Schwangerschaft und Stillzeit unter NL - ein Erfahrungsbericht

17. 04. 2017 22:07
Liebe Forenteilnehmer,

ich möchte mal jenen unter euch Mut machen, die einen Kinderwunsch haben und sich fragen, wie man denn eine bipolare Störung mit der Familienplanung vereinbaren kann.

Meine Vorgeschichte: 2009 wurde bei mir eine Unterform der BS diagnostiziert. Es folgte eine Zeit von drei Jahren, in der man an meiner Medikation geschraubt hat und ich im Rahmen einer beruflichen Reha wieder in den angestammten Beruf gefunden habe.

2013 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und uns war von Anfang an klar, dass wir Kinder wollen.
Mein Psychiater hat mir klar seine Unterstützung zugesagt, er würde mir zutrauen, ein Kind zu bekommen und groß zu ziehen. Ich bin seit 2011 auf Quetiapin eingestellt, fast durchgehend in Monotherapie (eine Weile bekam ich noch Lamotrigin, hat aber nicht viel Zusatznutzen gebracht).

2015 haben mein Mann und ich die Verhütung eingestellt und im Dezember 2015 war ich schwanger. In Absprache mit meinem Psychiater und mit Embryotox in Berlin war klar, dass ich meine Medikation in leicht verringerter Dosis weiter führen kann. Ein längeres Telefonat mit Embryotox ergab, dass Quetiapin von allen NL jenes ist, das am wenigsten in die Plazenta übergeht und nur in sehr geringem Umfang in die Muttermilch. Mir wurde dazu geraten, es mit dem Stillen zu probieren; nur wenn das Kind apathisch wäre, müsste man mal darüber nachdenken, den Spiegel im Blut des Säuglings zu überprüfen.

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos und ich habe im August 2016 ein gesundes und vitales kleines Mädchen zur Welt gebracht. Geboren wurde meine Tochter in einer Uniklinik mit Neonatologie; ich konnte sogar mit der Oberärztin der Psychiatrie im Vorfeld einen Termin ausmachen, da es an jener Klinik eine besondere Sprechstunde für Schwangere mit psychischer Vorerkrankung gibt.
Die Psychiaterin meinte, dass es natürlich ein großes Risiko für einen Rückfall im Wochenbett gibt - aber bei Patientinnen, die medikamentös eingestellt sind und eine gute Compliance zeigen, ist dieses Risiko wiederum sehr überschaubar. Wir verabredeten, dass sie mich in den ersten Tagen nach der Geburt persönlich aufsucht und wir schauen, ob weitere Medikamente nötig sind.

Wichtig: Aufgrund meiner Erkrankung bekamen mein Mann und ich ein Familienzimmer auf Kosten der Krankenkasse! Da Schlafmangel und Erschöpfung wichtige Trigger für eine akute Phase sind, konnte ich so entlastet werden. Mein Mann war drei Tage und Nächte bei mir und der Kleinen und hat mir unglaublich viel abnehmen können.

Das Stillen klappte von Anfang an sehr gut und meine Tochter, nun bald acht Monate alt, entwickelt sich prächtig! Sie ist motorisch deutlich weiter als andere Kinder in dem Alter, sehr lebhaft und in keiner Weise apathisch oder sonst wie durch das Quetiapin beeinträchtigt. Wir stillen nach wie vor und ich werde es mindestens bis zum ersten Geburtstag beibehalten.
Mein Kinderarzt ist ebenfalls sehr zufrieden damit, wie sich meine Tochter entwickelt.

Mir selbst ging es während des Wochenbetts erstaunlich gut, besser als im Vorfeld gedacht; mein Mann hatte zwei Monate Elternzeit und somit konnte ich mich schonen und den Schlaf nachholen, der mir in den Nächten fehlte.
Durch die Hormone, die beim Stillen ausgeschüttet werden, lassen sich die Unterbrechungen in der Nacht viel besser aushalten als sonst; unsere Tochter schläft bei uns im Schlafzimmer und ich kann sie stillen, ohne extra dafür aufstehen zu müssen.

Alles in allem bin ich überglücklich, dass ich meinem Herzenswunsch gefolgt bin und nun Mutter bin. Durch die gute Vorbereitung und kompetente Begleitung von Fachpersonal konnte ich Schwangerschaft und Geburt gut bewältigen und auch jetzt geht es mir gut.

Jede Schwangere kann sich kostenfrei telefonisch bei Embryotox in Berlin beraten lassen (www.embryotox.de), man muss dafür einen Fragebogen ausfüllen und erhält dann eine Kontakttelefonnummer. Es wird kompetent zu allen möglichen Medikamenten beraten und ggf. Alternativen aufgezeigt. Mir hat das wirklich sehr geholgen.

Liebe Grüße
m2n

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w., 37 Jahre alt, schizoaffektive Störung 2009 diagnostiziert. Erste Psychose mit 17.
Medikation: Seroquel Prolong 400mg
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may2november 575 17. 04. 2017 22:07

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dino 221 18. 04. 2017 12:16

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may2november 186 18. 04. 2017 18:15

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yela 179 18. 04. 2017 18:45

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elsbeth 191 18. 04. 2017 18:58

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Ceily 169 19. 04. 2017 13:21

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dino 174 19. 04. 2017 14:07

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may2november 138 19. 04. 2017 16:35

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blauäugige 147 19. 04. 2017 16:26

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blauäugige 168 19. 04. 2017 17:38

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Mari2008 189 23. 04. 2017 17:18

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may2november 173 25. 04. 2017 18:10



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