Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

24. 04. 2017 18:39
Moin,
ich bin neu im Kreise und würde mich aufgrund meiner Situation über ein paar hilfreiche Informationen freuen.
Ich bin gerade nach mehreren Monaten manischen Treibens zur Erkenntnis gekommen, dass ich bipolar bin, oder vielmehr zu der Einsicht, denn es wurde in der letzten Zeit wahrlich häufig genug an mich herangetragen, nur hat der Wahn mich vom Einsehen abgehalten.
Es gab vorher ein paar depressive Phasen, insb. in den letzten zwei Jahren, die mit Venlafaxin (...) behandelt wurden, und ich habe gegen Ende jener Phasen bei einer relativen Besserung meines Zustands auch reichlich THC konsumiert, um mich aus den Krisenphasen rauszuholen.
Meine Psychologin habe ich damals als sehr hilfreich empfunden, rückblickend wäre wohl eine stärkere Sensibilität hinsichtlich einer Bipolarität von Nutzen gewesen, aber es soll hier nicht um Schuldzuweisungen gehen.
Die letzte depressive Phase erwischte mich Ende August, wieder wurde auf Venlafaxin (bis auf 225 mg/d) zur Behandlung gesetzt; etwa Mitte Dezember ging dann die Reise los, Anfang Januar hatte ich manische Betriebstemperatur erreicht. Nun habe ich keinen Job mehr (Anstellung endet Ende April; einvernehmliche Aufhebung nach fristloser Kündigung nach Abwesenheit mit fehlender Krankschreibung), meine Beziehung ist seit Anfang des Jahres zerstört, diverse Tattoos prägen meinen Körper in ausdrucksstarker Art und Weise, meine im Rahmen meiner Weltrettungspläne angehäuften Schulden belaufen sich auf mehrere Tausend Euro und zu allem Überdruss bin ich noch zwei Wochen in der Karibik bevor der Rückflug geht.
Hier im Ausland habe ich während der gut zwei Monate natürlich auch allerlei Dinge initiiert und muss nun entsprechend Absagen erteilen, Lebensträume zerstören und Projekte einstampfen. Ihr könnt euch vorstellen, was zwischendurch so in meinem Kopf stattfand, Details sind denke ich nicht relevant.
Gerade habe ich (noch?) nicht die Tiefe einer depressiven Phase erreicht, bekomme den Alltag einigermaßen geregelt und versuche mir Klarheit darüber zu verschaffen, wie es weitergehen kann. Grundlegend gelingt es mir gerade relativ gut, die Dinge so zu sehen wie sie sind; Schwarzmalen habe ich in den Tiefphasen mit größerer Perfektion betrieben. Meine Gedanken sind jedoch noch recht sprunghaft und ich schlafe viel.
Leider habe ich hier sehr schlechten und teuren Internetzugang und kann daher eingeschränkt kommunizieren und Informationen einholen.
Vielleicht könnt ihr mir mit ein paar konkreten Informationen weiterhelfen und euren Einschätzungen und Erfahrungen? Ich versuche natürlich auch Kontakt mit meinen psych*-ischen Begleiter_innen herzustellen, aber das ist aufgrund der genannten Faktoren schwierig.
Ich weiss, dass das hier keine medizinische Beratung ersetzen kann , daher verzichtet bitte auf Warnungen und schreibt mir einfach eure Einschätzungen/Erfahrungen, ich werde nichts ohne Rücksprache mit meinen Ärzten tun, aber habe gern einfach noch darüber hinaus Erfahrungen.
1. Gibt es euch bekannte Vorerfahrungen mit Bezügen von Krankengeld oder ALG 1 bei Fällen, in denen maniebedingt Fristen nicht eingehalten wurden?
2. Ich habe in der Zwischenzeit auch meinem Berufsunfähigkeitsversicherer Bescheid gegeben, dass ich nicht mehr zu Arbeiten im Stande bin; damals natürlich um mich voll und ganz der Weltrettung zu widmen, nun stehen die Zeichen düsterer. Wie stehen da so die Chancen?
3. Kann ich mich auf irgendwas verlassen bezüglich der weiteren Entwicklung meines Zustandes? Derzeit komme ich wie gesagt einigermaßen klar, aber ich muss ja nun noch gut zwei Wochen bis zum Rückflug überbrücken.
4. Ist wohl naiv, aber ich frage einfach mal: Sind euch Wege bekannt, eine Haftpflicht o.ä. für die Kollateralschäden zu nutzen?
5. Was habt ihr als besonders hilfreich empfunden nach dem Ende einer manischen Phase?
6. Gibt es ansonsten irgendwelche Infos, die ich eurer Meinung nach nun haben sollte?
Puh, mein Kopf rattert nach wie vor ziemlich und ich finde es grundlegend schwer, nach so langer Zeit und so viel ‘Zerstörung’ eine Orientierung zu gewinnen darüber, was nun wichtig/richtig ist. Dass ich mich fern meiner Heimat befinde und mein Umfeld hier von meinen Plänen und Ambitionen auf Grundlage meines unzerstörbaren Selbstvertrauens in den letzten zwei Monaten geprägt ist, macht es natürlich nicht leichter für mich. Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar hilfreiche Informationen mit auf den weiteren Weg geben, darüber wäre ich dankbar.
Passt auf euch auf.
Ein Bruder im Geiste
levyc
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Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

levyc 1017 24. 04. 2017 18:39

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

A20213 398 24. 04. 2017 20:05

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

Nicole70 419 24. 04. 2017 23:32

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

Eisbaer 269 13. 05. 2017 11:22

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

levyc 256 14. 05. 2017 02:08

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

Monster 138 09. 07. 2017 11:32

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

Hotte 97 10. 07. 2017 18:44

Re: Jetzt sehe ich es ein: Es war eine Manie. Und ich bin weit weg und habe viele Fragen

levyc 87 11. 07. 2017 14:04



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