Ein Jahrzehnt krank oder nicht?

05. 12. 2017 13:19
Hallo zusammen,

seit gestern ist es jetzt 10 Jahre her das ich nach einem (erneuten) Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingeliefert worden bin. Zumindest habe ich in meinen Unterlagen noch eine Bestätigung gefunden die sagt das ich am 04.12.2007 bis auf weiteres aufgenommen wurde.
Zeit für ein kleines Fazit was so passiert ist, oder auch nicht und wo ich davor war.
Also eigentlich hab ich mich ja ganz gut entwickelt, ich bin von Zuhause bei meiner Mutter ausgezogen und über eine betreute WG und betreutes einzel Wohnen jetzt in eine Wohnung in der Großstadt (bzw. Stadtrand / Außenbezirk) gezogen. Mich hats ja schon immer mehr in die Stadt gezogen da ich aufen Dorf aufgewachsen bin. Sprich ich bin mit der Wohnsituation recht zufrieden, wobei ich in gebieten etwas mehr außerhalb vermutlich mehr Platz für das gleiche Geld bekommen würde. Aber ich bin zufrieden.

Job mäßig gings die letzten Jahre auch recht gut. Nachdem ich vor dem Krankenhaus Aufenthalt mich als selbständiger EDV Dienstleister versucht hab und das nicht ganz so verlaufen ist wie gedacht hab ich durch Fortbildung und Talent mich hoch gearbeitet zu einem ordentlichen Gehalt das mir ermöglicht ein Mittelklasse Auto zu fahren und mir eben die Stadt Wohnung zu leisten. Hier ist aber noch nicht ende der Fahnenstange ich hab noch die Möglichkeit mich zu spezialisieren und somit auch mehr Verdienen. Das schafft auch nicht jeder aus Hartz 4 raus.

Soviel zu den Themen mit denen ich eigentlich soweit zufrieden, beim Job auch ein wenig Stolz bin.

Was sich nicht geändert hat ist die Soziale Komponente sag ich mal. Ich bin immer noch Singel und hab da wie schon vor 10 Jahren doch zu knabbern dran. Das Jahr Parship ist auch schon fast vorbei ohne wirklichen erfolg und sämtliche anderen kostenlose Dating Seiten kam auch nichts rüber. Das trägt auch nicht grade zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei wenn man sagen kann ich hab mehr Körbe als ein Türkischer Basar. Ich kanns aber verstehen als langzeit Singel mit einem hang zu Depressionen und der Überzeugung das Liebe das Heilmittel schlechthin ist dazu noch unattraktiv ist, halt ins klassische Klischee passt, ist es halt schwer jemanden zu finden. Ich mein ich such ja nicht einfach nur was zum Vögeln (da kann ich auch in den Puff gehen) sondern die große Liebe. Ich Lese sogar Beziehungsratgeber was aber ohne Beziehung auch etwas komisch rüber kommt.

Und dann der Freundeskreis. Mit meinem besten Freund (und Lebensretter) hab ich mich mittlerweile zerstritten oder so ähnlich. Er hat das Leben was ich mir immer gewünscht hab mit Frau, Kinder und Haus im grünen. Und ich hab halt neue "Freunde" gefunden bei denen ich Party machen kann so mit was so dazu gehört, auch das experimentieren mit verschiedenen Drogen. Kiffen zählt nicht als Droge da ein vernünftiges Sativa besser und schneller wirkt als jedes Antidepressiva (aber das ist eine andere Diskussion die mittlerweile sogar im Bundestag angekommen ist). Gut vielleicht nicht das was im IBRP unter aufbau eines zuverlässigen Freundeskreis gemeint war aber die Leute sind ok. Verstrahlt und auf einem anderen beruflichen Level als ich aber ok.

Zu letzt das Thema Krankheit und Selbstmordgedanken (die ich trotzdem immer noch habe). Vor mittlerweile 3 Jahren ist mein kleiner Neffe mit Downsyndrom zur Welt gekommen nach dem meine Schwester und ihr Mann (der übrigens auch Bipolar ist) lange Versucht haben ein Kind zu bekommen und mit künstlicher Befruchtung auch Fehlgeburten hatten. Der kleine ist mit einem Herzfehler und einer kaputten Lunge zur Welt gekommen die Ärzte haben zwar nichts gesagt aber man war sich nicht sicher ob er überhaupt das erste Jahr überlebt. Und wenn man so ein kleinen Wurm an Beatmungsgeräten und künstlicher Ernährung selig lachend sieht und weis wie arg er um sein Leben kämpft macht das schon was mit einem, wenn nicht wär man meines Erachtens nach Gefühlstot. So nach dem Motto der kleine hat vielleicht nicht mal die Change zu Leben und du willst es weg werfen. Und dann gehts meiner Mutter auch nicht mehr so gut, erste Anzeichen von Demenz. Da darf ich nicht gehen! Ich mein der fort bestand des Familiennamens ist zwar schon durch meinen Bruder gesichert der auch durch Nachhilfe Zwillinge (Jungs) bekommen hat und dann ein Jahr später noch mal ne Tochter. Und ich weis aus meiner Kindheit ja wie das ist mit zwei Geschwistern aufzuwachsen bzw. was meine Eltern alles mit mir durch gemacht haben. Wahrscheinlich bin ich sogar mitschuld am frühen Tot (Herzversagen) meines Vaters aber da denk ich nicht drüber nach oder geb mir gar die Schuld oder so. Also irgend jemand muss sich ja um die Mutter kümmern wenn die zwei nicht können und der Pflegedienst kann halt auch nicht alles. Also nein ich bin nicht Selbstmordgefährdet aber ich hätte auch nichts dagegen wenn es durch äußere Umstände (Lebenswandel, Unfall oder so) zu Ende gehen würde. Dann wär ich nicht Schuld bilde ich mir ein.
Also Lebe ich weil ich muss wie ich kann auch wenn nicht wie gewünscht oder erhofft. Nehm fleißig jeden Tag meine Tabletten auch wenn ich mal andere "Tabletten" intus habe oder die Nase mal nicht von der Erkältung zu ist.

Ich Lebe also bin ich!

Vielleicht hilft ja meine Geschichte anderen denen es nicht so gut geht oder die weniger Glück hatten.

M 37, Single
Bipolar II, Kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61).
Seit Februar 2007 in Behandlung, Lamotrigin 400 mg/Tag.
Seit 2010 stabil, oder so ähnlich.

Ich lebe also bin ich.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Ein Jahrzehnt krank oder nicht?

KleinerRomeo 293 05. 12. 2017 13:19

Re: Ein Jahrzehnt krank oder nicht?

Aroma 97 06. 12. 2017 18:16



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