Vater / Bipolare Störung

28. 12. 2017 23:33
Hallo Ihr Lieben,

ich lese nun schon seit einigen Zeit in diesem Forum, mal mehr und mal weniger. Speziell in akuten
Phasen ist es eine große Hilfe für mich, besser mit der Krankheit umzugehen. Momentan stecke ich
wieder in dieser Situation.

Bei meinem Vater wurde im Januar 2014, mit 50 Jahren, die bipolare Störung diagnostiziert. Es war
für meine Mutter und für mich, ein Ritt durch die Hölle! Mein Vater ist selbstständig, seine Arbeit und
sein Ansehen waren ihm immer sehr wichtig. Sein 50.Geburtstag näherte sich, er wollte es sich und
allen beweisen zu was er es geschafft hat. Innerhalb kürzerster Zeit, wurde unser Haus renoviert ...
Schlaf wurde überwertet, auch Alkohol spielte in der Phase ein Rolle. Sein „Feierabendbier“ wurde
immer getrunken, oftmals blieb es aber nicht dabei, speziell in dieser Phase.

An seinem 50.Geburtstag war er so aktiv, redselig und für mich anstrengend, dass ich die Feier ein
wenig früher als normal verließ. Danach folgte ein Wochenendurlaub mit einem befreundeten Paar
meiner Eltern. An dem folgenden Montag gab es einen kleinen Streit, aufgrund einer Lappalie. Am
Abend rief ich dann meine Mutter an, ob alles okay sei. Das war es aber nicht, er packte eine Kiste,
fühlte sich verfolgt, litt unter Wahrnehmungsstörungen, lief mit dem Hund und einer Taschenlampe
über den Hof! Ein Anblick der für mich schwer zu verkraften war und einem Angst bereitete. Er war
emotional völlig weggetreten, obwohl ich weinend vor ihm stand. In den folgenden zwei Nächten
blieb ich bei meinen Eltern, geschlafen hat er in dieser Zeit nicht! Es folgte eine handgreifliche
Auseinandersetzung mit ihm und mir, weil er eine Gefahr für meine Mutter da stand.

Fazit: Ein Polizeieinsatz, der mit einem 6 wöchigem Klinikaufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie
endete und eine 25 jährige Ehe, die auf dem Scheideweg stand. Diagnose: Psychose, bipolare Störung

Die folgenden zwei Jahre befand er sich, nach heutiger Sicht, in einer Depression. Er tat nur noch das
Nötigste, Hygiene spielte dabei auch nicht immer eine Rolle.

Anfang 2016 empfand ich als äußerst schön, meine Eltern unternahmen wieder viel zusammen
und mein Vater bemühte sich endlich wieder, dass Leben zu genießen und seine Ehe zu schätzen.
Der Zustand wurde immer besser, er war sportlich aktiv, fuhr Fahrrad - fühlte sich gut! So gut, dass
er für sich entschieden hat, seine Medikamente nur unregelmäßig zunehmen. Das Resultat war eine
schwere Manie! In dieser Phase drehte sich mein Leben nur darum, dafür zu sorgen, dass er sein
Leben nicht gegen die Wand fährt und den „Schaden“ so gering wie möglich zu halten. Nachdem er
eine Gefahr für meine Muttee darstellte, nahm ich sie zu mir! Mittlerweile wohnen sie getrennt, seit
August 2016. Er wohnte für etwa 2 Monate bei meinen Großeltern, die alles dafür getan haben, dass
er wieder auf die Beine kommt, ein geregelten Ablauf hat und vor allem seine Medikamente immer
richtig einnimmt.

Ich bin mittlerweile 30 Jahre, der einzige Sohn und tat alles dafür, meine Eltern wieder ein wenig
näher zu bringen. Er tat ebenfalls alles, kochte selbst für meine Mutter, holte sich stetig Vertrauen
wieder, welches in diesen Phasen völlig verloren ging. Sie unternahmen viel zusammen, fuhren an
den Wochenenden zusammen zu Ausstellungen, Künstlermärkten und einfach ans Meer. Er war
auf einem guten Weg, dass wiederzubekommen, was ihm immer am Wichtugsten war - seine
Familie!

Anfang des Monats Dezember, sind mir wieder vermehrt Dinge aufgefallen, die mir nicht gefallen
haben, eigentlich schon ein paar Wochen davor. Ich merke bei dem „Thema“ eigentlich schnell, ob
er „stabil“ ist oder Symptome auftreten. Mittlerweile ist man aus Sorge und auch etwas Angst, die
Momente wieder durchzumachen sehr sensibilisiert. Ich hatte Recht!

Er ist wieder in einer Manie, wollte es selber nicht zugeben und versuchte, alleine damit fertig zu
werden und sich zu „testen“, obwohl genau das schon vermehrt schief ging! Er ist seit etwa 2016
in Behandlung in einer Berliner Klinik, mit Medikamenten eingestellt! Ich weiß nicht genau, was
letztendlich wieder dazu geführt hat, wohlmöhlich hat er seine Medikamte wieder unregelmäßig
eingenommen und laut seinen Worten, zuletzt auch wieder sein Bier getrunken.

Heiligabend war demnach eine Katastrophe! Meine Mutter und ich machten das Beste daraus,
wussten aber nicht, wo das wieder enden soll. Am 2. Weihnachtstag rief er mich dann an, ob ich
ihm helfen kann, ob ich ihn nach Berlin in die Klinik fahre. Seine Idee war, Medikamente holen
und dann schnell wieder nach Hause! Ich verneinte es und er blieb auf meinem Wunsch in der
Klinik, obwohl er das nicht zwingend wollte. Nun möchte er morgen wieder raus und morgen
abgeholt werden! Laut seiner Aussage, muss sein beruflicher Auftrag fertig gemacht werden
und danach geht er wieder in die Klinik. Ich bin davon wenig angetan, meine Belastungsgrenze
ist langsam erreicht! Mein Leben drehte sich seit seinem ersten Ausbruch nur um ihm, mein
eigenes Leben wurde hintenangestellt.

Den Aufenthalt empfinde ich derzeit eigentlich als die richtige Entscheidung, ich bin ratlos.
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Vater / Bipolare Störung

MustermannXYZ87 1233 28. 12. 2017 23:33

Re: Vater / Bipolare Störung

VanGogh 353 29. 12. 2017 14:06

Re: Vater / Bipolare Störung

MustermannXYZ87 364 29. 12. 2017 23:48

Re: Vater / Bipolare Störung

teddy 333 31. 12. 2017 09:48

Re: Vater / Bipolare Störung

Punkt3 275 05. 01. 2018 01:00

Re: Vater / Bipolare Störung

MustermannXYZ87 268 21. 01. 2018 23:30

Re: Vater / Bipolare Störung

mausgold 342 22. 01. 2018 15:06



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