Bipo II - Uneindeutige Diagnose

30. 05. 2018 18:14
Hallo,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit meinem Post.
Also, ich beginne mit dem aktuellsten: Ich habe an der Charité kürzlich bei einer Therapeutin in Ausbildung eine umfrangreiche Diagnose in Bezug auf Bipolarität gemacht.
Ihre Auswertung war, dass eine stärkere Tendenz besteht,dass ich Bipo II haben könnte, es jedoch nicht zu 100% eindeutig ist.
Die Diagnostik habe ich auf Anraten meines Verhaltenstherapeuten gemacht.
Ich besuche jetzt alle 4 Wochen eine Ärztin der Bipo-Sprechstunde an der Charité.

Allerdings verwirrt mich die schwammige Aussage und lässt mich an der Richtigkeit der Diagnose zweifeln.
Ich habe ADHS und eine Angststörung als weitere Erkrankungen.

Den Verdacht, Bipolar sein zu können, habe ich bereits mit 16 gehegt.
Da ich aber damals keine therapeutische Hilfe bekam, habe ich den Gedanken verworfen.

Warum ich ihn bei meinem Therapeuten wieder "rausgekramt" habe war eine sehr unnormale Phase, die den ganzen Januar andauerte.

Ich habe diese Hochphasen mein ganzes Leben lang, aber sie kamen nicht oft und dauerten nicht sehr lange.
Immer wenn ich merke, dass so eine Phase kam, habe ich mir gedacht "Jetzt kommt wieder so eine Super-Phase". Ich habe überaupt nicht mehr an Bipolarität gedacht, habe aber wohl bemerkt, dass diese Hypomanien eben etwas Besonderes sind und freute mich darüber.

Sylvester 2017 fing es an, ich war echt gut drauf, obwohl es mir vorher nicht so gut ging.
Ein guter Freund, bei dem ich feierte, lieh mir ein Gerät für Musikproduktion, weil das ein kleines Hobby von mir war.
Dadurch wurde ich so richtig hochgepuscht, es ging komplett ab.
Ich hatte tausend Projekte, gleichzeitig habe ich noch vollzeit mein Abitur nachgemacht.
Die letzten Ferientage verbrachte ich damit, mich mit Musik zu vergnügen, aber die Aufgedrehtheit schoss ins maßlose. Rasende Gedanken, Millionen Ideen, alles war witzig. Ich redete den ganzen Tag mit mir selbst, musste dauernd lachen.
Ich bekam große Visionen von Erfolg, in der Schule, als Künstler.
Ich fühlte mich hübsch und sexy und dachte, ich bin der Mensch, der einfach alles rockt. Ich wollte wo ich ging und stand eine Party lostreten.
Ich schrieb eine Hausaufgabe voll Energie und war von meiner eigenen arbeit so begeistert, dass ich sie einem Komiltonen schicken wollte, der in Deutsch etwas Hilfe brauchte, weil ich überzeugt war, ich müsse dieses Werk teilen.
Ja, ich wollte unbedingt von mir ein Video aufnehmen wo ich zu Musik mein Zimmer putze und es hochladen, aber ich kann sagen, Gott sei Dank habe ich das wegen der vielen Arbeit nicht geschafft.

Doch die Medaille hatte auch ihre Kehrseite.
Ich war mehr als normal gereizt. Ich hatte zutun! So vieles! Ich wollte mich bewegen, kaute Kaugummi wie blöde um irgendwie Energie abzubauen.
An der kasse zu stehen trieb mich in den Wahnsinn, warten - ein Albtraum!
Rote Ampeln hätte ich am liebsten mit einer Axt abgehauen.
In der Schule musste ich alles unterdrücken. Ich hätte reden und tanzen und lachen können. Ich war kurz davor, in einer Freistunde vorne meine lieblingsmusik anzumachen und dazu zu tanzen - vor den anderen. Habe das mit Ach und krach unterdrückt. (Denke, dass dies die Hypomanie von der manie unterscheidet).
Ich kippelte und hibbelte auf den Stühlen und war gequält, dass ich im Unterricht stillsitzen musste.
Aber meine Leistungen litten nicht, ich war sehr gut dabei.
Jedoch - für mich ganz untypisch - schlaflos bis 2,3 Uhr nachts als jemand, der normalerweise um 11 uhr schläft.
Ich lag nachts wach und meine Gedanken rasten, mein eigener Kopf überforderte mich, der Zustand wurde stellenweise qualvoll und ich wünschte mir ein Beruhigungsmittel.

Das allein war der Grund, es überhaupt bei meinem Therapeuten anzusprechen.
Ich wollte nur ein Bedarfsmediament, das mich runterholt, mich schlafen lässt in dieser Zeit, weil mich der Zustand stellenweise überforderte.

Ich hatte so eine Art Zustand auch im Sommer 2017, nach einigen Wochen in denen ich Suizidgedanken hegte, aber auch der war nicht so lang und so stark.
Wenn man nun postulieren will, dass ich Bipolar bin, habe ich im Januar vielleicht schon an der Manie gekratzt, ich weiß nicht.
Ich erinnere mich ganz klar an immer wieder solche Zustände seitdem ich so 11,12 Jahre bin, die jedoch nicht so lange andauerten wie der im Januar und nicht mit so einem starken Selbstbewusstsein einhergingen.
Oft genug aber wurde ich auch schon von Freunden oder meiner Familie in diesen Zeiten auf meine übermäßige Aufgedrehtheit angesprochen.

Jedenfalls ist meine Zeit am Kolleg zu ende und ich rutschte in eine schwer Depressive Phase so im April, wochenlang.
Vor ca. 2 Wochen kam obendrauf ein Streit mit einem Freund.
Am nächsten Morgen darauf erschien auf einmal alles Wolke.
Die Suizidgedanken der letzten Wochen forgewischt, die Sorgen, obwohl ich gerade etwas neues Negatives erlebt hatte.
Gute Laune, aufgekratztheit - aber da ich momentan zuhause bin, hielt es sich wohl in Grenzen. Ich habe das Gefühl, wäre ich noch am Kolleg gewesen, hätte sich dieser Zustand gesteigert.
Aber seit gestern, meiner letzten Prüfung und dem offiziellen Ende meiner Zeit am Kolleg, hat es mich wieder dermaßen in die Depression geschleudert, dass ich jetzt darüber nachdenke, stationär zu gehen, weil die zwanghaften Gedanken unerträglich werden.

Nach 4 Jahren Therapie bin ich nicht dort, wo ich sein will.
Habe oft zu meinem therapeuten gesagt, mein Leben ist jetzt total okay, warum bin ich depressiv?
Ja, mein Leben war die letzten zwei Jahre super und immer wieder war ich so unglücklich.

Wichtig wäre mich noch zu sagen, dass ich bei einer mutter mit narzisstischer Pesönlichkeitsstörung aufgewachsen bin.
Emotionale vernachlässigung und Psychospielchen waren Teil der ersten 20 Jahre meines Lebens.
Und da liegt mein Zweifel.
Ich frage mich, bin ich bipolar oder ist es einfach meine Kindheit gewesen, die mich emotional "verkorkst" hat?
Bipolar wäre einfacher zu verstehen, vielleicht sogar einfacher zu behandeln, wäre mir lieber.
Aber ich bin nur am Zweifeln.

Sorry für den langen Text!
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Bipo II - Uneindeutige Diagnose

crescentmoon 547 30. 05. 2018 18:14

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

SilverPhoenix 180 30. 05. 2018 21:22

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

crescentmoon 135 31. 05. 2018 11:46

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

Irma 141 31. 05. 2018 11:59

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

tschitta 140 31. 05. 2018 13:42

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crescentmoon 118 31. 05. 2018 22:37

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

tschitta 140 01. 06. 2018 08:34

Re: Bipo II - Uneindeutige Diagnose

crescentmoon 98 02. 06. 2018 11:47

Re: Bipo I ,II oder schizoaffektiv?

FLYHIGH 195 02. 06. 2018 13:13



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