Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

10. 04. 2018 21:11
Hallo,

ich schreibe hier unter anderem einfach erst mal, um etwas loszuwerden, erst sekundär habe ich vll. ein paar Fragen.

Ich halte mein Leben kaum noch aus. Es ist der Horror. Es ginge schlimmer, aber es ist schon sehr schlimm.

Ich habe schon länger die Diagnose Bipolare Störung Typ II und kam ein paar Jahre mit einer niedrigen Dosis Seroquel gut zu recht, aber seit ich meinen Bachelor in einer Geisteswissenschaft gemacht habe (letztes Jahr) und seit meine Freundin ein Jahr im Ausland ist, ist es so schlimm wie noch nie. Ich bin fast dauerhaft depressiv. Freunde habe ich nicht, aber wozu auch. Gesunde Menschen und ich benutzen die gleichen Ausdrücke, aber nicht die gleiche Sprache. Wir leben in verschiedenen Welten. Wie sagt Wittgestein: "If a lion could talk, we would not understand him." Ja, ich sehe oberflächlich wie ein normaler Mensch aus, aber alles was mich beschäftigt sind ubiquitäre Angstzustände und Verzweiflung. Ich habe abends teils eine unspezifische Angst, teils bilde ich mir bei kleineren Symptomen schon alle möglichen Krankheiten ein (Lungenembolie, Thrombose, Herzinfarkt, Hirntumor, Myasthenie, Pseudotumor Cerebri, Hautkrebs, Schizophrenie bzw. schizoaffektive Störung).Aktuell habe ich gerade vor der schizoaffektiven Störung, dem Pseudotumor Cerebri und der Myasthenie Angst, weil mein Augenlid hängt und ich nicht mehr richtig sehe (Verschwommen) und weil ich seit vielen Monaten nur depressiv und ein Schatten meiner selbst bin. Das ist abends, wenn ich normal geradeaus gucke, am Tag ist es besser.).

Wenn ich abends Angst habe, gehe ich oft schon gegen 8 Uhr schlafen, weil ich einfach Abstand von mir selbst haben möchte. Ich habe momentan zwei kleine Jobs, die in der Summe zum Leben reichen, aber nichts sind, was eine dauerhafte Perspektive eröffnen würde, dafür kümmere ich mich immerhin um noch ne Ausbildung zum Fachinformatiker, aber ob das was wird, weiß ich noch nicht. Auf der Arbeit funktioniere ich halbwegs.

Im Dezember, als ich - wie man sich denken kann - depressiv war, habe ich zusätzlich zu den Neuroleptika SSRI versucht, aber eine Akathisie entwickelt und sie deshalb wieder abgesetzt. Im Januar, als die Panikattacken ganz schlimm wurden, war ich in der Klinik und wurde zusätzlich zu den Neuroleptika auf Lithium eingestellt. Da war ich schon Monate depressiv. Ich wurde "gebessert" entlassen, aber bin immer noch depressiv und es ist jetzt ca. 2 Monate her. Ich habe versucht, das Seroquel auszuschleichen, aber das hat nicht funktioniert. Nun nehme ich Lithium und Seroquel. Ich denke, dass mir die Medikamente etwas helfen. Die Angst ist etwas besser und ich habe manchmal ganz gute Momente, aber ich fühle mich oft auch einfach wie ein Zombie und das hängende Lid und die Sichtprobleme (s.o. verschwommenes Sehen, die ich habe, machen das alles nicht besser. Das hängende Augenlid löst bei mir eine Riesenangst vor Lithium aus und ich würde es am liebsten absetzen, aber habe Angst, dass dann alles noch schlimmer wird.)

Oft denke ich an Suizid und denke, dass es bei mir nichts mehr mit einer depressiven Kurzschlussreaktion zu tun hätte, aber natürlich setze ich das nicht um und ich weiß, dass man mit solchen Gedanken im Prinzip eh allein ist, eben weil es soziale Verpflichtungen gibt, die so ihre ethischen Gründe, aber eben auch ihre tabuisierenden Wirkungen haben. Wirklich: Ich möchte erst einmal alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen und verspreche, mir in den nächsten Monaten nichts anzutun.
Ich würde gerne eine Therapie machen, aber niemand hat einen Platz.
Ich würde sogar nochmal in eine Klinik gehen, aber ich will mir meine Jobs und meine Bewerbungsgespräche nicht vergeigen und ich habe schon einen Flug zu meiner Freundin gebucht.

Ich glaube, ich gehe morgen vor der Arbeit nochmal zum Arzt und zeige ihm das Foto (zwecks nachweis, morgens ist es oft besser) und frage ihn um Rat.

Was meint ihr? Soll ich Lithium weiternehmen? Wird das alles jemals besser?



6-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.04.18 22:50.
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Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

akoluth 641 10. 04. 2018 21:11

Re: Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

caribeso 234 10. 04. 2018 23:02

Re: Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

akoluth 278 11. 04. 2018 21:48

Re: Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

mausgold 217 10. 04. 2018 23:04

Re: Sorgen von der Seele schreiben (Seit einem Jahr dauerdepressiv und Dauerpanik)

Friday 208 11. 04. 2018 10:07



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