Bipolar II und Studium

10. 06. 2018 11:14
Hallo,

ich bin neu in diesem Forum.

Achtung! Das Folgende ist etwas langatmiger! Zum besseren Verständnis.

Vor Kurzem wurde bei mir eine bipolare Störung II (Var. rapid cycling) in Verbindung mit einer ego-state-disorder - zu deutsch komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen - und dissoziativen Störungen (Var. noch nicht definiert) durch meine Psychiaterin diagnostiziert. Und ich so „Japp, alles klar!“

Hm… was nun?!?

Seit 2013 bin ich bei meiner Psychiaterin in Behandlung. Wie schon oft gelesen, wurde auch bei mir die BS II nicht sofort erkannt. Eine rezidivierende depressive Störung hieß es als Erstes.
Nachdem allerdings verschiedene Antidepressiva nur mäßig halfen, kam man zu dem Schluss, es ist eine BS II.

Kurz zu mir:
Ich bin weibl., 37 Jahre alt, lebe in einer Wohngemeinschaft mit meinem besten Freund schon seit 15 Jahren. Ich stamme aus einer Familie mit Migrationshintergrund. Ich studiere Jura. Schon im 15. Semester. Habe gerade mal die Zwischenprüfung in der Tasche, was auch schon vier Jahre (!) zurückliegt. Sonst leider keine weiteren Leistungen. Zudem arbeite ich in Teilzeit.

Das Studium ist derzeit eine meiner größten Sorgen. Klar könnte man sagen, dass ich es abbrechen soll, aber was dann? Ich kann gerade mal ein Abi nachweisen. Sonst nichts. Ich muss dazu sagen, dass ich mir all meine Abschlüsse auf der Volkshochschule und auf dem zweiten Bildungsweg - neben der regulären Arbeit – erworben habe. Duale Berufsausbildungen wurden zwar ausprobiert, waren für mich jedoch nicht wirklich was. Also blieb mir quasi nichts anderes übrig, als mich für ein Studienfach zu entscheiden. An der Stelle ist noch zu erwähnen, dass es mir - im realen Leben - unheimlich schwer fällt, mich in Gruppen unterzuordnen. Möglicherweise ein Ausdruck der BS II?! Auch daher ist so ein Studium optimal. Man lernt autodidaktisch.

Die besagte Zwischenprüfung hat derart an meinen Kräften gezerrt, dass ich danach einsehen musste, irgendwas stimmt mit mir und meiner Stressresistenz nicht. Dann der Schritt zu meiner Ärztin.
Wir sind derzeit noch auf der Suche nach dem richtigen Medikament. Zu Anfang nahm ich Lamotrigin, was ich leider nicht vertrug. Seit gestern nehme ich Valproat in niedrigen Dosen. Es stehen noch ein Reihe weiterer Alternativen sowie eine ambulante Therapie an.

Bis jetzt dachte ich, dass ich einfach nicht gut und oft genug gelernt habe, weshalb meine Zensuren so schlecht waren. Rein notenmäßig sieht alles gerade so aus, als hätte man es mit einer Versagerin zu tun. Ich muss es irgendwie noch realisieren, dass es einfach nicht an mir lag, die nötige Disziplin aufzubringen. Man wird ja so schnell so gnadenlos von der Gesellschaft verurteilt, wenn man keine, mit dem Auge wahrnehmbaren Krankheiten hat. Man wird als faul abgestempelt. In meinen Augen ein absolut unsoziales und verwerfliches Verhalten.

Manchmal möchte ich das Studium einfach hinschmeißen, weil ich denke, es hat alles keinen Sinn mehr. In solchen Momenten denke ich, den Abschluss mache ich, aufgrund meines derzeitigen Unvermögens , wahrscheinlich sowieso nicht. Zum Glück, und man muss wirklich sagen „Glück“ habe ich einen Partner, der mich immer wieder auffängt. Dieses Privileg hat nicht jeder.

Jura ist eines der wenigen Studienfächer, das mich überhaupt interessiert und ich würde sogar behaupten, dass ich ein gewisses Talent für die Materie habe, auch wenn es derzeit objektiv nicht so aussieht. Auch kann ich mir sehr gut vorstellen, Menschen zu beraten und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen, unabhängig von meinen persönlichen Problemen mit Menschen. Daher kann ich mich davon nicht trennen.

Meine Ärztin ist der Meinung, dass man Jurastudium, Arbeit und ggf. Therapie schaffen kann, allerdings nur (!) mit dem richtigen Medikament in der richtigen Dosis (zum Glück habe ich eine erwischt, die auch kreativ wird, wenn konventionelle Methoden scheitern, anstatt den Patienten einfach „weiterzureichen“).

Theoretisch hört es sich plausibel an, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Gibt es hier Menschen, die unter BS (II) leiden (Diagnose vor Studienbeginn oder während des Studiums) und ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben? Wie kamt Ihr damit klar? War es gerade so zu schaffen? Habt Ihr während des Studiums eine Therapie gemacht? Was könnt Ihr rückblickend sagen? Was hättet Ihr besser oder anders gemacht?
Wie sieht Euer leben sonst aus? Könnt Ihr auch vollumfänglich in Euren Berufen arbeiten, d.h. hat Euch Euer Studienabschluss dahingehend etwas gebracht? Habt Ihr Familie und könnt Ihr Beruf und Familie unter einen Hut bringen? Seid Ihr stressresistent wie alle anderen, nicht an BS erkrankten, Menschen?

Ich bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar!

Gruß
Gratia
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Bipolar II und Studium

Gratia 694 10. 06. 2018 11:14

Re: Bipolar II und Studium

dino 163 10. 06. 2018 13:54

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 146 10. 06. 2018 14:13

Re: Bipolar II und Studium

dino 127 10. 06. 2018 17:28

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 115 10. 06. 2018 17:55

Bedenken

nebulos 142 10. 06. 2018 17:01

Re: Bedenken

Gratia 107 10. 06. 2018 17:47

Re: Bipolar II und Studium

Bipu 113 10. 06. 2018 20:12

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 94 11. 06. 2018 08:25

Re: Bipolar II und Studium

dino 77 11. 06. 2018 14:23

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 79 11. 06. 2018 15:19

Re: Bipolar II und Studium

Caroline1234 92 11. 06. 2018 15:20

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 102 11. 06. 2018 15:36

Re: Bipolar II und Studium

dino 92 11. 06. 2018 17:56

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 107 11. 06. 2018 18:28

Re: Bipolar II und Studium

RoManiac 79 15. 06. 2018 10:59

Re: Bipolar II und Studium

dino 104 15. 06. 2018 12:30

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 78 17. 06. 2018 12:37

Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

Lichtblick 85 17. 06. 2018 21:48

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

Gratia 80 17. 06. 2018 22:24

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

dino 72 18. 06. 2018 09:26

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

Gratia 68 18. 06. 2018 10:44

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

Gratia 71 18. 06. 2018 10:58

Behaupten kann jeder alles, stimmen muss nichts

Lichtblick 58 18. 06. 2018 19:45

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

A20213 67 18. 06. 2018 20:21

Bipolare Reizbarkeit

Lichtblick 54 18. 06. 2018 20:48

Re: Bipolare Reizbarkeit

tschitta 51 18. 06. 2018 21:08

Re: Bipolare Reizbarkeit

Lichtblick 49 18. 06. 2018 21:10

Re: Bipolare Reizbarkeit

tschitta 51 18. 06. 2018 21:13

Re: Bipolare Reizbarkeit

Lichtblick 46 18. 06. 2018 21:23

Re: Bipolare Reizbarkeit

tschitta 44 18. 06. 2018 21:52

Re: Bipolare Reizbarkeit

Lichtblick 41 18. 06. 2018 21:55

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

nebulos 96 17. 06. 2018 22:38

Re: Die Krankheit muss vorne stehen, nicht das Studium

Gratia 88 18. 06. 2018 11:04

Re: Bipolar II und Studium

dino 88 18. 06. 2018 11:45

Re: Bipolar II und Studium

Gratia 89 18. 06. 2018 12:11

Re: Bipolar II und Studium

kinswoman 71 18. 06. 2018 19:03

Re: Bipolar II und Studium

nebulos 94 18. 06. 2018 14:29

@dino & Lichtblick

nebulos 61 18. 06. 2018 22:00

Re: Bipolar II und Studium

tschitta 52 18. 06. 2018 21:43

an tschitta

Lichtblick 50 18. 06. 2018 21:48

Re: an tschitta

tschitta 54 18. 06. 2018 21:58

Re: Bipolar II und Studium

tschitta 65 18. 06. 2018 23:58

Re: Bipolar II und Studium

tschitta 91 19. 06. 2018 09:01



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen