Psychose bei Angehöriger - was tun?

12. 04. 2018 00:40
Bei mir ist heute ein alte Wunde aufgerissen, die ich lange verdrängt habe. Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich eigentlich schon seit vielen Jahren Angehörige bin und mich das in meiner Kindheit geprägt hat. Die letzten Jahre habe ich mich sehr auf mich konzentriert und das mit meiner Mutter ignoriert. Denn es ist nicht ständig so und da ich schon länger nicht mehr zu Hause wohne, kriege ich das auch zum Glück nur noch selten mit.

Jetzt habe ich wieder was mitgekriegt. Ich will helfen - aber ich weiß nicht wie. Früher wurde mir immer versucht einzureden, ich hätte mir bestimmte mentale Aussetzer meiner Mutter nur eingebildet - von meiner Mutter. Meine Mutter sieht überall nur Katastrophen, bei jedem Ding im Alltag. Heute hat sie mir gesagt, sie glaubt wohl schon seit Jahren, sie hätte eine schwere Krankheit und jeder weiß davon, aber sagt ihr nix. Argumentativ dagegen ankommen: kann man vergessen. Die letzten Jahre war es immer mal wieder ein Ungezieferwahn.

Wenn ich daran appelliere, dass sie vielleicht mal eine Therapie gegen ihre Ängste machen soll, streitet sie das vehement ab.
Mich schickte sie aber schon als Teenager zum Psychologen (war auch nicht verkehrt), meinen Vater auch, weil er mal eine Zeit ein bisschen brummig war. Denn sie ist der Meinung, sie selbst sei völlig ok, nur alle anderen hielten sie für blöd. Leider hat sie null Selbstreflexion und kann kaum Fehler eingestehen, ich bin dagegen eher selbstkritisch. Dadurch konnte ich mich verrändern, eine Therapie machen, Medikamente nehmen. Aber irgendwie fehlt ihr diese Fähigkeit, es ist wirklich so als könnte sie sich nicht hinterfragen :/.

Ärzte sind wohl schon genervt von ihr (nach ihren Berichten), aber sie erzählt es so, diese würden sich vehement weigern, ihr zu sagen, was sie Schlimmes habe. Ich glaube eher: Sie akzeptiert Negativdiagnosen nicht.

Wenn ich etwas machen wollte (einen Ferienjob suchen, von zu Hause ausziehen z.B.) dann ging es immer nur darum wie fürchterlich schief das gehen wird und dass ich das ja nicht schaffen werde. Also entstand ein Drang, das Gegenteil zu beweisen bei mir und ich glaube dadurch habe ich mich damals in eine schwere Erschöpfungsdepression gearbeitet (mittlerweile habe ich den Verdacht, dass ich vielleicht eher unipolar als bipolar bin und eher dazu neige mich zu überarbeiten, aber ohne Euphorie dahinter).
Eigentlich wollte ich nur, dass mal jemand an mich und meine Selbstständigkeit glaubt.

Für mich war das nach dem Schulabschluss unlogisch: Ich war super organisiert, hatte super Noten, ein tolles Freizeitleben, half freiwillig im Haushalt, tröstete meine Mutter, aber ich sollte unfähig sein, mal einen Nebenjob zu machen oder auszuziehen?

Zum Glück wohne ich nicht mehr zu Hause und werde finanziell unterstützt, sodass ich nur einen Teil selbst zahlen muss. Ich kann es ignorieren, was ich ja jahrelang gemacht habe. Aber meine Mama hat es unnötig schwer und kann dadurch ihr Leben nicht genießen. Und später hätte ich gerne mal eine Mama für mich und eine Oma für meine zukünftigen Kinder, die nicht nur alles im Leben schwarz malt und irrationale Dinge behauptet.

Kann man einen Menschen mit Psychose überhaupt helfen, der glaubt, alle hätten sich abgesprochen, etwas zu verschweigen? Der manchmal glaubt, überall ist Ungeziefer, aber es sind nur Staubkörner. Wie? Die Selbstreflexion ist nicht da!

Mein Vater und Bruder verdrängen das eher. Von früher weiß ich: Oft lässt sie das auch eher abends raus, wenn sie Wein trinkt und reißt sich tagsüber eher zusammen. Wenn man was dagegen sagt, regt sie sich noch mehr auf, vor allem wenn es vom Umfeld kommt. Daher ist in unserer Familie so eine Art Waffenstillstand.

Es ist ja eher so seit vielen, vielen Jahren latent, ohne Konsequenzen wie Ruin, Abwendungen von Freunden wie bei akuten und plötzlichen psychischen Episoden (bei mir war das eine schwere Depression, die mich zwang, in Behandlung zu gehen). Klar, die Familie ist genervt, will davon nix hören, die Ärzte haben keinen Bock mehr auf sie. Aber das bringt ja jemanden ohne Selbstreflektion nicht dazu, etwas zu ändern oder zu erkennen, krank zu sein.

Gibt es einen Weg ihr Hilfe zu organisieren? Oder kann ich das nur weiterhin ignorieren? (Ich widerspreche ihr immer erst, dann ist es sinnlos und ich wechsele das Thema).

LG
Tagtraum :-(



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.04.18 00:48.
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