Trauma / Stabilisierung, Konfrontation, Integration

10. 07. 2018 09:11
Es war so Mitte 2009 herum, als ich den Psychiater darauf ansprach und er mir das antwortete, also schon eine ganze Weile her. Kann mich nicht mehr an die genaue Wortwahl erinnern. Aber er sagte so etwas wie das es auch schwer ist einzuschätzen, ob man etwas wirklich endgültig integriert hat und langfristig hinter sich lassen kann oder es nicht doch nochmals hoch kommen und einen überwältigen kann.

Für mich war mein erster Psychiatrieaufenthalt im Jahr 2007 mit Abstand das Schlimmste, was mir je passiert ist. Und ich meine... auch etwas, was mich in der Gegenwart irgendwo empfänglicher für Kritik und Belastungen macht. Da Versuche ich gerade einen guten Umgang mit zu finden. Schwanke da aktuell etwas dazwischen, mich eher dem Geschehenen zuzuwenden oder aber mich auf Ziele in der Zukunft zu konzentrieren, ob es dadurch auszublenden. Zuwendung (zur Vergangenheit) wäre meine ich aber die bessere Strategie als Abwendung (von der Vergangenheit).

Hatte es neulich mit meiner Psychologin darüber. Hab mich seit 2009 mit Traumatherapie befasst, wo ich mit relativ widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Manche predigen Stabilisierung, Stabilisierung, Stabilisierung und dann in ferner Zukunft mal Konfrontation (mit der traumatischen Erfahrung). Wobei diese Konfrontation oft gar nicht mehr notwendig sei. Dann gibt es Modelle wie die Zeitperspektiven-Therapie nach Zimbardo, die sich auf Traumata bezieht und in der Konfrontation überhaupt nicht vorgesehen ist. Und es gibt Traumatherapeuten, die im Gegensatz dazu dazu sagen: "Konfrontation steht im Vordergrund, sollte möglichst schnell und immer wieder gemacht werden." Diese Linie wird etwa von Ellen Bass und Laura Davis in ihrem Buch "Trotz allem" gefahren, dass viele Menschen als hilfreich empfanden.

Meiner jetzigen Meinung ist so ein Mittelding die richtige Lösung. Viktor Frankl (1905-1997) hat etwa seine Erfahrung im Konzentrationslager immer wieder thematisiert und darauf Bezug genommen. Gleichsam aber auch stetig in die Zukunft und Möglichkeiten in der Gegenwart geblickt. In seinem Buch "... trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager" kann er sogar hilfreiche (Über)Lebebensstrategien gerade dadurch vermitteln, dass er seine KZ-Erfahrung als Beispiel für deren Anwendung heranzieht.

Denke das Dorothea Buck (geboren 1917 und noch nicht gestorben) zwischen 1936 und 1959 fünf Psychosen und anschließend (ohne Medikamente!) nie wieder eine hatte, hat auch sehr viel damit zu tun, dass sie ne ganz ähnliche Schiene fährt. Die Vergangenheit immer wieder thematisiert, darüber spricht und daran erinnert, sich gleichsam aber auch in der Gegenwart einsetzt und auf die Zukunft hin arbeitet. Sowohl vor als auch nach ihrem 1990 erschienen Buch "Auf der Spur des Morgensterns. Psychose als Selbstfindung" hat sie Texte zum Thema veröffentlicht. Und hat sich anderweitig im Bereich Psychiatrie engagiert. War z. B. sowohl an der Entstehung der "Psycho-Seminare" seit 1989 als auch der Gründung des Bundesverbands Psychiatrieerfahrener e. V. im Jahr 1992 beteiligt.

Auf die Art macht man denke ich auch eine Art "Reframing". Das Wort Reframing stammt aus der Psychotherapie und meint, etwas Negatives in einem neuen Kontext zu sehen und ihm dadurch eine positive Bedeutung geben zu können.

Ach ja. Beinahe hätte ich vergessen, darauf einzugehen, wie meine Psychologin antwortete. Sie meinte, der heute verbreitete Konsens in der Fachwelt sei, dass schnelle Konfrontation und viel Konfrontation wichtig sei. Und im Vordergrund stünde. Aber bei mir sei sie sich aufgrund meiner Diagnose und dem damit verbundenen Mangel an Stabilität nicht sicher, was der richtige Weg sei.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.18 09:15.
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dry 1173 28. 06. 2018 09:31

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Tigger 254 28. 06. 2018 10:52

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dry 246 28. 06. 2018 11:08

Re: Nachtrag / 1. Auflage / September 2018

Tigger 210 28. 06. 2018 13:17

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soulvision 233 28. 06. 2018 12:42

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Geschwindigkeit/Schritte beim Reduzieren

dry 109 08. 07. 2018 12:56

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Friday 105 08. 07. 2018 12:58

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soulvision 92 10. 07. 2018 14:14

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kirrumsl 170 28. 06. 2018 18:59

Psychose ging ohne Medikamente vorüber...

dry 181 28. 06. 2018 20:09

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tschitta 190 29. 06. 2018 08:25

Verdrängung:

tschitta 196 29. 06. 2018 08:45

"dennoch die Krankheit ist nicht weg"

dry 141 30. 06. 2018 11:39

Re: "dennoch die Krankheit ist nicht weg"

tschitta 176 30. 06. 2018 20:07

Heilbarkeit von Psychosen?

Sozialarbeiter84 143 08. 07. 2018 16:20

Re: Heilbarkeit von Psychosen?

tschitta 118 08. 07. 2018 18:01

Re: Heilbarkeit von Psychosen?

Sozialarbeiter84 112 09. 07. 2018 04:56

Re: Heilbarkeit von Psychosen?

Friday 108 09. 07. 2018 17:42

Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

Sozialarbeiter84 104 09. 07. 2018 19:05

Re: Komorbidität bei Psychosen / HOCHSENSIBILITÄT

A20213 127 09. 07. 2018 19:39

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Sozialarbeiter84 101 09. 07. 2018 19:59

Stress Reduktion

Sozialarbeiter84 101 09. 07. 2018 20:17

Re: Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

martha2 113 09. 07. 2018 19:44

Re: Komorbidität bei Psychosen / Peter Lehmanns Buch

tschitta 93 10. 07. 2018 08:17

Trauma / Stabilisierung, Konfrontation, Integration

Sozialarbeiter84 108 10. 07. 2018 09:11

Re: Trauma / Stabilisierung, Konfrontation, Integration

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Medikamente und Trauma

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tschitta 151 10. 07. 2018 16:19

Vier Beispiele zum Thema Medikamente

Sozialarbeiter84 140 10. 07. 2018 19:02

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Eisbaer 103 11. 07. 2018 08:07

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Sozialarbeiter84 117 11. 07. 2018 10:07

Zu unvorhersehbaren Ereignissen

Sozialarbeiter84 88 11. 07. 2018 13:27

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caribeso 121 12. 07. 2018 01:18

Sorgen

dry 115 12. 07. 2018 06:19

Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Sozialarbeiter84 99 12. 07. 2018 11:53

Re: Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Eisbaer 141 12. 07. 2018 12:00

Re: Vergessen der Frühwarnzeichen / Warum Absetzen?

Eisbaer 186 13. 07. 2018 08:59



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