Leute dorthin, wo sie hin sollen. Eigentlich nichts anderes als Bus fahren.&quot;<br />
<br />
&quot;Und die Flügel?&quot; fragen die Leute, denn sie haben noch nie eine Busfahrerin mit Flügeln gesehen. <br />
&quot;Die habe ich noch nie getragen. Meistens nehme ich das Fahrrad.&quot;<br />
<br />
Dann wenden sich die Leute ab, denn Fahrrad fahren können sie selber, dafür brauchen sie keinen Engel.<br />
Ihr macht das nichts. Ohnehin ist sie lieber inkognito unterwegs. Da stören Flügel bloß.<br />
<br />
Überhaupt ist das Leben eines Engels unspektakulärer als man denkt. Sie erhält einen Auftrag. Denn füllt sie aus. <br />
Dann geht sie wieder. Wie eine Busfahrerin. Die legt eine Route ja auch nicht selber fest. Oder ein Postbote. <br />
Der bringt die Briefe, die andere schreiben. Als Engel ist man eine Dienstleiterin. Sie mag das.<br />
<br />
&quot;Aber woran erkennt man sie denn?&quot;, fragen die Leute. &quot;Sie tragen ja nicht mal eine Uniform. <br />
Dabei sollten Sie das! Woher soll man denn sonst wissen, dass Sie ein Engel sind?&quot;<br />
<br />
Sie lächelt dann bedauernd, denn sie kennt das Dilemma. <br />
Einmal klingelte sie an der Tür im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses. <br />
Auf der Fußmatte stand ...<br />
<br />
Fortsetzung folgt ...<br />
<br />
<br />
(Auszug aus dem Buch &quot;Fliegen lernen&quot; von Susanne Niemeyer,<br />
wiedergegeben mit dem Einverständnis der Autorin.)]]></description>
            <dc:creator>Deborah</dc:creator>
            <category>Off-Topic Forum</category>
            <pubDate>Thu, 25 Dec 2025 07:14:26 +0100</pubDate>
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